Senden Holzgas-Heizkraft wird wohl stillgelegt

Alle Ampeln auf Rot: Das Kraftwerk in Senden braucht keine neue Holzlieferung. Die Anlage ist abgeschaltet.
Alle Ampeln auf Rot: Das Kraftwerk in Senden braucht keine neue Holzlieferung. Die Anlage ist abgeschaltet. © Foto: Volkmar Könneke
Niko Dirner 09.01.2019
Nach genau einem Jahr gibt der neue Eigentümer den Versuch auf, die einstige SWU-Anlage zu optimieren. Was am Standort Senden nun geschieht, ist noch unklar.

Nein, das ist gar nicht so gelaufen, wie von Jochen Sautter und Herbert Heinz geplant. Anfang 2018 haben sie mit ihrer Ulmer Firma Blue Energy das störanfällige Holzgas-Heizkraftwerk (HGA) den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) abgekauft. Der Spezialist für „Energie-Infrastruktur-Projekte mit Handicap“ wollte die in seiner Größe europaweit einmalige Verschwelungs-Anlage optimieren. Das klappte zunächst auch, obwohl Probleme auftauchten. Dann gab es im November eine massive Störung. Seither steht das Kraftwerk still. Und Heinz sagt: „Wir überlegen, die Anlage stillzulegen.“

Das wäre nicht nur das Ende für das mit Baukosten von 33 Millionen Euro wohl größte Einzelprojekt, das die SWU je gestemmt haben – beim Spatenstich 2010 noch mit dem Ziel, viel Energie selbst und sauber produzieren zu können. Es wäre auch das Aus für die Vergasung von Holz im großen Stil, um Strom und Wärme zu produzieren. Diese Technik lasse sich vielleicht eher nutzen, um Wasserstoff zu gewinnen, meint Sautter. Er klingt nicht ratlos, aber ein wenig resigniert.

Vor einem Jahr war das Führungsteam von Blue Energy optimistisch gewesen. Störungen sollten „eliminiert“ werden, mit einem Trockner das Holz besser vorbereitet werden. Die Trocknungsanlage wurde auch bestellt und geliefert – allerdings nicht mehr eingebaut. Dank neuer Software konnte immerhin testweise die benötigte Holzmenge um zwölf Prozent gesenkt werden.

Mit weiteren Verbesserungen lief der Betrieb stabil mit 5500 Betriebsstunden bis Oktober. „Es hat die ersten neun Monate gut ausgeschaut“, blickt Sautter zurück. Ein Rekord mit 6500 Betriebsstunden schien greifbar. „Wobei wir insgesamt nicht so weit gekommen sind wie wir wollten“, ergänzt Heinz. Zudem stellte sich heraus, dass eine Genehmigung fehlte. Und dann kam die Panne.

Morgens um halb vier erreichte Sautter an einem Sonntag im November eine SMS aus dem Werk, dass es abgeschaltet werden muss. Zwölf Stunden hatten die Techniker zuvor versucht, den Fehler zu finden. Dann zogen sie die Reißleine. Wie sich nach Untersuchungen herausstellte, war Thermoöl durch ein Leck aus dem getrennten Kühlkreislauf in die Rohre mit dem Produktgas eingedrungen. „Ohne Wirkung nach außen“, betont Heinz. Den Schaden zu reparieren, lohne sich allerdings nicht mehr.

Draufzahlen geht nicht mehr

Und was jetzt? Das sei noch unklar, betonen die Geschäftsführer. Mit externen Partnern, etwa der Uni Wien, werde nach einer Lösung gesucht. Strom und Wärme sollen wieder produziert werden – „aber nicht mehr so innovativ“, sagt Sautter. Die Infrastruktur dafür sei ja vorhanden. Blue Energy sei kein Forschungsunternehmen, das Fördermittel bekomme, irgendwann müsse die Anlage Gewinne abwerfen.

Blue Energy muss den SWU auch eine Mindestmenge an Fernwärme für deren Netz liefern, das ist vertraglich festgehalten. Und die Stromerzeugung lohnt sich, denn bis 2032 gibt es eine hohe Vergütung. Klärschlamm zu verbrennen, wie schon mal überlegt, sei nicht das Thema. Sautter versichert: Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde nicht so umgebaut, dass sich Emissionen, Staub oder Lärm erhöhen. Das würde zum einen wegen der nahen Wohngebieten nicht genehmigt. Zum anderen habe sich Blue Energy ökologischen Energieprojekten verschrieben, wolle die Umwelt nicht zusätzlich belasten.

Blue Energy werde am Standort Senden festhalten, im Februar soll die Verwaltung von Ulm auf das Areal der HGA umziehen. Hier gibt es Bürocontainern, die bisher von den SWU genutzt wurden. Den Dienstleistungsvertrag mit den Stadtwerken hat Blue Energy gekündigt – bisher hatten deren Fachleute den Betrieb gemanagt. Es gebe aber keinen Streit mit dem Verkäufer,  Heinz: „Wir haben ein gutes Verhältnis.“ Die fehlende Genehmigung soll nicht thematisiert werden.

Das sagen die Stadtwerke zu ihrer Sendener Anlage

Arbeit „Die Tätigkeit der Stadtwerke in der Anlage ist seit Ende November beendet“, sagt SWU-Sprecher Bernd Jünke. Die 15 Stadt­werke-Mitarbeiter seien nun „in anderen, gleichwertigen Funktionen“ im Unternehmen eingesetzt. Jünke: „Die Weiter­beschäftigung ist garantiert.“

Wärme Für die Fernwärmekunden in Senden ändere sich nichts, sie würden „ohne Einschränkung“ versorgt. Produziert wird die Fernwärme nun aus Erdgas im Neu-Ulmer Blockheizkraftwerk Bradleystraße. Über eine sechs Kilometer lange Leitung gelangt die Wärme nach Senden.

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