Akzeptanz Lesben in der Kirche: Mut hat Tausenden Frauen geholfen

Prof. Dr. Monika Barz hat das Verdienstkreuz am Bande verliehen bekommen.
Prof. Dr. Monika Barz hat das Verdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. © Foto: Martina Waiblinger
Bad Boll/Reutlingen / SWP 19.12.2017
Mitinitiatorin für Lesbentagungen an der Evangelischen Akademie bekommt das Bundesverdienstkreuz.

Sie gehörte zu den drei kirchlichen Mitarbeiterinnen, die öffentlich das Schweigen um die Realität lesbischer Existenz in der Kirche brachen. Mit der damaligen Studienleiterin Dr. Herta Leistner und Ute Wild hat Monika Barz 1985 ehrenamtlich eine erste Tagung für lesbische Frauen an der Evangelischen Akademie Bad Boll mitgestaltet. Ihr gemeinsames Buch: „Hättest Du gedacht, dass wir so viele sind?“  gelte lesbischen Frauen bis heute als Stütze für emanzipatorische Schritte. Dies betonte Studienleiterin Dr. Irmgard Ehlers bei der aktuellen Lesbentagung in der Akademie.

 Jetzt hat Prof. Dr. Monika Barz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Verdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Damit würdigt er deren herausragende Leistungen für das Gemeinwesen. Barz habe sich seit vielen Jahren für die Wahrnehmung und Emanzipation lesbischer Frauen in Kirche und Gesellschaft verdient gemacht.

Tabu und Kündigungsgrund

Ehlers verdeutlicht: „In den 1980er Jahren war die lesbische Lebensform in der Evangelischen Kirche ein möglicher Kündigungsgrund.“ Monika Barz habe ihre berufliche Stellung als pädagogische Mitarbeiterin an einer Heimvolkshochschule riskiert. „Ihr Mut hat Tausenden von Frauen geholfen, ihr Doppelleben in der Kirche zu überdenken und zu verändern. Sie hat außerdem vielen kirchenfernen lesbischen Frauen Möglichkeiten eröffnet, neue positive Erfahrungen mit Spiritualität und Kirche zu machen.“ Die Tagung sei zum Grundstein für eine Tagungsserie geworden, die bis heute ihre Strahlkraft behalten habe.

Eine Initialzündung

Das Buch und die Tagungen hätten wie eine Initialzündung im ganzen deutschsprachigen Raum gewirkt. Sie seien der Ursprung von Netzwerken wie Lesben und Kirche, Labrystheia oder das Netzwerk katholischer Lesben.

Neben wissenschaftlichen Publikationen hat Monika Barz  mit der Pastorin Geertje-Froken Bolle „Göttlich lesbisch – Facetten lesbischer Existenz in der Kirche“ herausgegeben. 2005 erfolgte ein Rückblick auf die Boller Anfänge der kirchlichen Lesbenbewegung, unter anderem mit Studienleiterin  Carmen Rivuzumwami. Der Titel: „Geträumt, gewagt, gelebt.“  Für den Kirchentag 2013 in Stuttgart wurde sie in die Projektleitung für das Regenbogenzentrum berufen. Der früheren Professorin an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg geht es auch um die Menschenrechte lesbischer Frauen weltweit.

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