Absatzrückgang Schweizer Group meldet Insolvenz an

Die Schweizer Group beschäftigt insgesamt 900 Mitarbeiter. In Hattenhofen sind 300 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.
Die Schweizer Group beschäftigt insgesamt 900 Mitarbeiter. In Hattenhofen sind 300 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen. © Foto: Giacinto Carlucci
Hattenhofen / swp 05.12.2018
Automobilzulieferer kommt wegen Turbulenzen der Autobauer ins Schleudern. Nächstes Jahr droht erneut Personalabbau.

Die Schweizer Group mit Sitz in Hattenhofen kommt nicht zur Ruhe. Letztes Jahr gab’s einen Abbau von etwa 100 Beschäftigten, weil sich der Automobilzulieferer neu ausrichtete. Jetzt ist die Firma wieder in schwerem Fahrwasser: Der Absatz ist eingebrochen. „Seit Sommer hatte das Unternehmen einen drastischen Absatzrückgang von über 25 Prozent zu verzeichnen“, teilt Geschäftsführer Dr. Roger Breu mit.

Einbruch bei Neufahrzeugen

Kalt erwischt hätten den Autozulieferer Probleme, mit denen die Autobauer zu kämpfen haben. Beim Diesel läuft’s nicht rund, und beim Benziner auch nicht. Der Abgasskandal hat die Kunden verunsichert, die Politik arbeitet sich an Feinstaub-Grenzwerten ab, die Zukunft des Diesels scheint ungewiss. Folge: Es gibt einen Einbruch bei den Neufahrzeugen. Bei der Schweizer Group mache der Diesel etwa 20 Prozent aus, sagt Breu. Hinzu kommt, dass die ganze Autoindustrie auf dem Prüfstand steht und weltweit ein einheitliches Testverfahren festgelegt wurde, wie der Kraftstoffverbrauch und die Abgasemissionen zu messen sind. Die Hersteller mussten ihre Produktion zurückfahren. Für die Schweizer Group heißt beides: „Eine Unterauslastung, die entsprechend negative Ergebnisse zur Folge hat“, sagt der Geschäftsführer.

Reagieren wollte die Firma mit einem Sanierungsplan, der einen drastischen Personalabbau bedeutet hätte. „Wir haben ihn mit Kunden und Banken besprochen. Aber das hat sich zerschlagen.“ Breu sah darin den Weg, das Problem für Hattenhofen zu lösen. „Wir wollten die Gruppe heraushalten.“ Das ist nun gescheitert. Die gesamte Schweizer Group meldet Insolvenz an. Und Personalabbau steht weiterhin drohend im Raum. Was die Firma braucht, ist ein Investor. Breu glaubt, dass man ihn findet. Denn: „Die Probleme sind nicht bei uns im Haus. Es ist nicht die Produktqualität und die Produktivität.“

Dabei sah es zuletzt gut aus. Noch Mitte des Jahres sei die Schweizer Group gut im Plan gelegen. Sogar noch etwas darüber, sagt Breu. In Hattenhofen geht der Hersteller von Aluminiumdruckgusskomponenten neue Wege: Er rüstet vom Druckguss kleinerer Teile auf große um, er geht auf ganze Komponenten im Automobilbau, für die man größere und stärkere Pressen braucht. Mit dieser Umstellung wurde im vorigen Jahr der Abbau von etwa 100 Beschäftigten begründet. Und mit dem Umstand, dass das Werk rote Zahlen schrieb. Die Schweizer Group machte kein Geheimnis daraus, dass man es mit Gewinnen an anderen Standorten über Wasser halten musste.

Es fehlt an Geld für den Personalabbau

Aber noch ist die Umstellung im Gang, es seien auch weitere interessante Projekte in Planung, sagt Geschäftsführer Breu. Dafür brauche man Geld,  im nächsten Jahr und darüber hinaus. Das fehle jetzt, und es fehle auch Geld für den Personalabbau, in Form von Abfindungen. Beides, sagt Breu, „können wir nicht bezahlen.“  Deswegen habe man Insolvenzantrag gestellt.

Wieviel Arbeitsplätze wegfallen sollen – Breu will nichts beziffern. Er spricht von einem größeren Einschnitt im Werk Hattenhofen, wo 220 Leute arbeiten und weitere 100 in der Zentrale der Schweizer Group. Auch Arbeitsplätze in Tochterunternehmen im Inland könnten betroffen sein.

Primär ändere sich nichts, sagt Breu, die Produktion in allen Werken laufe weiter. Die Finanzierungslücke tue sich erst nächstes Jahr auf. An einer Lösung für die Sanierung der Gruppe werde gearbeitet. Maßgeblich sei, dass man einen Investor finde.

Gewerkschafter kritisiert das Vorgehen

„Es ist für uns eine Katastrophe“, kommentiert der erste Bevollmächtigte der IG Metall Göppingen-Geislingen, Martin Purschke, den Insolvenzantrag. Zumal es erst im vergangenen Jahr einen umfangreichen Personalabbau in Hattenhofen gegeben hatte, um den Standort zu sichern. Das damalige Konzept sei jetzt gegenstandslos. Man habe weg von Teilen für den Verbrennungsmotor gehen wollen, um die Gießerei zukunftsfähig zu machen. „Die Gießerei jetzt zu schließen wäre eine komplette 180-Grad-­Kehrtwende“, mahnt er an. Zudem kritisiert der Gewerkschafter, dass die Schweizer Group eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchführe.  Er habe Bedenken, dass es in keine gute Richtung geht, da die Geschicke des Unternehmens von den selben Personen und Beratungsfirmen weiter gelenkt würden. Es dürfe auf keinen Fall passieren, dass das Insolvenzverfahren für eine Teilwerksschließung genutzt wird, betont der Gewerkschafter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel