Donzdorf Windräder am Tegelberg wurden eingeweiht

Donzdorf / Von Axel Raisch 04.07.2018
Am Tegelberg wurden drei Windkraftanlagen eingeweiht. Die Feier begleiteten auch Kritik und Protest.

Bei warmem Sommerwetter wurde der Windpark Tegelberg am gestrigen Mittag in eingeweiht. Für die drei insgesamt 16,5 Millionen teuren und 8 340 Kilowatt (kW) starken Anlagen der Solar Invest AG aus Schwäbisch Hall ist ein Nettoenergieertrag von 21 700 Megawattstunden angesetzt. Die Anlage befindet sich auf einem gepachteten Gelände der Gräflich Rechbergschen Forstverwaltung in Donzdorf. Der Netzanschluss erfolgt durch die Albwerke.

 Die heftige Sonnenstrahlung bei der Eröffnung der Anlage auf dem Tegelberg führte Solar Invest-Vorstand Johannes van Bergen gleich zur nächsten Überlegung für ein Projekt vor Ort. „Ein Solarpark würde der fünf Kilometer langen Anbindungsleitung nach Geislingen gut tun, sie zusätzlich auslasten.“

 Eitel Sonnenschein gab es dennoch nicht. Neben Kritik van Bergens am Technik-Lieferanten General Electric für deren Komponenteneinkauf in China hatten Bürgermeister und Gemeinderat aus Gingen am gestrigen Vormittag noch per E-Mail ihre Teilnahme an der Einweihungsveranstaltung abgesagt. Van Bergen, der Geschäftsführer der neuen „Windpark Tegelberg-Donzdorf GmbH“ ist, berichtete in seiner Rede aus der Mail von Bürgermeister Marius Hick: In Gingen halte man den Standort für falsch, zudem sei kritisiert worden, dass der Ertrag der Anlage nach Schwäbisch Hall fließe.

 Dem widersprach van Bergen und erläuterte die Struktur seines Unternehmens ausführlich. Vor rund zehn Jahren hätten sich die Stadtwerke zur Gründung der AG entschlossen, um die Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung zu erhöhen. 2010 schließlich wurde die Solar Invest gegründet. Anfangs war man auf Sonnenenergie konzentriert, die Windkraft kam hinzu. Anteile könnten natürlich nicht nur in Schwäbisch Hall gekauft werden, sondern überall. Heute halten die Stadtwerke in Schwäbisch Hall 57 Prozent der Aktien, 43 Prozent befinden sich in Streubesitz. Einziger Mitarbeiter der Solar Invest und deren „Vorstand“ ist der Ingenieur Johannes van Bergen. Dienstleistungen werden unter anderen bei den Haller Stadtwerken eingekauft. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Solar Invest und OB von Hall, Hermann-Josef Pelgrim, hatte entgegen ursprünglicher Planungen nicht an dem Festakt auf dem Tegelberg teilnehmen können und seine Rede abgesagt.

 Mit dabei waren aber neben dem Ersten Landesbeamten Jochen Heinz Donzdorfs Bürgermeister Martin Stölzle sowie Geislingens Stellvertretender Bürgermeister Holger Scheible und Vertreter der Gemeinderäte aus Donzdorf und Kuchen.

 Die Wirtschaftlichkeit der Anlage auf dem Tegelberg sei „nicht so überragend“ wie dies mitunter bei anderen Anlagen der Fall sei. Da mit einer Kapitalrückflusszeit von 16,3 Jahren gerechnet werde und die Anlage nach 17 Jahren abgeschrieben sei, dürfe „nicht viel passieren“, erläuterte Windpark-Geschäftsführer van Bergen.

 Auch auf die „erheblichen Proteste“, die es aus Kuchen hinsichtlich befürchteter Lärmemissionen gegeben habe, ging van Bergen ein. Man stehe in direktem Kontakt mit dem Landratsamt und habe bereits im April Messungen in Auftrag gegeben. Diese lägen allerdings noch nicht vor, da für belastbare Messungen bestimmte Windgeschwindigkeiten vorgeschrieben seien, die bislang noch nicht erreicht werden konnten. Möglicherweise müsse man bis Herbst warten. „Wir beobachten das aber täglich“, versprach der Geschäftsführer.

 An der Notwendigkeit des Ausbaus von Windkraftanlagen ließen jedoch weder er noch Dr. Michael Sladek von den Energiewerken Schönau einen Zweifel. Ausführlich erläuterten van Bergen sowie nach ihm auch der „Vorreiter der Energiewende“ (van Bergen über Sladek) aus dem Schwarzwald die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten.

Der Ausbau der erneuerbaren Energie sei nicht nur notwendig, „um von der Kohle wegzukommen“, sondern auch um im Energiebereich wieder mehr Wertschöpfung nach Deutschland zu holen, so van Bergen. Er forderte dafür regionale Ausschreibungen, da man hierzulande in Konkurrenz zu Windkraftstandorten an der Küste chancenlos sei.

 Der Mitbegründer der Elektrizitätswerke Schönau und Arzt, Michael Sladek, betonte, dass Wirkungen meist Nebenwirkungen gegenüberstünden. Hinsichtlich der erneuerbaren Energie sieht er ein Missverhältnis in der Darstellung. Mögliche Nebenwirkungen würden aufgebauscht sowie Angst und Panik geschürt.

Dagegen würde viel zu wenig betont, „dass wir die Windenergie unbedingt brauchen“. Man habe das Feld zu lange Leugnern des Klimawandels und Populisten überlassen. Seiner Meinung nach werde der Klimawandel „viel schlimmer als erwartet“. Hauptursache sei CO2. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, mahnte Michael Sladek und wies ausführlich auf Folgen wie Dürre, Überflutungen und Flüchtlingsströme hin.

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