Elchingen Veto gegen Umbau der Brühlhalle

Pro-A-Basketball in der Brühlhalle? Geht es nach dem Elchinger Gemeinderat, wird es das nicht geben. Die Kosten dafür seien zu hoch.
Pro-A-Basketball in der Brühlhalle? Geht es nach dem Elchinger Gemeinderat, wird es das nicht geben. Die Kosten dafür seien zu hoch. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Elchingen / Oliver Heider 28.02.2018
Der Elchinger Gemeinderat will die Anforderungen, die für die 2. Basketball-Bundesliga Pro A gelten, nicht erfüllen.

Rund 80 Besucher sind am Montagabend in die Sitzung des Gemeinderats gekommen – Sportler, Nachwuchs-Basketballer, Trainer, in blau-weiße Schals gehüllte Fans. Alle wollten miterleben, wie das Gremium über einen Antrag des SV Oberelchingen (SVO) befindet. Am Ende waren viele aufgewühlt, enttäuscht, sauer. Konnten sie doch nicht verstehen, dass über einen Antrag Richard Röschs (DGO) nicht abgestimmt wurde. Was war passiert? 

Antrag Der SVO hatte am 22. Januar schriftlich beantragt, dass „die Mindestauflagen zur Zulassung der Brühlhalle als Sportstätte für die 2. Basketball-Bundesliga Pro A“ hergestellt werden. In zwei Bauabschnitten bis August 2019. Sollte der Club dieses Jahr von der Pro B (Dritte Liga) in die Pro A (Zweite Liga) aufsteigen, dann bis August 2018. Von den geschätzten Kosten (200.000 Euro) wollte der Verein 80.000 Euro selbst schultern, wenn die Gemeinde als Gesamtbudget 120.000 Euro bereitstellt.

Verwaltung Diese Kosten konnte die Elchinger Gemeindeverwaltung laut Bürgermeister Joachim Eisenkolb nicht nachvollziehen. Ein Festbetrag, erklärte er, scheide aus, weil die Kommune als „Bauherrin und Eigentümerin der Halle“ an öffentliches Vergaberecht gebunden sei. „Es gibt Nachteile, wenn die Gemeinde mitmischt.“ Die Arbeiten müssten dann auf Basis einer Kostenschätzung ausgeschrieben werden. Ein Ingenieur-Büro habe allein die Ergänzung der Beleuchtung, die in der Pro A 1400 statt 1000 Lux betragen muss, auf 70.000 Euro veranschlagt. 50.000 Euro mehr als der SVO. Zudem sei die Halle aktuell „in räumlicher, technischer und sicherheitstechnischer Sicht“ für 1400 und nicht für 1500 Personen ausgelegt. Vor dem Hintergrund, dass die Kommune den Breiten- und nicht den Profi-Sport fördern solle, überstiegen die Investitionskosten die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde Elchingen.

Meinungen Die meisten Ratsmitglieder konnten dieser Argumentation folgen. Zwar sei die Arbeit, die der SVO leiste, „von unschätzbarem Wert“, sagte Bernd Schwerdtfeger (CSU). Grünes Licht für das Geld wollte er aber nicht geben. Er plädierte dafür, nur  – wie von der Verwaltung vorgeschlagen – eine LED-Wand anzuschaffen, die auch andere Vereine nutzen könnten. Alle anderen Kosten sollten der SVO oder Sponsoren tragen. Ähnlich sah es Karin Batke (UFWG): Man müsse „zum Schutz der Besucher auf der sicheren Seite“ sein, was Rettungs- und Fluchtwege angeht. Das müsse geprüft werden, bevor man Investitionen tätige.

„Die Taschen sind einfach leer“, ergänzte Johann Gröger (FWE). Er spielte auf die angespannten kommunalen Finanzen an und verwies auf diverse Zuschüsse, die der SVO erhalte. Weil die Kommune „an allen Ecken sparen muss“, warb auch Manfred Bittner (Eule) um Verständnis bei Fans und Sportlern. Diese seien „großer Nutznießer einer tollen Halle“, meint Karl Mayer (CSU). Die lasse sich die Kommune jedes Jahr rund 250.000 Euro an Unterhalt kosten. „Dieses Jahr investieren wir 170.000 Euro.“

Selbst SVO-Mitglied und Basketball-Fan Armin Willbold (DGO) erklärte vor dem Hintergrund vielfältiger Pflichtaufgaben: „Der Kindergarten ist mir da näher als der SVO.“ Und: Die Profi-Sport-Tauglichkeit der Halle sei keine Aufgabe der Gemeinde, sagte Charlotte Seeger-Schnizer (SPD), „selbst nicht, wenn wir im Geld schwimmen würden“.

Kritik Richard Rösch schlug dagegen vor, den Wortlaut der Beschlussempfehlung zu ändern. Man solle dem Umbau zustimmen und festlegen, dass „die Finanzierung zu X Prozent vom SVO beziehungsweise von Scanplus“ übernommen wird. Und über diese Kostenbeteiligung solle verhandelt werden.

Beschluss Eisenkolb ließ aber nur über die Beschlussempfehlung der Verwaltung abstimmen. 16 Ratsmitglieder stimmten dafür, die Brühlhalle nicht auf Pro-A-Standard umzubauen. Rösch, Andreas Mayr und Achim Götz (beide CSU) votierten mit „nein“. Mit 18:1 beschloss das Gremium, eine LED-Wand (27.000 Euro plus Montage) anzuschaffen, die für Pro B nötig ist. Andreas Moser (FWE) war dagegen. Die mehrmalige Forderung Röschs, über seinen Antrag abstimmen zu lassen, lehnte der Rathauschef ab.

SVO-Chef Werther: Großer Unmut bei den Fans

Reaktion Andreas Werther, SVO-Vorsitzender und Chef des IT-Unternehmens Scanplus, hat in der Ratssitzung wenig Sachlichkeit festgestellt, wie er gestern auf Anfrage sagte. Es sei nicht über den „präzisen Antrag“ des SVO, sondern den der Verwaltung abgestimmt worden. Bei den Fans habe das „großen Unmut“ hervorgerufen. Ebenso wie der Umstand, dass Richard Röschs Vorschlag nicht berücksichtigt wurde. Auch habe man Räte akustisch schlecht verstanden. Von den Fakten ganz zu schweigen.

Maßnahmen Beispiel neue Lichttechnik, die alleine 20.000 Euro koste, aber wohl Investitionen in ein leistungsfähigeres Stromnetz der Halle erfordere – das ohnehin irgendwann erneuert werden müsse. Auch ein Konzept für das „Entleeren der Halle“ im Brandfall wäre bei höherer Kapazität möglich, meint Werther: „Man muss es halt wollen.“ Geforderte Standkörbe kämen den Profis wie auch den 260 jugendlichen Basketballern zugute, neue Bühnenelemente auch den anderen Vereinen.

Zukunft Selbst wenn der SVO mehr Sponsorengeld auftreibe, könne er ohne den Halleneigentümer nichts ändern, sagt Werther. Bis 16. April muss die Lizenz für Pro A beantragt werden. Werther hofft auf eine Ausnahmegenehmigung. Wenn überhaupt, sei die zeitlich befristet, das Problem nur verschoben. Eine alternative Spielstätte gebe es nicht: Von 38 Hallen in der Umgebung seien nur die Kuhberghalle und Ratiopharm-Arena Pro-A-tauglich. Dort komme der SVO nicht unter.

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