Die Schweizer Group mit Sitz in Hattenhofen steht vor einem großen Einschnitt. Zwar fand sich mit dem US-Unternehmen Marabek nun ein Investor, jedoch werden mehr als 90 Beschäftigte in Hattenhofen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Rückwirkend zum 1. Oktober

Rückwirkend zum 1. Oktober wird die Übernahme des Automobilzulieferers, der am 1. Februar dieses Jahres die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt hatte, gültig, wie der Insolvenzverwalter Martin Mucha mitteilte. Er verkaufte die komplette Firma an ein amerikanisches Beratungsunternehmen. Das bestätigte auch Martin Purschke, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Göppingen-Geislingen. Die Gewerkschaft beschäftige sich bereits seit Monaten mit einer möglichen Übernahme. Zudem gab es bereits in der Vergangenheit einen umfangreichen Personalabbau in Hattenhofen. Der ausländische Investor übernimmt das Gesamtunternehmen, bestehend aus der Holding mit ihren eigenständigen Tochtergesellschaften in Hattenhofen, Murrhardt, Roding und Plauen sowie die ausländischen Gesellschaften und Beteiligungen.

550 Arbeitsplätze gerettet

„Wir sind auf der einen Seite froh, dass durch die Übernahme insgesamt 550 Arbeitsplätze gerettet werden, auf der anderen Seite haben wir trotzdem das Problem des Personalabbaus“, fasste Purschke die Situation zusammen. Denn in Hattenhofen gebe es dadurch 90 Arbeitsplätze weniger. „Das Bittere daran ist, dass vielen Beschäftigten, die auf ein längeres Arbeitsleben blicken, gekündigt wird“. Vor allem die Mitarbeiter über 50 Jahre stünden vor dem Aus. Die IG Metall habe gemeinsam mit dem Betriebsrat versucht,  mit einer Transfergesellschaft eine Perspektive zu schaffen. Damit könne den Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben werden, besser im Arbeitsmarkt vermittelt zu werden, denn dieser sei besonders im Kreis Göppingen nicht einfach.

Automobilzulieferer mit Problemen

Zu den wichtigsten Kunden der Schweizer Group zählen die deutschen Automobilhersteller, für die sie einbaufertige Druckgusserzeugnisse aus Aluminium und Magnesium produziert. Die Teile werden hauptsächlich im Bereich Verbrennungsmotor und Antriebsstrang eingesetzt. Während des Insolvenzverfahrens hätten die Kunden die Treue gehalten und würden auch künftig die Geschäftsbeziehungen aufrechterhalten, wie es von Seiten der Insolvenzverwaltung hieß.

Hohe Erwartungen an Investor

Der Lieferant agiere jedoch in einem immer schwieriger werdenden Markt. „Zum einen gehen die Bedarfe der Automobilhersteller im Bereich Verbrennungsmotor zurück, was bei der Schweizer Group zu einem erheblichen Absatzrückgang geführt hat“, sagte der Sanierungsexperte Mucha. Zum anderen bestehe aufgrund der Diskussion um alternative Antriebssysteme zum Verbrennungsmotor Unsicherheit und verhaltene Investitionsbereitschaft. „Ich freue mich, dass es dennoch gelungen ist, einen Investor für das Unternehmen zu finden, der den Fortbestand und damit mehrere hundert Arbeitsplätze sichert“, erklärte Mucha. Die Erwartungen an den US- Investor seien nun hoch, wie Purschke von der IG Metall sagte. „Es wird nicht ganz einfach. Aber wir haben die Hoffnung, dass der neue Eigentümer das Unternehmen in eine positive Richtung weiterführen wird.“

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Eigentümer Die Schweizer Group fand erst vor vier Jahren einen Investor: Die Endurance Capital AG übernahm 75 Prozent der Anteile am Unternehmen, das sich aus einer Lederfabrik in Backnang entwickelte und bis 2012 von der Eigentümerfamilie Schweizer geführt wurde.

Beschäftigte Der Zulieferer beschäftigt in Deutschland aktuell 550 Mitarbeiter, davon 200 in Hattenhofen, wo auch die Zentrale sitzt. Das Werk wurde im Jahr 1998 übernommen. Zu Beginn der Insolvenz arbeiteten dort 260 Personen, nach dem Personalabbau 130. Die Holding verfügt nach dem Stellenabbau über 70 Mitarbeiter, 28 weniger als vor der Insolvenz.