Schurwald / Susann Schönfelder  Uhr

Die drei Windkraftanlagen am Goldboden in Winterbach, die von der EnBW betrieben werden, sind bereits ein gutes Jahr in Betrieb. „Dies ist Anlass, einmal nachzuschauen, ob die Anlagen die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen“, schreibt Michael Haueis von der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“. Er kommt zu dem Schluss: „Das Ergebnis ist ernüchternd.“ Die Stromproduktion habe 40 Prozent unter den Planvorgaben gelegen, die Auslastung habe nur 17 Prozent betragen – „und dies, obwohl das Jahr 2018 in Baden-Württemberg ein überdurchschnittliches Windkraftjahr war“, betont Haueis in einer Pressemitteilung. In allen Monaten habe das Windaufkommen über dem langjährigen Durchschnitt gelegen, trotzdem sei die Stromproduktion in elf von zwölf Monaten unter Plan gewesen.

Die Bürgerinitiative nennt als Quellenangabe die App „EnBW E-Cockpit“, mit der der Stromanbieter seine Erzeugungsdaten transparent machen will. Demnach sollten die drei Anlagen am Goldboden im ersten vollständigen Betriebsjahr 2018 nach Planung der EnBW 25 Gigawattstunden Strom erzeugen, tatsächlich seien es am Ende nur knapp 15 Gigawattstunden gewesen. Nur im extrem windreichen Dezember – mit vier Sturmtagen – konnte der Planwert erreicht werden. Die Bürgerinitiative fragt sich: „Wenn bereits in einem guten Windjahr die Planungen so deutlich verfehlt werden, wie wird dies dann in einem durchschnittlichen oder unterdurchschnittlichen Windjahr sein?“

Die EnBW habe in der Vergangenheit die schlechte Leistung am Goldboden damit begründet, dass sich die Anlagen noch im Probebetrieb befinden. Dieses Argument zieht für „Pro Schurwald“ jedoch nicht mehr: „Der Probebetrieb war zur Jahresmitte abgeschlossen. Aber auch danach blieb die Leistung weit unter den Planzahlen.“

Die Ergebnisse bestätigen die Bürgerinitiative in ihrer Ansicht, dass der windschwache Schurwald für die Windkraft ungeeignet ist. „Pro Schurwald“ fordert, die geplanten Standorte Sümpflesberg im Bereich Büchenbronn, Baiereck und Thomashardt sowie das Projekt am ehemaligen Bundeswehrdepot bei Wangen „zügig ad acta“ zu legen, da die Windverhältnisse dort ähnlich schwach sein dürften. „Ein Windkraft-Friedhof auf dem Schurwald ist genug“, sagt Haueis.

Das Windkraftprojekt zwischen Wangen und Oberberken wird vermutlich vorläufig nicht weiterverfolgt. Der Artenschutz würde die Rotoren unwirtschaftlich machen. Die abschließende Bewertung durch das Landratsamt Rems-Murr-Kreis steht aber noch aus.