Kirche Neue Töne in St. Margaretha

Pastoralreferent Ludwig Amann, Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele und der Vorsitzende des Salacher Fördervereins, Michael Gruber (v.l.), freuen sich auf die neue Orgel.
Pastoralreferent Ludwig Amann, Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele und der Vorsitzende des Salacher Fördervereins, Michael Gruber (v.l.), freuen sich auf die neue Orgel. © Foto: Hans Steinherr
Salach / Hans Steinherr 09.11.2018

Der alten Orgel war früh der Wind ausgegangen. Wahrscheinlich war sie schon 1905 beim Einbau in die neue Salacher St. Margaretha-Kirche ein gebrauchtes Stück gewesen. „Ein umgebautes Instrument aus der Ludwigsburger Orgelbauwerkstatt Walcker“, vermutet Michael Gruber, Organist und Vorsitzender des Salacher Orgelfördervereins. Auch die Nachbesserungen waren mangelhaft, wie sich zeigte.

Im Jahr 2001 schließlich resümierte der Göppinger Kirchenmusikdirektor und Bischöfliche Orgelsachverständige Thomas Gindele in einem Gutachten, dass das Innere des Instruments einen verlotterten Eindruck mache. Der Zustand lasse kein befriedigendes gottesdienstliches Orgelspiel mehr zu. Michael Gruber weiß ein Lied davon zu singen. „Die Töne blieben immer wieder Mal hängen. Es kam zu Aussetzern. Einmal sogar in der Christmette an Heilig Abend“, erinnert er sich. Die Pneumatik versagte. Sie versorgte die Orgelpfeifen nicht mehr mit ausreichend „Wind“, wie die Fachleute dazu sagen.

Es dauerte noch bis zum März 2007, als unter der Federführung des damaligen Pfarrers Robert Lukaschek, dem Kirchenchorleiter Hermann Kranz und Organist Gruber der Salacher Orgelförderverein aus der Taufe gehoben wurde – mit bald mehr als 100 Mitgliedern. Der Verein stellte sich in seinem Statut die Aufgabe, die Kirchengemeinde durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Veranstaltungen bei der Anschaffung einer neuen, mechanischen Pfeifenorgel zu unterstützen.

Zehn Jahre lang wurden in der Folge Spenden gesammelt, Benefizkonzerte und Aktionen veranstaltet – vom Maultaschenessen bis zum spanischen Liederabend. Salacher Vereine zogen mit und der Kulturkreis, so dass im Februar 2017 der im oberschwäbischen Oberessendorf beheimatete Orgelbau-Familienbetrieb Wiedenmann mit dem Bau eines neuen Instruments beauftragt werden konnte. Mehr als 80 Prozent der Kosten hatte man bis dato zusammengebracht. Einen sechsstelliger Betrag, mit dem man auch ein Einfamilienhaus bauen könnte. Mehr will Michael Gruber nicht verraten. Nur, dass an der alten Orgel über Jahre hinweg 2000 bis 3000 Euro an jährlichen Reparaturkosten anfielen. Rund zehn Orgeln wurden dann bei zwei Rundfahrten in Augenschein genommen.

Nach eineinhalb Jahren Bauzeit und einer Einbauphase vor Ort inklusive einer aufwändigen Intonation ist es nun soweit. Am kommenden Sonntag wird die neue Pfeifenorgel eingeweiht. Äußerlich ist zur alten kaum ein Unterschied erkennbar. Das Denkmalamt hatte verlangt, dass die Frontansicht erhalten bleiben müsse. Innerlich sorgen zwei nebeneinander aufgestellte Manualwerke mit einem dahinter liegenden Pedalwerk für einen speziellen Klang. Das Besondere an der neuen Orgel: In ihr werden Klangelemente aus dem Süddeutschen Raum mit solchen, wie sie in Frankreich üblich sind,  vereint. Eine Grundausrichtung, wie sie Johann Nepomuk Holzhey, einer der bedeutendsten süddeutschen Orgelbauer, etwa für Kirchenbauten in Neresheim und Obermarchtal geschaffen hat. „Die alte Orgel konnte nach Polen verkauft werden“ sagt Michael Gruber. Und: „Ab 30 Euro können von Interessierten auch einzelne Patenschaften für die rund 1800 Orgelpfeifen übernommen werden.“

Info Die Orgelweihe findet am Sonntag, 11. November, um 10.30 Uhr im Rahmen einer Eucharistiefeier durch den Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler statt. Um 14.30 Uhr gibt es ein Konzert mit Thomas Gindele.

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