Was sich im Dezember bereits abgezeichnet hat, ist nun Tatsache: Der geplante Windpark GP-03 beim ehemaligen Bundeswehrdepot bei Wangen wird nicht gebaut. Das hat das Bauherrenkonsortium, bestehend aus der Energieversorgung Filstal sowie den Stadtwerken Schorndorf und Fellbach, am Freitag mitgeteilt. Lediglich bei einem der vier geplanten Rotoren gebe es keine Konflikte mit dem Artenschutz. In einigen Jahren allerdings könnte ein neuer Anlauf für den Windpark unternommen werden.

Wangen

Von März bis September vergangenen Jahres hatte das Konsortium ein zweites Artenschutzgutachten anfertigen lassen und im November  bekanntgegeben: „Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass am Standort während des Untersuchungszeitraums gewisse Aktivitäten windkraftempfindlicher Vogelarten am Standort aufgetreten sind.

Ein erstes Gutachten war von Naturschützern und Windkraftgegnern kritisiert worden, die daraufhin 2017 eine eigene Untersuchung anfertigen ließen. Diese kam zu dem Schluss, dass im Umfeld der geplanten Anlagen geschützte Rot- und Schwarzmilane, Wespenbussarde und Baumfalken brüten.

Überflüge des Rotmilans

„Während des Untersuchungszeitraums kam es an einigen wenigen der 19 Beobachtungstermine vor Ort zu Überflügen des Rotmilans über dem geplanten Gebiet“, heißt es nun in der am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. Dies liege unter anderem an der „untypisch offenen Struktur des Waldgebiets“. Durch die frühere Nutzung als Bundeswehrdepot seien viele Wege und Freiflächen vorhanden, „die der Rotmilan aktuell gerne als Nahrungssuchgebiet überfliegt“.

Aufgrund des neuen Gutachtens haben die Behörden umfangreiche Auflagen festgeschrieben: „Die nun vorliegende Stellungnahme der zuständigen Genehmigungsbehörde – Landratsamt Rems-Murr-Kreis und Landratsamt Göppingen – zum Endbericht des Gutachtens kommt zu dem Schluss, dass an zwei der vier geplanten Windenergieanlagen umfangreiche Vermeidungsmaßnahmen notwendig wären um Windenergieanlagen errichten zu können.“ Ein Anlagenstandort habe keine artenschutzrechtlichen Konflikte und könnte realisiert werden. Eine weitere Anlage wäre nicht genehmigungsfähig.

Kooperationspartner weiter überzeugt

Deshalb werde der Genehmigungsantrag nun zurückgezogen. Das Konsortium will aber seine „Aktivitäten am Standort“ erst einmal nur für einige Jahre zurückstellen. Denn: „Durch die nun anstehende Wiederaufforstungs- und Entsiegelungsarbeiten der Wege und Lagerflächen durch den Flächeneigentümer Forst BW wird das Waldgebiet mit dem Aufwuchs der Neupflanzungen geschlossener. Dadurch könnte in Zukunft der Überflug stark abnehmen.“ Außerdem biete der technische Fortschritt zukünftig die Möglichkeit, über Erkennungssysteme an den Windrädern Annäherungen von Vögeln zu erkennen und somit Konflikte zu vermeiden.

Die Kooperationspartner seien nach wie vor der Überzeugung, dass der geplante Standort ideale Voraussetzungen für die Windkraftnutzung biete.

Für den Wangener Bürgermeister Troy Dutta ist die Entscheidung keine gute Nachricht. „Wir haben uns für die Energiewende entschieden und müssen die Energieversorgung auf neue Beine stellen“, meint er. Dies sei auch mit Blick auf die Entwicklung der Mobilität wichtig: „Es kann nicht die Lösung sein, Kohle- oder Atomstrom aus dem Ausland zuzukaufen.“

(Aktualisiert am 22. Februar 2019 um 16 Uhr mit der Reaktion des Bürgermeisters.)

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