Als erster Gemeinderat hat Birenbach jetzt den Zusammenschluss der Schurwald-VHS mit der Volkshochschule in Göppingen beschlossen. Nach drei Jahren als Kooperationsgemeinschaft soll nun das Modell auf eigene Füße gestellt werden. Die 1995 gegründete Volkshochschule der Schurwaldgemeinden Adelberg, Birenbach, Börtlingen, Rechberghausen, Wäschenbeuren und Wangen soll in der Göppinger Volkshochschule aufgehen.

Damit hat die Schurwald-VHS sich auch den neuen Zeiten anpassen müssen: „Allein schon die weiter wachsenden Anforderungen erlauben es nicht, den Weg in die Zukunft als kleine Schurwald-VHS zu gehen. Der Zusammenschluss mit der VHS Göppingen als zukünftige VHS Göppingen-Schurwald wird empfohlen“, sagte Birenbachs Bürgermeister Frank Ansorge. Zuvor hatte es in Rechberghausen ein Treffen der sechs Gemeinden und deren Gemeinderäten gegeben, in der man sich über die Vorgehensweise beriet. Man gebe die Eigenständigkeit als Volkshochschule des Schurwalds auf, und „wir lehnen uns an den starken Partner Göppingen an“, sagte Börtlingens Bürgermeister Franz Wenka als Vorsitzender der Kooperationsgemeinschaft.

Zum 1. Juli dieses Jahres soll der Zusammenschluss stehen, dem formal alle Gemeinderäte zustimmen müssen. Die VHS-Nutzer werden davon nicht viel merken, außer dass die Kurse nun im Programmheft der VHS Göppingen aufgeführt sind: „Sie erhalten mehr Service und Informationen. Die Preise bleiben stabil“, sagte Wenka. Auch die Orte, an denen der Unterricht stattfindet, blieben erhalten. Allerdings werden auch im Programmheft wie später auf der Internetseite lokale Attribute herausgestellt.

Dabei sei auch die gewachsene Mobilität von Vorteil. Künftig werde die Frage der VHS-Nutzer sein: „Wann findet der Kurs statt?“ Der Unterrichtsort sei dann von untergeordneter Bedeutung. Vor allem suchten VHS-Besucher verstärkt nach Kursen mit qualifizierten Abschlüssen: „Wir erhalten fürs gleiche Geld deutlich mehr Volkshochschule“, sagte Wenka den Birenbacher Gemeinderäten.

Als man sich vor 25 Jahren zur Kooperationsgemeinschaft zusammengeschlossen habe, habe man die Programmhefte noch mit der Hand zusammengetackert, erinnerte sich der Börtlinger Verwaltungschef und verwies wiederholt darauf: „Es gibt keine Alternative.“ In den Bereichen Politik, Gesellschaft, Umwelt, aber auch Sprachen, Arbeit, Beruf könne die Schurwald-VHS keinesfalls die Anforderungen einer Zertifizierung und eines umfassenden Weiterbildungsprogramms erfüllen. Beides sei jedoch vor 2022 notwendig: „Ohne Zertifizierung wird es danach keine Mitgliedschaft im VHS-Verband Baden-Württemberg und auch keine Landeszuschüsse mehr geben.“

Insbesondere kleine Volkshochschulen müssen von 2022 an dauerhaft in allen Themenbereichen umfassende Weiterbildungsangebote anbieten. Volkshochschulen im ländlichen Raum haben da erhebliche Defizite.

Mit dem Anschluss an die Volkshochschule Göppingen will die Schurwald-VHS auch ihr Überleben sichern. Auch im Hinblick darauf, dass die Volkshochschulen künftig eine professionelle hauptberufliche Leitung benötigen, wo früher eine ehrenamtliche Volkshochschul-Leitung genügte. Ein für die Schurwald-VHS gar nicht zu leistender finanzieller Aufwand.

Mit dem Zusammenschluss mit Göppingen könne man zudem auf einen dauerhaften und beständigen Dozentenpool zurückgreifen, erreiche künftig statt bisher etwa 18 000 nun insgesamt etwa 70 000 Einwohner, womit sich die Chance erhöhe, durch das gewachsene Einzugsgebiet künftig auch Kurse realisieren zu können, die sonst entweder nur schwach besucht waren oder sogar ausfielen.

Auf jeden Fall bringt die Schurwald-Volkshochschule einen seit dem Jahr 2010 um rund 400 Prozent gewachsenen Stamm an Nutzern mit: 2010 zählte die VHS 42 Anmeldungen, 2018 waren es schon 206, geht aus einer Statistik hervor.