Zum Auftakt gab es einen Sonderstempel der Post. Die Bäckerei Reißler verkaufte süße Stückchen in Zugform. Der Gesangverein „Liederkranz“ trat auf. Und obwohl es lausig kalt war an diesem 15. Dezember wurden mehrere Reden unter freiem Himmel am Bahnhof Weißenhorn gehalten. Als „Heldentat“ wurde sie darin bezeichnet, die Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Senden und der Fuggerstadt; fast ein halbes Jahrhundert, nachdem der letzte Personenzug nach Fahrplan verkehrt war.

Fünf Jahre sind dieser Festakt und der offizielle Start der Kursbuchstrecke 976 nun schon her. Eine gute Gelegenheit also, die erste Bilanz zu ziehen. Wie wird das neue Angebot angenommen? Was läuft gut? Wo klemmt es? Wie geht es weiter? Die Regionalredaktion der SÜDWEST PRESSE hat dazu viele Beteiligte befragt. Bernd Jüstel, der als Sprecher der lokalen Agenda-Gruppe einer der Vorkämpfer war, ist mit einem eigenen Beitrag vertreten. Thomas Prechtl, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), stellt sich Fragen.

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Was sagt der Weißenhorner Bürgermeister Wolfgang Fendt? „Wir sind mit der Bahn glücklich“, antwortet der Rathauschef ohne überlegen zu müssen. Weißenhorn entwickle sich auch dank der Bahn sehr gut. „Ich kann hier im Grünen wohnen und habe doch in 25 Minuten Anschluss an die Großstadt. Besser kann es nicht sein.“ Zudem sei die Bahn ein „tolles Klimaschutzprojekt“.

Dass es derzeit wieder Klagen gibt, der Zug sei unzuverlässig, nicht pünktlich und dreckig, sei „nicht hinnehmbar“. Das gefährde den Ruf eines „hervorragenden Projektes“ – von dem inzwischen auch frühere Skeptiker überzeugt seien. Sein Wunsch: Aus dem Ein-Stunden-Takt soll ein Halb-Stunden-Takt werden.

Das ist tatsächlich geplant, zumindest zu den Stoßzeiten. Voraussetzung ist, dass der Sendener Bahnhof umgebaut und modernisiert ist, wie Thomas Prechtl von der BEG im Interview auf dieser Seite sagt. Für die Arbeiten in Senden ist die Deutsche Bahn zuständig, der aktuelle Projektplan sieht vor, bis 2020 ein elektronisches Stellwerk in Betrieb zu nehmen; und bis 2022 neue Bahnsteige und einen Fußgänger-Tunnel.

Dann kann die „Betriebsstufe 1.5“ des Dieselnetzes Ulm starten, unter anderem mit dem geforderten Halb-Stunden-Takt von und nach Weißenhorn. Auftragnehmer ist ab 2020 und bis 2032 weiterhin die DB Regio, nachdem der Weißenhorner ab 2013 zunächst von der RAB betrieben wurde.

Sanierung für zehn Millionen Euro

Die Strecke Senden–Weißenhorn gehört übrigens nicht der Bahn, was einmalig ist in Bayern, sagt ein Sprecher. Das Gleis gehört den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm. Diese sprangen 2009 zunächst als Pächter ein, nachdem die DB die Abzweigung, über die damals nur noch Güterzüge ratterten, stilllegen wollte. Die SWU sanierten die Strecke für rund zehn Millionen Euro, kauften sie und betreiben diese seither.

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Dabei soll es auch bleiben, sagt SWU-Sprecher Bernd Jünke. Die Trassenentgelte seien „auskömmlich“, der Infrastrukturbetrieb trage sich und erwirtschafte alljährlich ein Plus. Das erwartet die SWU Verkehr auch für die nächsten Jahre, zumal sich die Zugbewegungen auf einem stabilen Niveau halten. Im Jahresschnitt verzeichnet die Strecke laut Jünke rund 14.300 Fahrten. „Bei dem aktuell beobachteten Fahrgastzuspruch darf man davon ausgehen, dass sich der Trend fortsetzt.“

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Heuer wird mit 1600 Fahrgästen auf der Strecke gerechnet – oder, wie die Planer sagen: 1600 Personen wurden über einen Kilometer befördert, 1600 Personenkilometer pro Kilometer Betriebslänge. So viele wie noch nie! 2014 waren es 1325 Passagiere, 2015 ging es runter auf 1250 Passagiere, 2016 waren es dann 1310 und 2017 sogar 1450 Fahrgäste.

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Diese Zahlen seien „ein deutlicher Beleg dafür“, dass es richtig ist, das Angebot auf der Schiene zu forcieren. Sagt Oliver Dümmler, der Geschäftsführer des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller. Die Wiederbelebung von Senden–Weißenhorn sei ein „mutiges Projekt“ gewesen, dass zu Recht als Keimzelle oder Rückgrat des geplanten Netzes gelte. „Eine Erfolgsgeschichte.“

Info


Am Samstag, 15. Dezember, gibt es eine Geburtstagsfahrt: Start ist um 10.03 Uhr auf Gleis 7 in Ulm. Nach Ankunft in Weißenhorn um 10.34 Uhr startet ein Gratis-Stadtrundgang. Rückfahrt ist ab 12.22 Uhr in Weißenhorn. Nach Ankunft in Ulm um 12.54 Uhr starten zwei Gratis-Führungen: „Spannende Zeitreise ins Mittelalter“ (für Kinder) und „Mittelalter trifft Moderne“. Anmeldungen bis 14. Dezember: info@ding.eu. Die anderen Züge sind nicht gratis.