Der Vorstand der Bürger­initiative stellte sich zunächst selbst vor: Als Vorsitzende traten Stephanie Rein-Häberlen und Martin Doderer auf den Plan. Sie hatten Jasmine Pongraz, Wolfgang Glasbrenner, Bernd Ludwig und Marcus Mayer als Vorstandskollegen an der Seite.

Die sechs hatten sich die Präsentationen aufgeteilt. Denise Pongraz etwa war für die Natur zuständig und nahm die bestimmt 250 Zuhörer in der voll besetzten Turnhalle in Gröningen (Gemeinde Satteldorf) mit auf einen Spaziergang durchs Jagst- und Gronachtal – Vogelgezwitscher inklusive. „Wunderschön im Blätterwald“, doch das alles sei in Gefahr, sagte sie und zeigte Bilder von staubigen Baumblättern, die in der Nähe des Steinbruchs Kernmühle zwischen Neidenfels und Wollmershausen aufgenommen wurden. „Zu Wanderungen lädt das nicht mehr ein.“

So hört sich ein Steinbruch an

Ausführlich stellte Wolfgang Glasbrenner dar, dass ein Steinbruch negative Auswirkungen haben kann – und ließ es erst einmal richtig krachen. „Das ist ein Sprenggeräusch“, sagte er. „Stellen Sie sich vor, Sie entspannen draußen bei der Gartenarbeit. Und dann kommt dieser Knall.“ Ein Steinbruch, so Glasbrenner, erschüttere Gebäude, Menschen und Natur. Dann berichtete er von DIN-Normen und wie sich die Situation in Wollmershausen darstellt. Hier zeigte er Bilder von Häusern mit Rissen, Senkungen und Verwerfungen und berichtete von verschiedenen Gutachten – wobei die von der Steinbruchfirma beauftragten Experten die Schäden nicht auf die Sprengungen zurückführten. Die der Bürgerinitiative aber schon.

Glasbrenner thematisierte auch  den Feinstaub, der gesundheitsschädlich ist. Thema in den Ortschaften ist auch der Weg, den die Laster zum Abtransport des Schotters wählen. Der von der Firma vorgeschlagene führe an Biotopen vorbei, sagte Marcus Mayer – was für die Gröninger fast die bessere Lösung wäre, denn dann führen die Laster nicht direkt durch den Ort. Allerdings: Nah genug am Wohngebiet Eichelberg kommen sie doch vorbei. „Und dann fährt dort der erste Lkw morgens um 6.“ Überhaupt wäre Gröningen vom Verkehr eingekreist. „Und wenn Schotter Richtung Bayern geht, fahren die dann über Bronnholzheim?“ Hier sehe man, dass die ganze Gemeinde vom Steinbruch betroffen sei, meinte Mayer, nicht nur Bölgental und Gröningen.

Dann kam Stephanie Rein-Häberlen an die Reihe, die darstellte, dass die Bürgerinitiative durchaus abgewogen habe. Doch sie sei der Überzeugung, dass Gesundheit, Natur, Eigentum und nicht zuletzt die Lebensqualität von 5500 Einwohnern mehr wiegen als 80 Arbeitsplätze („dieses Argument wiegt schwer, aber man kann sie sicher zum Teil erhalten“), die Gewerbesteuer, („Wer weiß, vielleicht kommt danach ein anderer Betrieb mit mehr Arbeitsplätzen?“) und die Rohstoffe, von denen die großen Blöcke des Crailsheimer Muschelkalks tatsächlich nur hier gebrochen werden können („aber es ist ein einstelliger Prozentsatz, der da entnommen wird.“).

„Ein bisschen die Hand drauf“

Deshalb werde die Bürgerinitiative nicht lockerlassen und den Steinbruch zu verhindern suchen. „Wenn es heißt, das klappt nicht, dann ist das eindeutig falsch“, sagte Rein-Häberlen. Denn Verhinderungsmöglichkeiten gebe es, ganz unabhängig davon, dass sich drei der fraglichen Ackerstücke noch gar nicht im Besitz der Firma befinden. „Dort haben wir ein bisschen die Hand drauf. Da sage ich aber nicht mehr dazu, in der Hoffnung, dass es so bleibt.“

Doch es gebe noch eine weitere Möglichkeit: „Wir setzen an den öffentlichen Wegen an“, sagte Rein-Häberlen. „Das Unternehmen wird sie brauchen, um abzubauen.“ Hier sei es möglich, der Firma die Nutzung dieser Wege zu verwehren. An dieser Stelle komme der Bürgermeister beziehungsweise der Gemeinderat ins Spiel, in deren Entscheidungsbereich das liege. Und an die Gemeinderäte im Saal gerichtet sagte sie: „Sie sind die Vertreter der Bürger, und zwar vorrangig. Die Unterschriftensammlung zeigt, dass die Bürger den Steinbruch nicht wollen.“

Gemeinderat muss bis 24. März über das Bürgerbegehren entschieden haben


Die Bürgerinitiative „Steinbruch Bölgental – nein danke“ ist ein eingetragener Verein. Das Ziel steckt im Namen: Die Bürgerinitiative will verhindern, dass die Firma Schön + Hippelein vor den Toren der Ortschaft Crailsheimer Muschelkalk abbaut.

Wie geht es weiter? Die Initiative strebt einen Bürgerentscheid an. Dafür sind vor vier Wochen in einem Bürgerbegehren 1344 Unterschriften – es sind mittlerweile noch mehr dazugekommen – bei der Gemeinde abgegeben worden. Der Gemeinderat muss nun innerhalb von zwei Monaten, bis zum 24. März, entschieden haben, ob das Bürgerbegehren zulässig ist. Falls ja, muss der Bürgerentscheid innerhalb von vier Monaten durchgeführt werden. Es sei denn, und darauf hofft die Bürgerinitiative, der Rat beschließt von sich aus „die Durchführung der mit dem Bürgerbegehren verlangten Maßnahme“ – so der Originaltext in der Gemeindeordnung. In diesem Fall müsste die Gemeinde alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die Fläche von einem Steinbruch freizuhalten.

Der Bürgerentscheid ist dann gültig, wenn sich 20 Prozent der Wahlberechtigten einer Gemeinde (in Satteldorf wären das etwa 850 Personen) für eine der fraglichen Positionen ausspricht. Dieses Quorum ist im Übrigen mit den Stimmen des Bürgerbegehrens (die derzeit in der Gemeindeverwaltung geprüft und freilich beim Bürgerentscheid neu abgegeben werden müssen) locker geschafft, teilte Martin Doderer beim Informationsabend mit. uts