Es gibt zwei Parteien, die gegen das Projekt Windpark Burgberg Petitionen eingereicht haben. Da ist die Bürgerinitiative Genie (Gegen Nachhaltig Ineffiziente Energie), ein „Zusammenschluss besorgter Bürger aus Goldbach, Westgartshausen, Kreßberg und Umgebung und aus den zuständigen Verwaltungsgemeinschaften“. Und da ist der Bürger Thomas Mack, der in Ölhaus wohnt, dessen Haus liegt dem ersten Windrad am nächsten. Der Petitionsausschuss des Landtags behandelt beide Petitionen zusammen, schließlich geht es um dieselbe Sache: Windkraftanlagen Burgbergwald/Crailsheim 16/2707.

Was ist geplant? Investor und Betreiber ist die Firma Windenergien GmbH aus Kirchheim unter Teck, die bereits die Windparks Rechenberg, Hummelsweiler und Ellwanger Berge realisiert hat. Auf der Gemarkung Crailsheim entstehen nun vier Anlagen vom Typ Enercon E-138, Nabenhöhe 160 Meter, Rotordurchmesser 139 Meter, Nennleistung von je 3,5 Megawatt. Damit können pro Jahr 10.000 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden. Die Inbetriebnahme ist für den Jahreswechsel 2019/2020 vorgesehen. Zunächst waren fünf Windräder angedacht, doch das auf Ilshofener Gemarkung wurde aus dem Genehmigungsverfahren genommen. Wegen des Rotmilans. Das heißt aber nicht, dass dieses Windrad später nicht noch kommt.

Ab 1. März sind Rodungen verboten

Für den Windpark Burgberg werden dauerhaft ein Hektar und während der Bauzeit 4,7 Hektar Waldfläche für die Anlagenstandorte und Zuwegung beansprucht, so steht es auf der Homepage der Firma Windenergien. Diese Werte beziehen sich allerdings noch auf die fünf Anlagen. „Die temporär gerodeten Flächen werden nach Abschluss der Bauarbeiten wiederhergestellt und rekultiviert“, heißt es weiter, und: „Für die dauerhaft freizuhaltenden Flächen (Fundamentbereich und dauerhafte Kranstellfläche) wird auf Ausgleichsflächen eine Waldfläche derselben Größe neu aufgeforstet.“

An diesem Montag hat die Rodung im Burgbergwald begonnen, die Zeit drängt. Vom 1. März bis 30. September ist das Fällen von Bäumen in der Regel verboten, um nistende Vögel zu schützen. So will es das Bundesnaturschutzgesetz.

Am Ortsrand von Ölhaus steht das Fahrzeug eines Forstunternehmers aus dem Landkreis Schwäbisch Hall, sonst ist nichts zu sehen oder zu hören, was mit Waldarbeiten zu tun hat. Um den Harvester zu entdecken, braucht es erst einen Ortskundigen. Bernd Ehrmann läuft zufällig gerade auf seinem Hof herum und zeigt einem im Auto den Weg.

Crailsheim

Das Emoji zeigt Daumen runter

Am Morgen war er schon mal im Wald an Ort und Stelle, um sich das Ganze anzusehen. „Die Rodung des ersten Windradstandortes beginnt“, schreibt er in eine Whatsapp-Gruppe der Dorfbewohner. Es dauert nicht lange, da kommt die erste Antwort: Das Emoji zeigt eine Hand mit dem Daumen nach unten.

Ehrmann fühlt sich „regelrecht überrumpelt“ von dem, was da passiert. Für ihn ist der Burgberg ein Naherholungsgebiet und da hätten Windräder nichts zu suchen. Und zu allem Überfluss müssten dafür Bäume weichen. „In Crailsheim machen sie wegen zwei Kastanien vor der Spitalkapelle rum und hier werden Hunderte Bäume gefällt“, sagt Ehrmann.

Thomas Mack wurde vom Petitionsausschuss informiert, „dass die ausstehende behördliche Genehmigung für das Projekt, gegen welches ich mich wende, nicht bis zum Abschluss des Petitionsverfahrens ausgesetzt werden könnte“, schreibt er per E-Mail. Dass einer Rodung somit nichts mehr im Wege stehen würde, hätte klar sein müssen, dennoch kommt sie überraschend. Die Gedanken kreisten eher um einen Vor-Ort-Termin des Petitionsausschusses. Dieser trifft sich am Freitag, 15. Februar, 10.30 Uhr, im Crailsheimer Rathaus. Den zeitlichen Ablauf – Rodung vor Treffen – bezeichnet Stephen Brauer, der als FDP-Abgeordneter für den Wahlkreis Schwäbisch Hall im Petitionsausschuss sitzt, zumindest als „unglücklich für den Bürger“.

„Wahnsinnige Auflagen“ zu erfüllen

 „Des Weiteren wurde mir erläutert“, schreibt Mack, „dass Petitionen keine aufschiebende Wirkung haben.“ Es gebe zwar eine Absprache zwischen Landtag und Landesregierung, Maßnahmen während eines anhängigen Petitionsverfahrens nicht zu vollziehen, aber Ausnahmen durch das Umweltministerium seien zulässig. Die Begründung in seinem Fall: Dem Antragsteller würde „durch eine Projektverzögerung ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entstehen“. Die grüne Ausschussvorsitzende Beate Böhlen informierte kurz vor Weihnachten über eine Anfrage des Umweltministeriums bezüglich eines „grünen Lichts“ in Sachen Petition Windkraftanlagen Burgbergwald/Crailsheim.

„Ich hatte die Hoffnung, dass das Projekt für den Investor nicht wirtschaftlich ist“, sagt Mack. Auf einer Veranstaltung des Ort­schaftsrates Roßfeld habe es vonseiten des Investors geheißen, dass der Windpark nur wirtschaftlich darstellbar sei, wenn alle fünf Windräder realisiert würden. Macks Kritikpunkt jetzt: „Auf Basis der Akteneinsicht durch unseren Anwalt ist ersichtlich, dass das Landratsamt die naturschutzrechtlichen Belange nicht ausreichend würdigt.“

Alexander Wiethüchter, kaufmännischer Geschäftsführer bei Windenergien, spricht davon, dass sie „wahnsinnige Auflagen“ erfüllen mussten. „Das Land hat sich mit doppeltem Boden abgesichert“, betont er. Unter anderem musste die Firma eine Bürgschaft über 78.000 Euro hinterlegen – für den Fall, dass der Ausschuss „irgendwas findet“.

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