Es war eine Hochzeit im Stillen: Das führende Unternehmen für digitale Verbreitung von Musik in Europa, Believe Digital in Hamburg, hat eine Mehrheitsbeteiligung von Nuclear Blast in Donzdorf erworben. Über den Preis für die freundliche Übernahme haben die beiden Vertragspartner Stillschweigen vereinbart. Für die rund 80 Mitarbeiter in Donzdorf wird  sich nach Angaben von Marcus Hammer, einem der beiden Geschäftsführer, nichts ändern. Hammer hat im Zuge des Deals gemeinsam mit Yorck Eysel die Posten des Managing Directors in Donzdorf  übernommen. „Wir werden weiterhin unabhängig agieren, erreichen aber mit dem großen Partner eine höhere Durchschlagskraft im Vertrieb“,  erklärt Hammer. In Donzdorf brauche man sich keine Sorgen zu machen.  „Der Standort bleibt auf jeden Fall erhalten, ein Stellenabbau ist nicht geplant“, sagt der Geschäftsführer.

„Strategische Allianz“ bilden

Man wolle gemeinsam eine „strategische Allianz“ bilden, um Künstler zukünftig bestmöglich zu unterstützen, die eigenen Servicedienste auszubauen und neue Künstler zusammen nach vorne zu bringen, ließen die neuen Partner per Pressemitteilung verlauten. Der bisherige Chef und Gründer des Labels, Markus Staiger bleibt dem Unternehmen als Gesellschafter erhalten.

„Wir haben lange Zeit gewusst, dass wir uns auf die Änderungen im Musikbusiness früher oder später einstellen müssen“, betont Staiger. Man sei sich darüber im Klaren gewesen, dass man von den konventionellen Kollaborationen weg müsse, um weiterhin an der Weltspitze, auch im digitalen Markt, mitspielen zu können. Staiger, der Nuclear Blast vor 35 Jahren gegründet hat: „Wir haben mit Believe Digital Germany den perfekten Partner gefunden, um Nuclear Blast und unsere Künstler in eine gute Zukunft zu führen.“

Zum Künstlerstamm von Nuclear Blast gehört alles, was im Metal-Bereich Rang und Namen hat. Rund 150 Bands hat man unter Vertrag. Darunter Nightwish, Slayer, Sabaton, Blind Guardian, Dimmu Borgir oder Doro Pesch. Diese Top-Acts haben offenbar auch den Chef von Believe Digital Germany, Thorsten Freese,  beeindruckt: „Diese Künstler werden von einem leidenschaftlichen und engagierten Team unterstützt“, betont Freese.  „Weil wir diese Leidenschaft teilen, sind wir sehr gespannt, diese neue Allianz gemeinsam mit Nuclear Blast zu starten, den Künstlern dort bei ihrer Karriere dienlich zu sein und gemeinsam neue, vielversprechende Neuentdeckungen mit ihrem Team aufzubauen.“

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Gründung im Donzdorfer Kinderzimmer


Mit dem Einstieg des Hamburger Vertriebsdienstleister geht in dem Donzdorfer Unternehmen, das  Niederlassungen in Frankreich, den USA und England, sowie Büros in Brasilien und Australien unterhält, eine Ära zu Ende.

Bereits mit 16 Jahren gab der gebürtige Donzdorfer Markus Staiger ein kleines Punk- und Hardcore-Fanzine heraus und kam so mehr und mehr mit der harten Musikszene in Kontakt. Während seines Zivildienstes bereiste Staiger, ein gelernter Maschinenschlosser, 1987 die USA, wo auch die Idee zur Gründung des Labels entstand. Auf den Namen ist er durch seine damalige Lieblingsband Blast gekommen.

Zunächst führt der Donzdorfer seine Firma als Ein-Mann-Betrieb vom heimischen Kinderzimmer aus. Anfangs hatte Nuclear Blast hauptsächlich Funk und Hardcore im Programm, nahm aber im Zuge des Death- und Trash-Metal-Booms Anfang der 90er auch extremere Bands unter seine Fittiche und bewies dabei einen guten Riecher.

Im Jahr 1990 geht der Firmennahme erstmals weltweit durch die Presse. Den endgültigen Durchbruch markieren die Jahre 1993 und 1994. Markus Staiger nimmt die Bands Therion und Amorphis unter Vertrag. Weiter geht die Erfolgsgeschichte  mit Bands wie Dimmu Borgir und In Flames, die weltweit hohe Verkaufszahlen erzielen.  

Im Jahr 2012 beging Nuclear Blast das 25-jährige Firmenjubiläum und wurde für das Nightwish-Werk Imaginaerum in Deutschland, der Schweiz und der Slowakei ausgezeichnet. Und wie lautet das Erfolgsrezept von Staiger? „Beharrlichkeit, Hartnäckigkeit am Ball bleiben.“