Schießereien soll es hier noch nie gegeben haben. Ebenso keine geheimnisvollen Fremden, die unerwartet die Schwingtüren aufstoßen und kraft ihres stahlblauen Heldenblicks sogar die Musik verstummen lassen. In diesen Saloon führt aber ohnehin nur eine normale Klinkentür, die sich für effektvolle Auftritte à la Clint Eastwood wenig eignet. Hier gehe es durch und durch friedlich zu, versichert Andreas Rüger. Schmal wie der Pfad der Tugend ist das Gässle, das beim Gasthaus Ochsen zu dem Blockhaus führt, in dem sich der Gründer und Vorstand des Vereins „Saloon ­Friends“ zusammen mit anderen Cowboys und -girls einen Traum erfüllt hat: 80 Quadratmeter Wilder Westen mitten in Uttenhofen.

Mit einer Handvoll Mitglieder fing die Geschichte vor etwa acht Jahren an — damals noch, unweit des heutigen Standorts, in einer besseren Gartenhütte, die allerdings über die obligatorische Veranda inklusive Schaukelstuhl verfügte. Als 2015 der heutige Sigismundweg geplant wurde, musste das Vereinsheim aus verkehrsrechtlichen Gründen weichen. Westernreiter und Country-Fan Rüger nutzte die Gelegenheit: „Da haben wir gesagt, jetzt bauen wir das Ganze neu, und dann gleich als richtiges Haus.“

Der neue Claim war längst abgesteckt, denn wie zuvor schon die Hütte steht der solide Saloon auf seinem eigenen Grund und Boden. Die derzeit 69 Vereinsmitglieder — Tendenz steigend — kämen aus der ganzen Region, um im originellen Saloon-Ambiente ein Bierchen zu zischen und dabei beste Country-Musik zu genießen, berichtet Rüger gut gelaunt. Selbst ein Stuttgarter scheue die Anfahrt nicht und bringe regelmäßig Freunde mit.

Seit Kurzem erst sind die liebevoll dekorierten Räume mehr als nur Vereinszentrale: Die ­„Friends“ haben Ende Januar ihre Schankerlaubnis erhalten. Da die Luft in der gastlichen Stätte nicht etwa von rauchenden Colts etwas vernebelt ist, sondern ganz profan von Zigaretten, haben nur Erwachsene Zutritt. Hinterm Tresen verwirklichen sich die Barkeeper-Talente des Vereins.

Endlich richtig trainieren

Jeden Dienstag, Freitag und Samstag ist ab 20 Uhr bis zwei Uhr morgens geöffnet, was nicht unbedingt einem dorftypischen Zeitfenster entspricht. Wie sehen das die Nachbarn? „Zu 90 Prozent positiv“, schätzt der Chef des Hauses.

Funkelnagelneu ist der im Dezember 2018 fertiggestellte Anbau. Die zahlreichen Handwerker unter den Westernfreunden haben ihn errichtet, damit die für die Erteilung der Schankerlaubnis notwendige, behindertengerechte Toilette einen Platz fand. Nun erfüllt die schmucke Erweiterung zudem einen sportlichen Zweck: Unter den Hörnern eines amerikanischen Longhorn-Bullen lässt hier die Vereinsmannschaft „Dartfreunde Saloon Friends“ an zwei professionellen Automaten die Pfeile fliegen.

„Bisher waren wir alle Hobbyspieler, jetzt können wir endlich richtig trainieren“, freut sich Mannschaftskapitän Martin Rau. Damit sich das auch lohnt, wollen sich die Dartfreunde im Februar für die Dart Liga Hohenlohe anmelden. Vorstandsbeisitzerin Mellie Wengert verleiht der ansonsten reinen Männerrunde weibliche Zielsicherheit.

In dem hübschen Holzhaus sei aber noch viel mehr los, betont Schriftführerin Beate Reutter, die gerne vom Pferderücken aus das Lasso schwingt. Es werden regelmäßige Line-Dance-Kurse angeboten, Grill-Feste veranstaltet, Ausflüge geplant. Einmal im Jahr macht eine Gruppe von Westernreitern die filmreife Idylle perfekt: Sie übernachten samt ihren Pferden am Lagerfeuer und verabschieden sich danach zu einem viertägigen Ritt über die Hohenloher Prärie.