Uhingen Windräder sollen noch höher werden

Den ersten Antrag für drei Windrotoren bei Baiereck hat die Firma Uhl zurückgezogen. Jetzt hat sie einen neuen gestellt: für nur zwei, aber dafür höhere Anlagen. Unser Bild zeigt ein Windrad auf dem Tegelberg bei Kuchen.
Den ersten Antrag für drei Windrotoren bei Baiereck hat die Firma Uhl zurückgezogen. Jetzt hat sie einen neuen gestellt: für nur zwei, aber dafür höhere Anlagen. Unser Bild zeigt ein Windrad auf dem Tegelberg bei Kuchen. © Foto: Rainer Lauschke
Uhingen / Ingrid zeeb 23.10.2018
Nur noch zwei statt wie im Jahr 2016 drei Anlagen will ein Unternehmen bei Baiereck bauen. Der Uhinger Gemeinderat ist dagegen.

Der Uhinger Gemeinderat ist dagegen, dass im Gebiet Sümpflesberg zwei Windräder mit 238,5 Metern Höhe gebaut werden. „Die Stadt Uhingen lehnt den Standort generell ab“, heißt es in einer Erklärung, die die Stadträte jetzt  verabschiedet haben. „Die Beeinträchtigung für Landschaft, Natur und die Bewohner von Baiereck, den anderen Stadtteilen im Nassachtal und Diegelsberg sind zu hoch.“ Allerdings hat Uhingen nichts mitzuentscheiden bei der Frage, ob der Bauantrag der Ellwanger Firma Uhl genehmigt wird oder nicht. Das Windkraft-Vorranggebiet „ES-02 Sümpf­les­berg“ bei der Königseiche liegt auf Ebersbacher Markung, etwa 1300 Meter von Büchenbronn und Krapfenreut entfernt.

Nach Baiereck beträgt der Abstand nur 790 Meter, deshalb regt sich im Nassachtal besonders großer Widerstand. Dem Nassachtäler Ortsvorsteher Eberhard Hottenroth ist die Verbitterung anzumerken, wenn er sagt: „Wir haben vor zwei Jahren auf eigene Kosten und dank Spendensammlungen 45 000 Euro für eigene Gutachten ausgegeben. Jetzt geht das Ganze von vorne los.“ Hottenroth und seine Unterstützer von der Bürgerinitiative Pro Schurwald kritisieren, dass die Firma bis heute kein schlüssiges Windgutachten vorgelegt habe, das ein hohes öffentliches Interesse am Bau der Rotoren im Landschaftsschutzgebiet rechtfertige.

Die drei Turbinen am Standort Goldboden bei Winterbach, so argumentieren die Windkraftgegner, hätten von Januar bis September nur die Hälfte der vom Betreiber ENBW prognostizierten Strommenge produziert, obwohl überdurchschnittliche Windverhältnisse geherrscht hätten. Das belege, dass das Windaufkommen in der Region überschätzt werde.

Gegenwind kam auch aus allen Fraktionen im Gemeinderat. Wolfgang Euchner (SPD) sagte: „Die Nachteile überwiegen. Das gibt in Baiereck massiven Schattenschlag und Lärm. Außerdem wird viel Wald gerodet und überbaut.“ Sabine Braun (CDU) sah das genauso und stellte fest: „Die Zermürbungstaktik, die die Firma Uhl hier verfolgt, ist einzigartig.“ Für sie ist problematisch, dass der Antrag im vereinfachten Genehmigungsverfahren ohne Beteiligung der Bevölkerung im Landratsamt entschieden wird.

Ulrich Langer (FDP/UB) kritisierte: „Die Firma Uhl hat kein Interesse an Öffentlichkeitsarbeit. Die versuchen, alles still und heimlich über die Bühne zu bringen.“ Den Bürgern im Nassachtal, die schon vor zwei Jahren 1500 Unterschriften gesammelt haben, sprach er ein Kompliment aus. Bürgermeister Matthias Wittlinger unterstrich, man wolle nicht als Neinsager dastehen: „Wir sind für Windkraft. Dem Windpark auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot bei Wangen haben wir zugestimmt, weil dort der Nutzen höher und die Beeinträchtigung der Bevolkerung geringer ist.“ Das auf dem Sümpflesberg geplante Projekt aber sei „zu groß, zu laut, zu sichtbar“, kurz: „Die Nachteile überwiegen die Vorteile.“ Bei einer Enthaltung stimmte der Gemeinderat der Erklärung zu.

Laut Bürgermeister Wittlinger hat das Göppinger Landratsamt es abgelehnt, an einer öffentlichen Informationsveranstaltung teilzunehmen: „Das verwundert, vor allem wenn man sich anschaut, wie der Landkreis Esslingen mit der Problematik umgeht.“ Für Eberhard Hottenroth steht eines fest: „Wir werden uns das im Nassachtal nicht bieten lassen.“

Keine Beteiligung der Öffentlichkeit nötig

Landschaft Das Windkraft-Vorranggebiet Sümpflesberg an der Kreisgrenze zu Esslingen liegt im Landschaftsschutzgebiet. Der Kreis Esslingen beschloss vor einigen Jahren, das Gebiet nicht mehr weiterzuverfolgen, wodurch sich das rund 70 Hektar große Gebiet auf knapp die Hälfte verkleinerte.

Privileg Windanlagen können als so genannte privilegierte Anlagen überall im Außenbereich genehmigt werden, wenn keine öffentlichen Belange entgegenstehen.

Verfahren Erst ab einer Zahl von 20 Rotoren ist im Genehmigungsverfahren die Öffentlichkeit zu beteiligen. Bei zwei Anlagen wie jetzt beantragt entscheidet das Landratsamt nach entsprechender Prüfung ohne Anhörung der Öffentlichkeit.

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