Im kommenden Jahr kann die Stauferstiftung Göppingen auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Alle zwei Jahre zeichnet sie Nachwuchswissenschaftler und Historiker, die sich in ihrer Arbeit der Zeit des Mittelalters und insbesondere der Zeit staufischer Herrschaft annehmen, mit dem Stauferpreis aus.

Am Samstagabend betonte Landrat Edgar Wolff bei der Preisverleihung im Göppinger „Sparkassen-Forum“ vor zahlreichen Gästen: „Die Erlebnismarke Staufer ist für den Kreis Göppingen von allergrößter Bedeutung“. Und: „In einer Zeit, in der Stimmungen oft wichtiger sind als Fakten“, komme der Forschung besondere Bedeutung bei.

Mit den wissenschaftlichen Förderpreisen wurden Dr. Verena Schweizer und Dr. Christiane Thomsen ausgezeichnet. In seiner Laudatio betonte Dr. Stefan Lang, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung, die Arbeit von Verena Schweizer werde „für lange Zeit das Standardwerk zur staufischen Herrschaft in Burgund darstellen“. In ihrer Dissertation „Beherrschter Raum und anerkannte Herrschaft – Friedrich I. Barbarossa und das Königreich Burgund“ hat sie das Wirken des Staufers in der Grafschaft, die bis Marseille reichte, detailliert untersucht.

Christiane Thomsen hatte sich auf die Spuren eines Diplomaten im Dienste des Rotbartes gemacht. In „Burchards Bericht über den Orient – Reiseerfahrungen eines staufischen Gesandten im Reich Saladins 1175/1176“ hat sie dies akribisch nachgezeichnet und damit wie auch die zweite Preisträgerin „eine Arbeit zu einer aktuellen Forschungsfrage vorgelegt, die sehr gut lesbar ist“, so Stefan Lang.

Mit dem Wissenschaftlichen Stauferpreis zeichnete die Stiftung ihr Kuratoriumsmitglied Professor Dr. Walter Koch aus. Er hatte sich der Mammutaufgabe gestellt, die Urkunden des Stauferkaisers Friedrich II. zu edieren. „Ohne eine solche wissenschaftliche Grundlage ist historische Forschung nicht möglich“, betonte sein Laudator, Professor Dr. Hubert Houben von der Universität Lecce.

Walter Koch, der den Preis nicht persönlich entgegennehmen konnte, „ist ein unermüdlicher und hilfsbereiter Kollege, eine Gelehrtenpersönlichkeit, unbestechlich, von hohem Anspruch an sich selbst und seine Arbeit“, so würdigte ihn Hubert Houben. Die Aufgabe, der sich der Historiker seit 1985 stellte, ist gewaltig. Aber: „Seine Faszination für das Vorhaben trug den Sieg über die Einwände gegen dieses ungeheure Unternehmen davon“. Und er schaffte das schier Unmögliche. „Es gelang ihm, die Finanzierung der Edition bis ins Jahr 2034 sicher zu stellen“. Fünf Bände sind bereits erschienen.

Rund 2600 Urkunden Friedrichs II. sind bekannt, fast 900 im Original erhalten. Sie hat der Wissenschaftler von der „Monumenta Germaniae Historica“ nach festgelegten Standards untersucht, war unterwegs „von Stockholm bis Malta, von Sevilla bis Moskau“. Die älteste erhaltene Urkunde stammt vom Januar 1199 – da war Friedrich eben Waise geworden und gerade einmal vier Jahre alt. Die meisten Urkunden hat er 1219 und 1220 ausgestellt. Seit dieser Zeit vermischten sich typisch „deutsche“ und typisch „italienische Merkmale der Urkunden – wie  Houben am Beispiel einer Urkunde von 1219 aufzeigte. Dr. Hariolf Teufel, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Göppingen freute sich, „dass einmal mehr die Elite der Staufer-Geschichtsforschung nach Göppingen gekommen war“ und bedankte sich auch bei den jungen Musikerinnen und Musikern von der Jugendmusikschule, die der Veranstaltung einen besonderen Rahmen gaben.

Schülerpreis stößt auf geringeres Interesse


Rückgang Nicht so groß war in diesem Jahr das Interesse der Schulen. Nur wenige Beiträge waren für den Staufer-Schülerpreis eingereicht worden. Erste Preise gingen an die Klasse 4 a der Gingener Hohensteinschule und die Filseckschule Uhingen. Einen zweiten Preis erhielt die 4 b aus Gingen. Zudem ausgezeichnet wurden Tuana und Theresa von der Eislinger Dr.-Engel-Realschule.

Gesellschaft Die „Monumenta Germaniae Historica“ mit Sitz in München bearbeitet historische Quellen zur Mittelalter-Geschichte Deutschlands und Europas. Sie ging aus der 1819 gegründeten „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde“ hervor.