Musik ist das gemeinsame Hobby der beiden ungleichen Brüder Matthias und Fabian Matzke aus Gingen. Daran ist Papa Harald Matzke schuld. Weil der früher bei jedem Familienfest und im Bekanntenkreis Akkordeon spielte. „Er übte immer, wenn er Zeit hatte – sogar beim Frühstück“, erinnert sich Fabian schmunzelnd. Beide Jungs eiferten dem Vater nach und begannen mit sechs Jahren das Akkordeonspielen. Sie erhielten Unterricht an der Musikschule in Süßen. „So richtig gezündet hat es bei mir aber erst so mit neun oder zehn, da hab ich dann freiwillig mehr geübt als nur eine halbe Stunde am Tag“, erzählt der heute 26-jährige Matthias.

Mit 13 besuchte er darüber hinaus das Konservatorium in Trossingen, seine Eltern chauffierten ihn alle zwei Wochen für zwei Stunden Unterricht dorthin. „Wir hatten immer den Rückhalt unserer Eltern“, betonen beide Brüder.

Akkordeon, Schlagzeug, Klavier und Gitarre

Fabian blieb jedoch „übefaul“ in Bezug auf das Akkordeon, wie er es selber bezeichnet. „Es hat mir eigentlich schon gefallen, vor allem wenn Matthias es spielte, aber ganz überzeugt war ich nie.“ Seine eigene Stärke entdeckte er mit acht, als er auf dem Flohmarkt ein Kinderschlagzeug fand, sich hinsetzte und loslegte.

Sein Vater war so begeistert, dass er dem Sohnemann das Schlagzeug kaufte und ihm parallel zum Akkordeonunterricht noch Schlagzeug-Unterricht ermöglichte. Mit zehn hörte Fabian das Akkordeonspielen auf, Schlagzeug lernte er, bis er 18 war.

Mit 16 jedoch habe er sich selber entfaltet und sich zusätzlich zum Unterricht noch andere Schlagzeugliteratur besorgt oder sich über das Internet Neues angeeignet. Außerdem brachte er sich damals das Klavierspielen und das Gitarrespielen selber bei: „Die Abwechslung gefällt mir.“

Erfolgreich bei „Jugend musiziert“ und „Coupe Mondiale“

Zu der Zeit war Matthias Matzke als Akkordeon-Virtuose bereits international bekannt. Ab 13 begann er, Preise für sein Spielen einzuheimsen: Den Deutschen Akkordeonmusikpreis, den 1. Preis beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“, den 1. Platz beim „Coupe Mondiale“ in Shanghai und noch viele weitere mehr.

Konzertreisen und Wettbewerbe führten den Jugendlichen nach Italien, in die Türkei, nach Finnland, China, Frankreich oder Russland. Inzwischen hat der 26-Jährige Musik studiert, ist staatlich anerkannter Musikpäda­goge und frei schaffender Künstler.

Geislingen

Jazz und Klassik sind die Musikstile, die ihn prägten und die er liebt. Fabian dagegen ist Hardrock- und Metal-Fan. Als Mitglied in der Schulbigband des Michelberg-Gymnasiums hatte er seine ersten Auftritte. Im Gegensatz zu Matthias ist der jüngere Bruder bei Auftritten entspannt. „Das liegt vermutlich daran, dass man am Schlagzeug nicht so im Vordergrund ist“.

Erster gemeinsamer Auftritt dank Volkshochschule in Gingen

Den ersten gemeinsamen Auftritt vor sieben Jahren verdankt das Duo der Gingener Volkshochschule. Die engagierte Matthias Matzke für einen Auftritt im Foyer des Gingener Rathauses und er brachte seinen Bruder samt Schlagzeug einfach mit.

Beiden machte der gemeinsame Gig einen Riesenspaß und sie wollten das möglichst öfter wiederholen. „Es war allerdings nicht ganz easy, etwas zu finden, was uns beiden gefiel“, bekennt Matthias. Die Brüder fingen an zu experimentieren und Musikstile zu mixen. 2015 holten sie mit Leonie Kratz eine klassisch ausgebildete Sängerin mit ins Boot und gründeten das Trio „Anadiplosis“. Dank Matthias Matzkes Renommee konnten sie immer wieder gemeinsam auftreten, waren aber selber noch nicht völlig überzeugt. Jetzt aber scheinen die Brüder die richtige Musikmischung für sich gefunden zu haben: ihr aktuelles Projekt heißt Synthonic Rock, eine Mischung aus Synthesizer, Symphonic und Rockmusik. Um den Rock-Part zu verstärken, engagierten die drei Musiker (Matthias, Fabian und Leonie) im Frühjahr den Gitarristen Fabian Horn und coverten zu viert Stücke der finnischen Symphonic-Metal-Band Nightwish. „Aber auf unsere Art“, betont Matthias.

„Weil wir Brüder sind, sind wir auch offen im Austausch“

Wieder war es die Gingener VHS, die ihnen einen ersten Auftritt im Herbst vergangenen Jahres ermöglichte. Vor Kurzem traten die vier im Vorprogramm des Geislinger Sommernacht-Kinos auf.

Inzwischen sei er auch nicht mehr der Kopf der Truppe, sondern das Ganze habe sich zu einem gleichwertigen Gemeinschaftsprojekt entwickelt, in dem sich jeder einbringe und Lieder komponiere.

Dass er Musik studiert hat, Fabian aber nicht, sieht er inzwischen sogar als klaren Vorteil: „Da kommt eine gesunde Mischung raus“, sagt er und begründet: „Ich hab schon manchmal abgefahrene Ideen und Fabi erdet mich dann wieder, wenn er sagt, das will doch keiner hören…“. Sein Bruder grinst: „Weil wir Brüder sind, sind wir auch offen im Austausch.“

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