Zell u.A. / Jürgen Schäfer

Um 1838 Uhr richtet sich Bürgermeister Werner Link von dem abgesperrten Wahlauszählungsbezirk der Zeller Gemeindehalle an die wenigen Zuhörer: Er lasse noch einmal komplett durchzählen, weil die Stimmenverhältnisse knapp seien – der Unterschied betrage nur drei. Das Publikum staunt. Die Spannung steigt.

Bei diesem Stimmenverhältnis bleibt es dann auch. Um 18.45 Uhr verkündet Link: Für Ja stimmten 876 Bürger, für Nein 873. Eine Stimme sei ungültig. Damit sei der Bürgerentscheid positiv entschieden.

Bürgerschaft gespalten

Links Kommentar: „Es zeigt, wie gespalten die Bürgerschaft in diesem Punkt ist.“ Es sollten nun Schritte erfolgen, um die Sachlage dem Wahlergebnis anzupassen. Er bitte darum, das Ergebnis auch im weiteren Verfahren zu akzeptieren. „Selbstverständlich“ sagt Hans-Ulrich Lay, der zuletzt Sprecher für die gegnerischen Fraktionen von Bürgerforum und Freien Wählern war. Das müsse gar nicht groß herausgestellt werden.

Risiko oder Chance?

So verblüffend das Ergebnis, so ungewöhnlich das Projekt:  Am Zeller Berg soll ein Kunstrasenplatz mit leichtathletischen Anlagen auf einer Auffüllung von 150 000 Kubikmetern entstehen. Für die Gegner ein Mammutprojekt mit vielerlei Risiken, für den Sportverein TSG Zell eine einmalige Chance. Es wäre kostenlos zu bekommen, weil sich die Baufirma – wer auch immer – Deponiekosten spart.

Viel Überzeugungsarbeit

Wer hat so ein Ergebnis erwartet? Vor Wochen habe er noch gedacht, sie hätten keine Chance, sagt Lay. Die Kritiker hatten als erste im Dorf Flugblätter verteilt, mit der sie vor dem Mammutprojekt mit all seinen Risiken gewarnt hatten. Aber der TSG Zell hatte 1146 gültige Stimmen für ein Bürgerbegehren zusammenbekommen. War eine schweigende Mehrheit jenseits dieser Zahl denkbar – bei 2600 Wahlberechtigten?

Lay sagt, er habe doch eine realistische Chance gesehen. Man habe auch viel Überzeugungsarbeit geleistet. Vor allem die Luftballonaktion am letzten Samstag, als die Ausmaße der gewünschten Auffüllung mit Luftballons markiert wurden, habe etwas bewirkt, glaubt er. Martin Holl (Freie Wähler), sieht sich bestätigt, dass viele der Unterstützer des Bürgerbegehrens gar nicht für den Stadionbau gewesen seien.

So erwartet

Tobias Schmid, Gemeinderat der Fortschrittliche Wählergemeinschaft und Verfechter des Stadionbaus, wertet das Ergebnis anders. Aus den 1146 Stimmen seien beim Bürgerentscheid 876 Ja-Stimmen geworden. Das habe er so erwartet. Denn ein Teil der Unterstützer, das sei den Unterschriftensammlern klar gewesen, gehe nicht extra zur Wahl.

Wie geht es weiter?

Dass man sich selbstverständlich an den Bürgerentscheid halten werde, ist das eine. Holl sagt, dass man auch sprechen müsse. Nämlich über den Pachtvertrag, der die Auffüllung regeln soll. Link zielt dabei auf die Strabag, die Gegner wollen eine Ausschreibung, um Wettbewerb zu erreichen.