Dieter Hundt lässt es sich nicht nehmen, das erste Fenster und die ersten Steine selbst einzureißen. Flink klettert der Allgaier-Inhaber, der am Sonntag seinen 80. Geburtstag feierte, in den Raupenbagger, bedient nach kurzer Einweisung die Hebel und lässt es buchstäblich krachen. Scheiben klirren, der Bagger brummt und macht einen Satz nach vorne. Dieter Hundt kann gar nicht genug bekommen. „Das macht ihm natürlich Spaß“, meint seine Frau Christina und lacht. Das erste Stück ist geschafft, in den kommenden Tagen werden die Abrissbagger ganze Arbeit leisten, um das Gebäude dem Erdboden gleich zu machen.

Hier, im Uhinger Werk 1, gehören zwei der ältesten Allgaier-Gebäude bald der Vergangenheit an. Hier, wo der Firmengründer Georg Allgaier im Jahr 1916 mit seiner kleinen Firma hergezogen ist, wird etwas Neues entstehen. Das Gebäude, an dem Dieter Hundt, Vorsitzender des Aufsichtsrats, am Montag selbst Hand angelegt hat, diente bis vor kurzem der Tochtergesellschaft Allgaier Process Technology als Fertigungshalle von Maschinen und Apparaten der Verfahrenstechnik. Die in die Jahre gekommene Immobilie muss nun weichen, um Platz für ein modernes Verwaltungsgebäude zu schaffen, in dem die Mitarbeiter von Engineering und Vertrieb der Process Technology, also dem Maschinen- und Apparate-Bau, arbeiten werden.

Nächste Generation im Boot

Zehn Millionen Euro investieren die Uhinger dafür an ihrem Stammsitz. „Das wird unser modernstes Gebäude, mit modernen Arbeitsplätzen und perfektem Raum“, sagte Allgaier-Geschäftsführer Helmar Aßfalg. „Damit tragen wir dem guten Wachstum in der Allgaier Process Technology Rechnung und schaffen die Voraussetzungen für eine weitere erfolgreiche Entwicklung dieser Unternehmenseinheit“, fügte er hinzu. Zudem gewinne die Stadt Uhingen durch das neue Gebäude, das in etwa einem Jahr fertig sein soll, einen weiteren architektonischen Blickfang. Mitgewirkt an der Gestaltung des Neubaus hat Hundts Sohn Thomas, der wie seine Schwester Brigitte Wirth mit rund 22 Prozent am Unternehmen beteiligt ist.

Der Hauptgesellschafter sprach im Beisein von rund 30 Gästen von einem „erfreulichen Tag für die Allgaier-Group“. Auch Dieter Hundt verwies auf die positive Entwicklung der Process Technology, dieses gegenüber dem Automotive-Bereich „jüngeren und kleineren Sprosses, der allerdings zeitweise auch mehr Freude als sein größerer Bruder macht“. Dieses Standbein der Uhinger habe sich erst Mitte der 70er Jahre zu einem echten zusätzlichen, industriellen Geschäftsbereich der Allgaier-Gruppe entwickelt, der im Jahr 2018 mit voraussichtlich mehr als 90 Millionen Euro gut 20 Prozent zum Umsatz der Gruppe beitragen werde.

Das Millionen-Projekt sieht Dieter Hundt als Bekenntnis zum Standort Uhingen, aber zugleich als Beweis, „dass wir trotz derzeit gefährlicher geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten an die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Unternehmensgruppe glauben“. Das gelte für den Maschinen- und Apparatebau genauso wie für die Automobilzuliefergeschäfte.

Der Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger, der zu den Gästen beim Start der Abrissarbeiten gehörte, sprach von einer „guten Entscheidung für Uhingen“, da die Stadt von dem Unternehmen profitiere, was Arbeitsplätze und Gewerbesteuer betrifft. Das neue Gebäude sei kein klassisches Industriegebäude und füge sich gut in das Stadtentwicklungskonzept 2030 ein.

Zum Abschluss stießen die Gäste in der dem Abriss geweihten Halle mit Sekt und Häppchen an – auf das Millionen-Projekt, aber auch noch ein bisschen auf Hundts 80. Geburtstag, den man ja nicht genug feiern kann.

Fieberhafte Suche nach neuen Flächen


Platzmangel Allgaier platzt an seinem Stammsitz in Uhingen aus allen Nähten und sucht daher neue Flächen. In Uhingen selbst sind die Grenzen des Wachstums erreicht. Um alle Aufträge erfüllen zu können, hat das Unternehmen bereits eine große Fläche in Mühlhausen angemietet. Der Automobilzulieferer, der als zweites Standbein einen Maschinen- und Apparatebau aufgebaut hat, braucht eine Fläche von 50 000 bis 60 000 Quadratmeter, „damit es für die nächsten Jahrzehnte reicht“, betont der Vorsitzende der Geschäftsführer, Helmar Aßfalg. In der Endausbaustufe sollen in dem neuen Werk 200 bis 250 Mitarbeiter beschäftigt werden.