Fünf Jahre ist es her, dass Horst Stierand mit „Schwäbisch gschwätzt und schwäbisch glacht“ ein Nachschlagewerk auf den Markt brachte, das die Eigenschaften und Eigenheiten des Schwaben intensiv beleuchtet. Nun hat der Eislinger Autor ein weiteres, rund 400 Seiten starkes Buch geschrieben, in dem sich alles um den schwäbischen Dialekt dreht.

„Der Leser muss ein gewisses Maß an Ausdauer und Energie aufbringen, wenn er sich mit der Beschreibung der vielen Facetten des Phänomens „schwäbische Mundart“ beschäftigen will“, räumt Stierand ein. Er selbst hat sich ausgiebig damit befasst und zwei Dinge festgestellt: Nämlich, dass ihr mit den Methoden der reinen Wissenschaft nicht restlos beizukommen ist und dass sie ums Überleben kämpft. Was der ehemalige Deutschlehrer schade findet, denn er ist der Meinung: „Die schwäbische Mundart und die schwäbische Mentalität gehören zusammen. Sie ist Teil der Lebensart und des Lebensgefühls, der Kultur und bedeutet lokale Ortung. Der Dialekt ist die Sprache des Herzens.“

Natürlich ist Stierand klar, dass „Schwäbisch“ nicht immer und überall passend ist und auch der Schwabe im Sinne der allseitigen Verständigung des Hochdeutschen mächtig sein sollte. „Da halte ich es wie unser Ministerpräsident. So viel Schwäbisch wie möglich so viel hochdeutsch wie nötig. Je förmlicher, je hochdeutscher.“ Dieses variable Auftreten mit situationsangepasstem Sprechen lasse einen Trend zu Mischformen und „geglättetem Schwäbisch“ erkennen, hat Stierand herausgefunden. Die Verständlichkeit des „Halbdialektes“ werde zum Überlebensmittel der Mundart, die ja nichts Festgefügtes sei, sondern schon immer der Veränderung unterliege. „Das Urschwäbisch beherrscht ja kaum noch jemand.“ Schwäbisch sei nichts Einheitliches, zeigt der Eislinger an Beispielen auf.

Was den Dialekt kennzeichne, sei der eigene Klang der Laute, die eigene Sprechmelodie, die eigene Grammatik, der eigene Wortschatz, eigene Redewendungen sowie sprachliche Eigenheiten. Die 26 Buchstaben des deutsche Alphabets reichen zur lautadäquaten Wiedergabe des Schwäbischen bei Weitem nicht aus, weil es orgelt, näselt, braust und zischt oder Worte zusammengezogen werden. Grammatikalisch zeige das Schwäbische die Tendenz zur Vermännlichung, wie bei „Der Budder“, und verweigere Relativsatz, Genitiv und Vergangenheitsform. Kein Schwabe sagt: „Des Mannes Mantel“ oder „Ich aß gestern Fisch“.

In Sachen Wortschatz gibt es allein für das Wort Kopf mehr als 20 Bezeichnungen, dafür haben andere Wörter mehrere Bedeutungen. So kann „Sau!“ statt einer Beschimpfung durchaus eine Aufforderung zum Rennen sein. Und es gibt viele Wörter, bei denen der Versuch, sie zu übersetzen, kläglich scheitern wird. Was ist ein „Läbbrabäbb“, „a Kuglfuhr“ und was bedeutet eigentlich das viel verwendete „fei“? „Schwäbisch ist in erster Linie eine gesprochene Sprache“, so Stierand, der sein Buch in zehn Kapitel aufgeteilt hat.

Beim Lesen mutiert das Sachbuch häufig zum Lachbuch, denn dem Autor gelingt es auch dieses Mal, dem Leser eine eigentlich ernste Sache humorvoll zu vermitteln. Gespickt mit Beispielen und Anekdoten wird das mundartliche Betriebssystem der Schwaben erläutert. Als ehemaliger Deutschlehrer ermuntert Stierand Eltern von Kleinkindern dazu, mit ihnen zu Hause auch „schwäbisch zu schwätza“ und sie so zumindest zweisprachig aufwachsen zu lassen. „Auf diese Weise wird das Sprachvermögen trainiert. Das Gehirn arbeitet, indem es Vergleiche anstellt und das ist fruchtbar.“ Beim Kampf ums Überleben des Dialekts hilft‘s außerdem.

Info Das Buch ist zum Preis von 19,80 Euro im Buchhandel erhältlich. Der Erlös kommt den NWZ-„Guten Taten“, dem Unicef-Kinderhilfswerk und der Friedenskinderhilfe International zugute.