Eislingen / Iris Ruoss Rollstuhlbasketball haben die Eislinger Silcherschüler im Rahmen des Projekts „Handicap macht Schule“ ausprobiert.

In der Schulturnhalle der Eislinger Silcherschule geht es rund. Viertklässler kurven mit speziellen Sportrollstühlen durch die Turnhalle. Slalom steht genauso auf dem Programm, wie den Basketball vom Boden aufheben und Körbe werfen. Die Silcherschule hat sich für das Projekt „Handicap macht Schule“ des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands beworben und hatte Glück. „Verständnis für Menschen mit Behinderung wecken und die Integration verbessern“, nennt Schulleiter Andreas Janositz zwei Beweggründe für die außergewöhnliche Sporteinheit für zwei Schulklassen. Zwei Außenklassen der Bodelschwingh-Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sind an der Eislinger Silcherschule angesiedelt. Deshalb sei Integrationsarbeit für die Schule wichtig.

„Rund 50 Schulen kommen jährlich in den Genuss der besonderen Sporteinheiten. Angeboten werden Rollstuhlbasketball und Blindenfußball“, sagt Projektleiterin Barbara List. Rollstuhltrainer Werner Rieger bewegt sich mit seinem Rolli ganz lässig durch die Turnhalle. Als Neunzehnjähriger hatte er einen Motorradunfall und sitzt seither im Rollstuhl. Der 56-Jährige zeigt den Kindern, wie man mit dem Rollstuhl vorwärts kommt, wie man seine Basketballgegner schnell schachmatt setzen kann und wie einfach es eigentlich ist, den Ball in den Korb zu befördern, wenn man die Technik beherrscht und lange genug geübt hat.

Pierre ist begeistert: „Das macht Spaß, aber rückwärtsfahren ist ziemlich schwer.“ Auch Klassenkameradin Jasmin hat Spaß: „Das ist echt toll“, sagt sie und rollt auch schon weiter. Dass das Lenken schwer ist, hat auch Sportlehrerin Adelheid Sever gemerkt. „Der Rollstuhl reagiert sehr sensibel“, erzählt sie. Basketball vom Rollstuhl aus sei eine sehr komplexe Aufgabe und große Herausforderung. Zweimal darf mit dem Ball auf dem Schoß angeschoben werden, dann muss der Basketball wieder Bodenkontakt haben. Severs hat drei Inklusionskinder in der Klasse und sie setzt bei der Sporteinheit auf den sozialen Aspekt. „Ich hoffe, dass die Schüler etwas für den Alltag mitnehmen“, sagt sie. Rücksichts- und verständnisvolleren Umgang mit den Handicap-Schülern würde sie sich wünschen. Das Projekt Handicap möchte früh Barrieren im Kopf und Berührungsängste durch Selbsterfahrung abbauen.

Kostenloses Angebot für Schulen und Vereine

Barrieren abbauen „Handicap macht Schule“ ist ein Projekt des Württembergischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes. Das Anliegen ist, dass Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap gemeinsam Sport treiben. Der Verband bietet das Projekt kostenlos an Schulen an und möchte künftig auch Vereine stärker einbinden.