Bahn Bummelzug statt Intercity

Wenn Stuttgart 21 fertiggestellt ist, wird es im Filstal ­– hier der Bahnhof in Eislingen – öfter leere Gleise geben. Wer weiter weg will, muss in Ulm oder Stuttgart in einen Fernzug umsteigen.
Wenn Stuttgart 21 fertiggestellt ist, wird es im Filstal ­– hier der Bahnhof in Eislingen – öfter leere Gleise geben. Wer weiter weg will, muss in Ulm oder Stuttgart in einen Fernzug umsteigen. © Foto: Staufenpress
Dirk Hülser 12.01.2018
Nach der Fertigstellung von Stuttgart 21 wird das Filstal vom Fernverkehr weitgehend abgehängt.

Am Ende blieben nur noch Bummelzüge und der laute Güterverkehr.“  Diese Befürchtung äußer­ten 2011 die Kandidaten der Grünen für die Landtagswahl, Jörg Matthias Fritz aus  Göppingen und Bernhard Lehle aus Geislingen, für den Fall, dass die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm gebaut wird. Gebaut wird sie längst, und im Prinzip ist auch schon länger klar, dass Fritz und Lehle weitgehend recht hatten. Nun hat es die Landesregierung ihren Kollegen aus der SPD-Fraktion schwarz auf weiß mitgeteilt: Bahn-Fernverkehr wird es im Kreis Göppingen künftig nicht mehr geben.

Die SPD-Fraktion hatte in einer Anfrage von der Landesregierung wissen wollen, wie es um die Zukunft des Bahnverkehrs auf der Neubaustrecke und im Filstal bestellt sei. Weitgehend auf Unverständnis war jüngst jener Teil der Antwort gestoßen, die sich auf den neuen Flughafenbahnhof bezog – von dem noch nicht einmal klar ist, wo er gebaut werden soll: Pro Richtung nur jeweils drei Mal täglich soll demnach am Airport ein Intercity in oder aus Richtung Ulm/München halten. 2011 hatte die Bahn im sogenannten Stresstest noch von einem Zwei-Stunden-Takt einer IC-Linie in Richtung München mit Halt am Flughafen gesprochen.  Das Land will aber bei der Bahn einen IRE-Stundentakt zwischen Stuttgart und Ulm mit Stopp am Flughafen bestellen.

Mehrfach ist in dem von Verkehrsminister Winfried Hermann unterzeichneten Schriftstück auch vom Filstal die Rede. So ist wohl klar, dass künftig hauptsächlich Bummelzüge zwischen Ebersbach und Geislingen unterwegs sind: „Über diese Strecke werden nach Aussage von DB Fernverkehr mit Inbetriebnahme von S21 keine kompletten Fernverkehrs-Taktlinien mehr geführt“, schreibt Hermann unter Berufung auf die Bahn. Weiter heißt es. „Einzellagen seien hingegen möglich, würden aber noch nicht im jetzigen Planungsstadium festgelegt.“

Dabei hatte der Planer der Neubaustrecke, Gerhard Heimerl, noch im Oktober 2014 gegenüber unserer Zeitung betont, dass die Filstalbahn zwar an Bedeutung für den europäischen  Fernverkehr verlieren werde. „Das ist ja der Sinn der Sache, dass sie hier auch entlastet wird.“ Aber das Potenzial der Strecke sei groß genug, „weiterhin eine gute Bedienung aufrechtzuerhalten – auch mit Fernzügen und Intercity-Zügen, die in  Göppingen und in Plochingen halten. Darüber hinaus wird Platz geschaffen auf dieser stark belasteten Strecke für eine Verbesserung des Regionalverkehrs.“

Die Antwort der Landesregierung auf die SPD-Anfrage lässt diese Aussage nun in anderem Licht erscheinen. Zumal es auch beim Regional- und Nahverkehr hinten und vorne klemmt, Verspätungen und Zugausfälle sind weiterhin an der Tagesordnung. Das Land hält aber an seinen Plänen für den Metropolexpress fest: „Im Zielzustand wird ... ein S-Bahn-ähnlicher Halbstundentakt ... zwischen Stuttgart und Geislingen angestrebt.“

Was bei den Planungen für die Neubaustrecke nicht absehbar war: Von 2019 an wird ein privater Betreiber, Go-Ahead, für den Nahverkehr im Filstal zuständig sein. Der steht dann in direkter Konkurrenz zur DB, wenn die Neubaustrecke in Betrieb ist.

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