Gemeinschaftsschulen setzen von Haus aus auf individuelles Lernen, da Schüler in unterschiedlichen Leistungsstufen je nach ihren Fertigkeiten den Stoff in verschiedenen Schwierigkeitsstufen bearbeiten sollen. Daher scheinen diese Schulformen und deren Schüler  besonders gut aufs Lernen während der unterrichtsfreien Corona-Auszeit vorbereitet zu sein. Das gilt im besonderen Maße für die Messelberg-Gemeinschaftsschule in Donzdorf. Schließlich gehört sie zu den wenigen Schulen im Land, die komplett auf Digitalisierung setzen.

„Alle etwa 300 Schüler und rund 30 Lehrer haben iPads“, berichtet Rektor Erich Ege nicht ohne Stolz. Ausgenommen von der Digitalisierung seien bisher lediglich die angeschlossenen Grundschulen in Reichenbach u.R. und Winzingen. Die Schüler der Klassen fünf bis zehn können nun in der Viruspause das zuhause machen, was sie auch im Unterricht auf der Lernplattform DiLer tun. Jedoch sind die Kontakte mit den Lehrern derzeit aufs virtuelle beschränkt. Die Schüler sollen laut Ege recherchieren, Aufgaben bearbeiten und ihre Lernpakete abarbeiten. „Ein Großteil der Schulbücher liegen digital vor“, sagt der Schulleiter am Telefon. Zudem speisen die Lehrer Lernpakete ein.

Die Schüler sind in der Theorie gut vorbereitet

„Die Schüler sollten im Rahmen des Stundenplans ehrlich und selbstverantwortlich lernen. Das ist typisch Gemeinschaftsschule.“ Ege nimmt an, dass seine Zöglinge in der Theorie ganz gut auf die Situation vorbereitet sein sollten. Zumal durch die Digitalisierung auch gut Kontakt zu den Eltern aufgenommen werden könne, um Informationen auszutauschen.

Dem Rektor ist aber auch klar, dass Theorie und Praxis nicht immer Deckungsgleich sein werden. Die Schüler könnten zuhause auch die Lösungen für ihre Aufgaben austauschen. Auch gebe es „keine Kontrolle rückwärts“. Die Schüler müssen also keine gelösten Aufgaben an ihre Lehrer zurücksenden. Zudem lasse sich wegen der Distanz schwer ermitteln, ob die Jugendlichen den Stoff tatsächlich verstanden haben.

„Die Schüler sind es vom Unterricht her gewohnt“, ist Jan-Eric Albrecht überzeugt, dass die Kinder aus dem Lautertal das laufende Experiment ganz gut bewältigen können. Der Lehrer und Experte für digitales Lernen an der MBS weist darauf hin, dass die Schule in der vergangenen Nacht investiert und auf schnellere Server umgestellt hat. Damit sei auf die jetzt zusätzliche Datenflut reagiert worden.

„Es ist gewährleistet, dass die Schüler in einem gewissen Rahmen Aufgaben bekommen“, erläutert Albrecht. Es sei ihnen überlassen, wie sie den nutzen. „Jetzt können die Schüler zeigen, ob sie das selbstständige Lernen umsetzen“, sagt er. Seine erste Bilanz fällt positiv aus: „Sie lernen und greifen fleißig zu.“ Die Lehrer müssten aber auch darauf achten, dass sie die Schüler nicht überfordern und zu viele Aufgaben einspeisen. „Die letzten drei Jahre hat sich die Messelbergschule auf den Weg der Digitalisierung gemacht. Das zahlt sich jetzt aus“, stellt der Pädagoge fest. Der nächste Schritt sei, dass an einer Art Videokonfernz, die völlig den Datenschutzbestimmungen entspreche, gearbeitet wird.

Unsicherheit vor anstehenden Prüfungen

Schulleiter Ege blickt indes schon auf die Zeit nach dem Stillstand. Eigentlich sollten zwei Tage nach den Osterferien die Prüfungen für den Realschulabschluss beginnen. Der Termin gelte weiterhin. Das könne zu großer Unsicherheit führen, auch wenn viel zuhause gelernt wurde: „Wir wissen nicht, ob sie es wirklich kapiert haben.“ Das zeige sich erst, wenn das Wissen angewendet werden muss. Der Schulleiter meint: „Kein Kind wird durch diese blöde Situation einen Nachteil haben.“ Ege bezieht sich, leicht abgewandelt, auf eine Zusage von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Wenige Schulen setzen auf Digitalisierung


Schulen, die komplett auf digitale Lernformen setzen, sind im Land eher selten. Jan-Eric Albrecht, Experte und Lehrer an der Messelbergschule, kann neben der eigenen Einrichtung bisher nur die Burgschule in Köngen (Kreis Esslingen), und die Alemannenschule in Wutöschingen (Kreis Waldshut) nennen. Beide sind Gemeinschaftsschulen.

Das Kultusministerium hat auch keine besseren Informationen. „Da die Ausstattung  mit digitaler Technik in den Aufgabenbereich des Schulträgers fällt, haben wir als Land hier keine Übersicht“, teilt eine Sprecherin mit. Sie verweist auf die Moodle-Zugänge, die kurzfristig eingerichtet wurden. Wegen des Ansturms ist die Lernplattform aber am Montag zusammengebrochen. dgr