Großprojekte wie Feuerwehrmagazin und neues Kinderhaus stehen bereits fest. Doch wie soll sich Böhmenkirch in den nächsten 20 Jahren sonst noch entwickeln? Diese Frage bestimmte die Einwohnerversammlung am Donnerstag in der Gemeindehalle. Vor rund 240 Bürgern lieferte Bürgermeister Matthias Nägele zunächst einen Rechenschaftsbericht ab. Nägeles Fazit: In den vergangenen beiden Jahren habe die Kommune unter anderem mit Baugebieten und dem Ausbau der Kinderbetreuung einiges auf den Weg gebracht. Mit 5,2 Millionen Euro in der Kasse sei man auch finanziell gut aufgestellt.

Das könne sich aber auch schnell wieder ändern, warnte der Bürgermeister. Damit die Gemeinde nicht nur die anstehenden Großprojekte, sondern auch weitere Herausforderungen stemmen könne, benötige man Fördermittel. Um hier im Wettbewerb mit anderen Kommunen den Zuschlag zu bekommen, brauche man fundierte Grundlagen. Der Bürgermeister verteidigte damit seinen Vorschlag, ein externes Büro mit der Ausarbeitung eines Gemeindeentwicklungskonzeptes zu beauftragen. Wie berichtet, hatten die dafür veranschlagten Kosten von 50.000 Euro zuletzt eine kontroverse Debatte im Gemeinderat ausgelöst. Das Büro müsse ja nicht alles machen, räumte Nägele ein.

Mehr Transparenz durch Internet

Der Bürgermeister nannte am Donnerstag schon erste „mögliche Themenfelder“ des Entwicklungskonzeptes. Dazu gehören unter anderem Umgehungsstraße, Pflege- und Seniorenheim, Mehrgenerationenhaus, mehr Mietwohnungen, Fachärzte, weiter Läden im Ort und Ausbau eines sanften Tourismus. Nägele bat die Bürger dabei um ihre Mithilfe: Um die Politik im Rathaus transparenter zu gestalten, kündigte der Bürgermeister außerdem mehr Infos auf der Homepage und im Mitteilungsblatt sowie kommunalpolitische Stammtische in allen Ortsteilen an. Außerdem soll im Januar eine „Bürger-App“ starten gehen. Hier können sich Bürger mit Anliegen direkt ans Rathaus wenden und werden umgekehrt vom Rathaus aktuell über Vorgänge informiert.

Im Anschluss stellte Architekt Thomas Ott aus Laichingen die Pläne für das neue Feuerwehrhaus sowie eine Machbarkeitsstudie zur Umnutzung der ab 2020 leer stehenden Hauptschule für eine Kleinkindbetreuung vor. Otts Fazit: Die Hauptschule hat zwar große Klassenzimmer, für die geplanten vier Kindergarten- und vier Krippengruppen ist das Gebäude wiederum zu klein. Um die Vorschriften beim Raumprogamm zu erfüllen, wären zwei Anbauten erforderlich. Die Kosten für Umbau und Sanierung der 38 Jahre alten Schule schätzt der Architekt auf 4,9 Millionen Euro. Abriss und Neubau kämen mit 5,1 Millionen Euro nur unwesentlich teurer, erläuterte Ott. Außerdem ermögliche der kompaktere Neubau einen größeren Außenspielbereich.

Bedenken gegen Schulumbau

Die Umnutzung der Schule war auch ein Schwerpunkt der Diskussion. Schulleiter Johannes Bartenbach sprach sich entschieden gegen die Pläne aus: Schon heute werde ein Drittel des Hauptschulgebäudes von der Grundschule und ein weiteres Drittel von Vereinen und Volkshochschule genutzt. Eltern und Lehrer hätten daher große Bedenken, sagte der Rektor. „Wenn die Hauptschule 2020 ausläuft, steht ein Drittel leer“, hielt der Bürgermeister entgegen. Treffelhausens Grundschulleiterin Simone Frank befürchtet, dass mit einer zentralen U3-Betreuung in Böhmenkirch „irgendwann die Grundschule in Treffelhausen ausblutet.“ Sie forderte daher eine weitere Krippengruppe in Treffelhausen. Dafür sei dort aber kein Platz, schränkte Nägele ein.

Im weiteren Verlauf fühlte sich der ehemalige Gemeinderat Gerhard Michalka von der Verwaltung ungerecht behandelt, weil seine und die Einsprüche weiterer Anlieger gegen den Bau einer Lagerhalle nicht berücksichtigt worden seien. Entscheidende Instanz sei nicht der Gemeinderat, sondern das Landratsamt, unterstrich Nägele zu dem inzwischen von der Aufsichtsbehörde genehmigten Baugesuch. Rolf Weis kritisierte die Zustände bei der Schülerbeförderung: „Zu den Stoßzeiten halten an der Haltestelle drei Busse hintereinander und die Kinder stehen auf der Straße“, klagte Weis und forderte unter Beifall im Saal einen zentralen Omnibusbahnhof.

Nur Ortsansässige wollen hier bauen

Raimund Bühler kritisierte, dass Böhmenkirch zwar Baugebiete ausweise „wie kaum eine andere Gemeinde“, aber die Einwohnerzahl nicht steige. Weil nur Ortsansässige bauen würden, müsse die gleiche Anzahl Bürger immer mehr bezahlen. „Wie viel Infrastruktur können wir uns leisten“, warnte Bühler und erinnerte an die sich mit Feuerwehrhaus und Kinderbetreuung bereits abzeichnende deutlich steigende Verschuldung.

Der Bürgermeister wiederum verwies auf den Landkreis, der sich mit dem Klinikneubau „gerade extrem verschuldet. Und das finanzieren wir über die jetzt vermutlich deutlich steigende Kreisumlage wieder mit“, erinnerte Nägele den Kreisrat Bühler an seine eigenen Beschlüsse.

Zum Schluss bat ein Trainer des TV Treffelhausen die Verwaltung, Neubürger auch auf die Vereine am Ort hinzuweisen. „Das Vereinsleben geht merklich zurück“, warnte der Mann.