Betreuungsangebot Spontan und frei in der Natur bewegen

In diesem Wald werden die Kinder des Naturkindergartens künftig spielen und lernen.
In diesem Wald werden die Kinder des Naturkindergartens künftig spielen und lernen. © Foto: Manuela Rapp
Illertissen / Manuela Rapp 08.03.2018

Ab Freitag, 1. Juni, fliegen in Illertissen die „Waldbienen“ aus. So nennt sich nämlich ein neues Betreuungsangebot für Mädchen und Jungen ab zwei Jahren und neun Monaten bis zum Schuleintritt im Bereich der Jungviehweide – ein Naturkindergarten, um genau zu sein. Die Erzieherinnen Peggy Kaufmann und Sandra Jakob-Remiger teilen sich die Leitung. Sie werden sich dabei um maximal 18 Kinder kümmern, die sich dort „spontan und frei in der Natur bewegen können“, wie es die gemeinsam von den beiden Pädagoginnen und Hauptamtsleiterin Kerstin Breymaier erarbeitete Konzeption vorsieht. Interesse gibt es genügend. Das jedenfalls lässt sich aus einer Umfrage unter Eltern schließen, auf die Bürgermeister Jürgen Eisen bei einem Infoabend im Mehrgenerationenhaus Bezug nahm.

Positiv für die Gesundheit

„Im Naturkindergarten wird den Grundbedürfnissen der Kinder nach Kriechen, Hüpfen, Rennen, Laufen Rechnung getragen“, erläuterte Kaufmann. Sie dürften auch richtig laut sein. Dazu kämen die positiven  gesundheitlichen Aspekte: Das Immunsystem der Kleinen werde gefestigt, das Herz-Kreislauf-System angeregt. Es gebe weniger Konflikte, negative Gefühle und Aggressionen, da sich diese über die Bewegung abbauten. „Die Kinder können morgens Kind sein, ganz ohne Stress, Hektik, Zeitdruck.“ Weiteres Stichwort: Kreativität. „Wir haben kein vorgefertigtes Spielzeug.“ Dies sei sehr gut für die Förderung der Persönlichkeit.

Wie der Name schon sagt, spielt sich der Vormittag – der Kindergarten ist ganzjährig ab 7.30 bis 13 Uhr geöffnet – größtenteils im Freien ab. Doch natürlich haben die Kinder auch ein Dach über dem Kopf: Eine Hütte mit Materialraum steht zur Verfügung. Als Schutzraum bei schlechtem Wetter, im Winter zum Aufwärmen, Frühstücken, Geschichten lesen, Basteln.

„Wir stehen voll hinter diesem Konzept“, erklärte Peggy Kaufmann, die auch ein Zertifikat in Wald- und Naturpädagogik hat. Sie und Sandra Jakob-Remiger sind erfahrene Pädagoginnen, haben langjährige Erfahrung mit Waldkindergärten. Sie wollen die „Waldbienen“ peu à peu aufbauen. „Wir können nicht alle Kinder gleichzeitig eingewöhnen“, betonte Sandra Jakob-Remiger.

Mit sechs bis acht Mädchen und Jungen soll zunächst begonnen werden, aber: „Im September geht es richtig los“, fügte Peggy Kaufmann hinzu. „Wir warten jetzt erst mal auf die Zahl der Anmeldungen.“ Wenn möglich möchten die beiden auch keine Eingewöhnungen zwischen Januar und März machen. Die  Kinder sollen nicht überfordert werden: Abhärtung und Umstellung auf die viele Bewegung gingen nicht von heute auf morgen.

Doch wie steht es mit der Vorbereitung auf die Schule? „Die ist mindestens genauso gut wie die von Kindern eines Regelkindergartens“, sagten die Erzieherinnen. Überhaupt: Die Mädchen und Jungen eines Naturkindergartens seien sehr motiviert, ausgeglichen konzentriert und arbeiteten im Unterricht sehr gut mit, berichten die Erzieherinnen aus einer Studie. Und sie verfügten über eine überdurchschnittliches Maß an Sozialkompetenz. „Sie sind in allem genauso entwickelt, nur im feinmotorischen Bereich haben sie etwas schlechter abgeschnitten“. Aber da könnten die Eltern ja auch vorbauen.

Zur Toilettenfrage sagt Kaufmann: „Wir haben drei feste WC-Zeiten mit den Kleinen.“ Dafür stünden verschiedene Stellen zur Verfügung, die einen Namen erhielten. „Da gibt es dann einen Pipi-Baum.“ Bei größerem Geschäft gehe es in den Wald mit Schaufel und Papier, im Winter komme eine Tüte dazu, um die Fäkalien zu entsorgen. Für Hygiene mit einem Handwaschmittel sei gesorgt. „Man kann sich das am Anfang einfach nicht vorstellen“, meinte Sandra Jakob-Remiger, „aber es klappt wirklich gut.“ Ihre Beobachtung: „Bei den meisten Kindern verschiebt es sich dann auch nach hinten und sie müssen erst daheim auf die Toilette.“ Wenn die Eltern wollten, könne über ein Kompostier-WC nachgedacht werden, fand Hauptamtsleiterin Kerstin Breymaier und verwies darauf, dass im Notfall die sanitären Anlagen des Museums für Gartenkultur oder die weißen Container der Staudengärtnerei bereit stünden.

Naturkindergarten wird gut angenommen

Eingewöhnung Bis gestern Mittag haben sich die ersten neun Kinder für den Naturkindergarten angemeldet. Somit steht der erste Schwung an Kindern fest, die erst einmal an diesen Kindergarten gewöhnt werden sollen. „Wir fangen deswegen extra schon im Juni an, damit wir nicht alle Kinder gleichzeitig an die neue Umgebung gewöhnen müssen“, sagte Illertissens Hauptamtsleiterin Kerstin Breymaier.