Waldbauern 2018 war kein gutes Jahr für den Wald

Ein Förster zeigt die zerstörerischen Gänge eines Borkenkäfers an einem Stück Rinde.
Ein Förster zeigt die zerstörerischen Gänge eines Borkenkäfers an einem Stück Rinde. © Foto: Markus Sontheimer
Kreis Göppingen / Martina Kallenberg 10.11.2018

Stürmische, hitzige Zeiten, und dann auch noch der Borkenkäfer: Die Forstbetriebsgemeinschaft Waldbauverein Göppingen hatte zur Hauptversammlung in den Süßener Hirsch geladen. Der Saal war voll, Bedienungen bemühten sich um Getränke und Stärkung, während vorne am Mikrofon die Formalitäten des Vereins abgehakt wurden.

Doch dann stand der Wald im Fokus. Beim Rückblick auf das vergangene Jahr sprach Forstamtsleiter Martin Geisel von „stürmischen, hitzigen Zeiten“ dabei sind in Mitteleuropa in diesem Jahr viele Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen – also Holz, das durch Naturgewalten wie Sturm, Überflutungen, Borkenkäfer oder Dürre, gefallen oder umgebrochen ist.

Wer im vergangenen Jahr einen Helikopter über dem Ebersbacher Wald fliegen sah, der eine Wolke hinter sich herzog, wurde Zeuge einer präventiven Bodenschutzkalkung. Nach Bodenanalysen hatte man diese Maßnahme ergriffen, um dem Boden die Möglichkeit zu geben, Säureeintrag zu binden. Dabei wird Dolomitkalk sehr präzise in den Wald eingebracht, um sicherzustellen, dass Biotope unbehelligt bleiben.

Das abgeschlossene Kartellverfahren bringt einige Veränderungen mit sich – der Verkauf von Nadelholz kommunaler und privater Waldbesitzer mit Flächen über 100 Hektar wird nun an die Holzverkaufsstelle  Landkreis Göppingen übergeben.

Die Beratung des Privatwalds wird weiterhin kostenfrei sein, diesen Bereich will das Land personell stärken. Die Betreuung des Kleinprivatwaldes kann durch Verträge geregelt und eine „Anteilsförderung“ beantragt werden. Der Privatwald soll zukünftig „mindestens so gut wie jetzt, wenn nicht noch besser“ betreut werden, so Geisel, die bisherigen Förderungen bleiben bestehen.

Immer wieder ist der Borkenkäfer Thema des Abends. Nachdem Anfang Januar Sturmtief Burglind seine Schneise durch den Landkreis gezogen hatte, gingen Aufarbeitung und Abtransport des Sturmholzes zwar schnell von statten, doch den Käfer habe das leider wenig gestört, erzählt Christoph Reich. Was der Sturm an Fichten nicht platt gemacht hat, daran tat und tut sich der Borkenkäfer gütlich. Die Bedingungen waren ab Juli hervorragend für den kleinen Schädling. Um den verbliebenen Fichten eine Chance zu geben, solle mindestens einmal im Monat Ausschau nach Befall gehalten werden – und dann schnellstmöglich raus aus dem Wald mit den Bäumen, nicht dass die gefällten Rottannen im Wald lagern und der Krabbler gleich die nächsten Fichten befällt. Ein Kilometer soll das Käferholz im Idealfall von anderen Fichten entfernt gelagert werden. Doch nicht nur die Fichten sind gefährdet, knapp 40 Prozent der Laubbäume seien stark geschädigt, durch die anhaltende Trockenheit, die bis zu zwei Meter in den Boden reiche. Im Frühjahr werde das Ausmaß der Dürre an den Buchen zeigen, die dann auch mit dem Prachtkäfer und Rindenbrütern kämpfen wird.

Die Esche werde weiter zurückgehen, so Geisel, nicht nur das Eschentriebsterben, auch Pilzbefall durch den Hallimasch und holzentwertende Stammfußnekrosen tragen dazu bei. Das könne bei Fällungen zu heiklen Situationen durch Erschütterung des ohnehin bruchgefährdeten Stammes führen. Die Eiche ist äußerlich am vitalsten – eine Kernfäule sei von außen nicht erkennbar. So ist sie auch auf dem Markt sehr gefragt, bei Sortimenten ab 22 Zentimetern Durchmesser ohne Rinde übersteige die Nachfrage das Angebot. Buche konnte einen leichten Preisanstieg ab einem Durchmesser von 50 Zentimetern verzeichnen. Nadelholzsortimente ab 5,5 Metern seien weiter sehr gefragt. Bestenfalls spricht man sich vor dem Einschlag mit dem Förster ab.

Und noch einen Rat hatte der Forstamtsleiter für die Waldbauern parat: Für Förderungen etwa zu Wiederaufforstung von Käferlöchern oder anderen Anträgen sollte man sich möglichst frühzeitig bewerben, ein Antragsschluss sei meist früher als gedacht.

Käfermonitoring in vier Schritten

Um den Borkenkäfer möglichst frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen ergreifen zu können, rät Martin Geisel zu folgenden Schritten: Schritt 1: Diesen Herbst Käfernester erkennen und eliminieren. Schritt 2: Sobald im nächsten Jahr das Thermometer 20°C zeigt, alle vier Wochen die Fichtenbestände kontrollieren. Schritt 3: Über 20°C steigt das Risiko und man sollte mindestens einmal monatlich kontrollieren. Schritt 4: Sobald man Anzeichen des Käferbefalls sieht, den Revierförster kontaktieren und weiteres Vorgehen besprechen.

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