Ein 39-Jähriger soll in seiner Göppinger Wohnung ein sechsjähriges Mädchen mehrfach sexuell missbraucht haben. Das Kind war ihm zur Aufsicht anvertraut worden. Seit Freitag, 8. Februar steht der Mann vor dem Landgericht Ulm. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe gleich zu Beginn der Verhandlung weitgehend ein, womit dem Opfer eine Aussage erspart bleiben dürfte.

Mann verlangte Oralverkehr

Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger schilderte am ersten von drei Verhandlungstagen, was dem 39-Jährigen zur Last gelegt wird: Grob im Zeitraum zwischen Februar und Juli 2016 soll es nach Erkenntnissen der Ermittler an Wochenenden immer wieder zu sexuellen Übergriffen des Angeklagten auf das Kind gekommen sein. Dabei habe der Mann unter anderem Oralverkehr von der Sechsjährigen verlangt, zudem soll er sich dem Mädchen unter der Dusche genähert haben. Ihm wird vorgeworfen, den Finger in ihre Vagina eingeführt zu haben. Er habe versucht, Geschlechtsverkehr mit dem Kind zu vollziehen.

Der vierjährige Bruder des Opfers, der stets mit seiner Schwester in der Wohnung des Angeklagten dabei war, beobachtete schließlich eine der Taten und erzählte seiner Mutter davon. Daraufhin erstattet deren Lebensgefährte Anzeige gegen den Mann, der als guter Bekannter oder gar Freund lange Zeit das Vertrauen der Familie genossen hatte.

Kennengelernt hatte der Angeklagte zunächst die Tante des Opfers und deren Partner. Sie nahm ihre Neffen – das Mädchen und den zwei Jahre jüngeren Bruder - zum ersten Mal mit zu dem Angeklagten. Mit der Zeit etablierte sich der damals 36-jährige Beschuldigte als regelmäßiger Babysitter, der von sich aus immer wieder anbot, die Kinder am Wochenende betreuen zu wollen. Er zeigte ihnen DVDs, spielte mit ihnen Play Station oder ging mit ihnen auf den Spielplatz. Aber dabei blieb es nicht. Spätestens beim dritten Übernachtungswochenende, so Staatsanwalt Bischofberger, kam es zum ersten Übergriff. Laut Aussagen des Mädchens bei der Polizei habe der Angeklagte gedroht, das Jugendamt würde es der Mutter wegnehmen, sollte irgendjemand etwas von den Vorfällen erfahren.

39-Jähriger befindet sich in Therapie

Der Angeklagte beteuerte nun im Gerichtssaal, dass ihm die Taten leid täten und er bereits eine Therapie begonnen habe, damit er lerne, „was richtig und was falsch ist“. Jedoch zeigte der 39-Jährige auch immer wieder Selbstmitleid und behauptete gar, die sexuellen Handlungen hätten der Sechsjährigen gefallen. Zu über 200 kinderpornografischen Bildern, die die Polizei auf seinem Laptop fand, sagte der Angeklagte, er habe sie zum „Zeitvertreib“ heruntergeladen, aber nicht angeschaut. Als er schließlich angab, nach Kinderporno-Seiten nur gesucht zu haben, um diese zu blockieren, damit er sie nicht sehen müsse, entgegnete der Vorsitzende Richter Wolfgang Tresenreiter: „Ich kauf mir einen Hammer, damit ich ihn wegschmeißen kann, damit ich mir nicht auf die Finger haue. So kommt mir das vor.“

Gehirn bei der Geburt beschädigt

Gerichtsgutachter Dr. Fabian Lang attestierte dem Angeklagten, der eine Sonderschule besucht hat, einen Intelligenzquotient im Normalbereich, aber eine Persönlichkeitsstörung, da sein Gehirn bei der Geburt geschädigt worden war. Für schuldunfähig hält der Fachmann den 39-Jährigen nicht.

Neben drei Polizeibeamtinnen sagten auch die Mutter des Opfers und ihr Lebensgefährte aus. „Ich war wie versteinert“, schilderte die 26-Jährige ihre Reaktion, als ihr kleiner Sohn unvermittelt von seinen schrecklichen Beobachtungen in der Wohnung des Angeklagten zu erzählen begann. Mittlerweile befänden sich beide Kinder in Obhut des Jugendamtes, da sie mit ihnen manchmal „echt überfordert“ sei, so die Mutter. Einmal im Monat habe sie Kontakt zu ihnen und es gehe ihnen mittlerweile wieder ganz gut, berichtete die 26-Jährige.

Prozess wird am 15. Februar fortgesetzt

Fortgesetzt wird der Prozess am Freitag, 15. Februar, um 8.30 Uhr.

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