Süßen / Dirk Hülser  Uhr
Die Mehler GmbH aus Süßen muss den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Geschäftsführer und CDU-Kreisvorsitzender Meier ist aber zuversichtlich.

Im vergangenen Jahr hat es den Automobilzulieferer Sam aus Böhmenkirch getroffen, jetzt hat die Mehler GmbH aus Süßen beim Amtsgericht Göppingen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen hat 42 Mitarbeiter und wird von den Geschäftsführern Frank Mehler und Kai Steffen Meier geleitet. Meier ist seit Februar als Nachfolger von Nicole Razavi Kreisvorsitzender der CDU.

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„Das Verfahren ist noch nicht eröffnet“, betonte gestern der vorläufige Insolvenzverwalter, Rainer Tillmann aus Stuttgart. Der Rechtsanwalt rechnet damit, dass dies „voraussichtlich“ am 1. August geschieht. Bereits seit eineinhalb Jahren befinde sich das Unternehmen in der Sanierung, dazu sei eigens Geschäftsführer Meier eingestellt worden. „Aber die allgemeine Marktnachfrage sinkt“, bedauert Tillmann.

Gespräche mit Investoren

Er hofft dennoch, dass das Unternehmen gerettet werden kann. Es gebe bereits Gespräche mit Investoren, die Interesse an der Firma hätten. Die Mehler GmbH gibt es seit 1978, sie ist im Bereich der Blechverarbeitung tätig und bearbeitet nach eigenen Angaben „Metall für Kunden aus den Bereichen Automotive, Maschinenbau und Bauindustrie“.

„Es gab einen Generationenwechsel im Unternehmen und beim Hauptkunden“, erläutert Tillmann. Deshalb sei Meier hinzugezogen worden. „Er hat schon einiges bewegt, aber das kann einer aus eigener Kraft nicht stemmen.“ Tillmann schaut nun nach vorne: „Interessant wird jetzt, ob wir das Unternehmen tatsächlich umstrukturieren können und ob es dann jemand nimmt.“

Geschäftsführer Meier hat daran wenig Zweifel: „Ich sehe die Chancen sehr gut“, sagte er gestern. Seit er mit der Sanierung begonnen habe, sei der Umsatz um rund eine Million Euro gewachsen und der Kundenstamm mehr als verdoppelt worden. So konnte der Umsatzanteil des größten Kunden von mehr als 50 auf zuletzt 30 Prozent gesenkt werden. „Das ist aber immer noch ein kritischer Faktor“, meint Meier.

Nun  habe es in den vergangenen zwei Monaten „erhebliche Umsatzeinbrüche“ bei dem Großkunden gegeben. Meier sagt: „Da hatten wir uns darauf eingestellt, aber nicht in diesem Tempo.“ Meier hat in Geislingen den Masterstudiengang Unternehmensrestrukturierung und Insolvenzmanagement studiert und wird in diesem Monat 34 Jahre alt. Er findet: „Eine Insolvenz ist immer so negativ behaftet, es ist aber auch eine Chance, die Weichen neu zu stellen.“

Zwei Wahlniederlagen

Erst am 26. Mai hatte der CDU-Kreisvorsitzende aus Geislingen-Weiler zwei Niederlagen einstecken müssen: Weder gelang ihm der Wiedereinzug in den Geislinger Gemeinderat, noch wurde er in den Kreistag gewählt. „Das ist natürlich schon enttäuschend“, gestand er gestern – vor allem, weil er kein Mandat mehr für den Gemeinderat erhielt. Er sieht aber auch die gute Seite: Die Rettung der Mehler GmbH nimmt viel Zeit in Anspruch, da wäre die Wahl in zwei politische Gremien für den Geschäftsführer „von der Zeit her schon problematisch gewesen“.

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