Auch die Kunden von Banken sind anspruchsvoller geworden. Nachhaltigkeit ist für viele ein wichtiges Thema. Anleger schauen heute genauer hin. Die Kreissparkasse Göppingen hat dies zum Anlass genommen, eine Partnerschaft mit der Fondsgesellschaft „Ökoworld“ einzugehen. Der Fonds war 2018 von der Zeitschrift „Öko Test“ im Vergleich unter 30 „grünen“ Mischfonds zum Gesamtsieger gekürt worden. Seine Vision: die komplette Ökologisierung der Wirtschaft. Für die Kreissparkasse ist die Partnerschaft ein wichtiger „Baustein in unserer eigenen Nachhaltigkeitsstrategie“.

Herr Boss, Sie sind stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse. Warum haben Sie einen nachhaltigen Investmentfonds ins Programm genommen?

Stefan Boss: Nachhaltigkeit ist bei uns schon sehr lange ein Thema. 2014 haben wir als eines der ersten Unternehmen in Baden-Württemberg die WIN-Charta unterzeichnet. Darin bekennen wir uns zu einer Unternehmensführung, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert. Unsere Gebäude haben Auszeichnungen für ihre Energieeffizienz erhalten. Wir sind in der Region extrem stark verwurzelt und unterstützen diverse soziale Projekte. Mit der Dekabank und der Landesbank Baden-Württemberg haben wir sehr fortschrittliche Verbundpartner, die schon seit mehreren Jahren Anlagemöglichkeiten im Bereich Nachhaltigkeit bieten. Ökoworld haben wir neu aufgenommen. Auffällig ist, wie stark die Nachfrage bei nachhaltigen Produkten zugenommen hat. Früher war es vielen Anlegern egal, ob sie in die Rüstungs- oder Pharmaindustrie investieren. Hauptsache, die Rendite stimmt.

Herr Kaplan, Sie verwalten bei Ökoworld verschiedene nachhaltige Investmentfonds. Wie finden Sie die passenden Unternehmen dafür?

Nedim Kaplan: Ich schaue mich in den weltweiten Aktien- und Rentenmärkten um und beobachte Themen und Trends wie Wasserversorgung, Klimaschutz, Energieeffizienz und vieles mehr. Wann immer ich eine Idee für eine neue Anlage habe, klopfe ich bei meinen Kollegen aus dem Nachhaltigkeits-Research an und bitte sie um ihre Meinung. Bei uns entscheide nicht ich als Fondsmanager über die ethische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit eines Unternehmens, weil es mir ja vor allem um die Rendite geht und es da zu einem Interessenskonflikt kommen würde.

Verena Kienel: Für die Nachhaltigkeitsanalyse, in der ich als Analystin arbeite, haben wir ein separates Team, das strikt vom Fondsmanagement getrennt ist. Wir schauen uns Produkte und Dienstleistungen genau an, die Herstellungsbedingungen, die Lieferketten, die Umweltstandards, das Sozialprofil und mehr. Dann entscheiden wir.

Kaplan: Sollte sich im Laufe der Zeit etwas zum Negativen ändern und gegen unsere Kriterien verstoßen, rufen Verena Kienel oder ein anderer Kollege an, dass wir wieder aussteigen müssen.

Kienel: Wir schauen gezielt auf die Produktionsstandorte und darauf, wie genau Lieferketten überwacht sind. Dabei geht es auch um die Herkunft der Rohmaterialien, um die Zulieferkette. Wenn es offene Fragen gibt, treten wir in direkten Kontakt. Das ist sehr komplex.

Welche Renditen lassen sich mit nachhaltigen Fonds erzielen?

Kaplan: Ich höre immer wieder das unbegründete Vorurteil, dass wir zwangsläufig weniger Rendite bei einem höheren Risiko machen. Das stimmt aber so nicht. Wichtig ist, dass man sich als Anbieter eines solchen Fonds gut auskennt. Die erneuerbaren Energien sind beispielsweise eine relativ junge Industrie mit vielen neuen Unternehmen. Aber wir sind viel breiter aufgestellt und investieren darüber hinaus etwa in Bereiche wie Gesundheit, Ernährung, Digitalisierung, Biotechnologie oder Bildung.

Was sagen Sie der schwäbischen Hausfrau, die am Sparbuch hängt, obwohl es keine Zinsen mehr bringt?

Kaplan: Das Sparbuch als Anlagemöglichkeit ist passé, das habe ich  auch meiner Mutter zu erklären versucht. Mittlerweile mit Erfolg. Es gibt keinen risikofreien Zins mehr. Wenn man Risiken eingeht, sollte man das smart machen und auf Zukunftsthemen setzen. Aktieninvestments sind alternativlos.

Spielt in Zeiten von Greta Thunberg für eine Bank auch die Furcht vor Klimaschutz-Aktivisten eine Rolle?

Boss: Nein. Aber das Bewusstsein  für nachhaltige Geldanlagen hat dadurch zugenommen. Natürlich gibt es Gesellschaften, die auch in Unternehmen wie RWE investieren. Einerseits rodet RWE den Hambacher Forst, andererseits stellt der Energieversorger Ladesäulen für Elektro-Autos auf. RWE will bis 2040 klimaneutral werden. Verantwortungsvolle Investoren begleiten diesen Wandel konstruktiv-kritisch.