Zwei Todesopfer und mehrere verletzte Patienten hat die Verwechslung von Medikamenten in der Klinik am Eichert im September gefordert. Für die Staatsanwaltschaft und das Amtsgericht Göppingen ist der Fall klar: Die Krankenschwester, die in jener Nacht auf der Station Dienst hatte, ist schuld am Tod der zwei Patienten. Wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in drei weiteren Fällen hat das Gericht auf Antrag der Ulmer Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl erlassen, der auch schon rechtskräftig ist.

Die Krankenschwester wurde wie beantragt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem hat sie eine Geldauflage zu bezahlen. Damit ist der Fall nun aus juristischer Sicht abgeschlossen, eine öffentliche Gerichtsverhandlung wird es nicht mehr geben. Mit einem Jahr auf Bewährung hat die Frau die höchste Strafe bekommen, die bei einem Strafbefehl möglich ist.

Die folgenschwere Verwechslung der Medikamente geschah in der Nacht vom 18. auf den 19. September 2018. „Eine 51-jährige Krankenschwester der Klinik am Eichert in Göppingen musste während ihres Nachtdienstes Patienten Schmerzmittel intravenös verabreichen“, beschreibt Oberstaatsanwalt Stefan Adamski, was in jener Nacht passierte.

Hierfür habe die Frau das Schmerzmittel in eine Kochsalzlösung geben müssen, die dann den Patienten intravenös über eine Infusion hätte verabreicht werden sollen. Adamski stellt fest: „Aufgrund herrschenden Zeitdrucks während ihrer Schicht sah sie entgegen ihrer üblichen Vorgehensweise davon ab, die Schmerzinfusionen vorzubereiten und allen Patienten zeitgleich anzulegen. Vielmehr bereitete sie die Schmerzinfusion für jeden einzelnen Patienten bei Bedarf gesondert vor.“

Hierzu habe die Schwester in eine Schublade des Pflegestützpunkts der Station gegriffen, wo sie die Kochsalzlösungen vermutete. Ein tragischer Irrtum: „Tatsächlich befanden sich dort Beutel mit dem Lokalanästhetikum Ropivacain. Aus dieser Schublade entnahm die Krankenschwester in der Folgezeit die Bags, ohne sich zuvor über deren Inhalt zu vergewissern“, erklärt der Staatsanwalt. Für ihn ist klar: „Bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt hätte die erfahrene Krankenschwester den wahren Inhalt erkennen können und müssen.“

Diese sogenannten Bags reicherte die Frau – in der Annahme, es handele sich um Kochsalzlösungen – mit dem Schmerzmittel Metamizol an und verabreichte die Mischung mindestens fünf Patienten, ergaben die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Adamski beschreibt die Folgen: „Dadurch verstarben zwei Patienten. Drei weitere Patienten erlitten Vergiftungen, sind jedoch mittlerweile wieder wohlauf.“

Die Ermittler entlassen die Klinik aus jeder Verantwortung. Adamski teilt mit: „Die Ermittlungen haben trotz des Umstands, dass in der Tatnacht eine erhebliche Arbeitsbelastung für die Krankenschwester bestand und die Vorräte an Kochsalzlösungen in der Tatnacht zu Neige gingen, keinen Anfangsverdacht für ein Organisationsverschulden seitens der Verantwortlichen der Klinik am Eichert erbracht, welches ursächlich für die Handlung der Krankenschwester gewesen sein könnte.“

Deshalb ist das Thema aus Sicht der Ulmer Staatsanwaltschaft nun abgehandelt: „Von der Einleitung eines weiteren Ermittlungsverfahrens gegen Verantwortliche der Klinik wurde daher abgesehen.“

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