Reinhold Würth war nie zimperlich mit seinen Aussagen. Wenn ihm was nicht passt, wird er deutlich. Widerspruch und sogar Anfeindungen scheut der 84-Jährige nicht – egal, ob sie von innen oder von außen kommen. Mitarbeiter sollten gefälligst um 7.30 Uhr beim ersten Kunden auf der Matte stehen. Firmenautos sind nach Feierabend zu betanken, forderte er einst von den Konzern-Beschäftigten und heimste sich damit viel Kritik ein.

„Deutschland hat in Umweltpolitik versagt“

Am zurückliegenden Freitag hat Reinhold Würth ein Gespräch mit einem Redakteur der Bild-Zeitung geführt. Auch dabei nahm der Unternehmer kein Blatt vor den Mund. Die große Boulevardzeitung berichtet auf der Titelseite („Schrauben-Milliardär Würth rechnet mit Merkel ab“) und auf der nachfolgenden Seite. Betont und erörtert werden einige besonders knackige Zitate des Unternehmers zu Innenpolitik, Energiegewinnung, Europa, Berufsausbildung, Außenhandel und sozialer Verantwortung,

In der Umweltpolitik habe Deutschland komplett versagt. Der Unternehmer zeigt Verständnis für „die jungen Leute, die auf die Straße gehen“. Würth hält es für falsch, dass Deutschland nach der Reaktorkatastrophe in Japan aus der Atomkraft ausgestiegen ist. „Wir sind ja hier auch nicht in Fukushima, wo es 100 Erdbeben am Tag gibt“, zitiert die Bild-Zeitung.

Würth war für Friedrich Merz an CDU-Spitze

Würth hätte den Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz gerne als CDU-Chef gesehen. Annegret Kramp-Karrenbauer spricht er die nötige Kompetenz ab. Der Unternehmer, der den Kleinbetrieb seines Vaters zu einem Weltkonzern entwickelt hat, verrät, was er bei der Europawahl gewählt hat: Grün.

Für nicht wählbar halte er die AfD: Es sei hirnverbrannt, für diese Partei zu stimmen.

Nicht gut weg kommt Helmut Weber, der sich als möglicher EU-Kommissionspräsident in Stellung gebracht hat. „Wir brauchen keinen Bremser vorne dran.“

Die Staaten Europas müssten eins werden, zitiert die Bild. Es müsse europäische Minister geben für Wirtschaft, Finanzen und Verteidigung. Falls der europäische Zusammenschluss nicht gelingt, werde Deutschland zwischen den USA, China und Russland zerrieben.

Zum Ausdruck bringt er, dass ein Mensch auch ohne Studium ein Mensch ist. „Es muss auch jemand einen Hammer halten können“, sagt Reinhold Würth. Ein Land „voller Soziologen“ nütze nichts.

China wird die Nummer eins

China ist riesig, ehrgeizig und fleißig. „Die Chinesen werden die Nummer eins der Welt“, vermutet Würth, und in vielen Bereichen seien sie es schon jetzt. US-Präsident Trump könne daran nichts ändern, egal ob er „linksrum oder rechtsrum zappelt“. Vor genau einem Jahr hatte Würth bekannt gemacht, dass er in den USA nicht investieren werde, solange Donald Trump Präsident ist.

Weil in Deutschland nicht früh genug auf Brennstoffzellen­technik gesetzt wurde, sitze die Automobilindustrie in der Patsche. Das lange Festhalten am Verbrennermotor sei ein Fehler gewesen, den man früher hätte erkennen können, so Reinhold Würth.

Zeit ist für ihn der größte Luxus, macht der 84-Jährige deutlich. Wenn er sie sich kaufen könnte, würde er viel dafür geben.

Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet“

Den Erben mittelständischer Unternehmen empfiehlt der Konzernchef einen Blick ins Grundgesetz, auf die Passage in Artikel 14, in der steht, dass Eigentum zu sozialem Handeln verpflichtet.

Nicht nur Reinhold Würth geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht. Industriepräsident Dieter Kempf spricht davon, dass das Vertrauen verspielt worden sei. Statt entschlossenem Handeln erlebe die deutsche Industrie „das mutlose Abarbeiten kleinteiliger Politikfelder und ein ungesundes Maß an Umverteilung“.

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Jahre alt war Reinhold Würth, als sein Vater starb und er das kleine Schraubenunternehmen übernehmen musste. Zwei Jahre später wurde er Geschäftsführer.