Stefan Czernin

Transparent und möglichst gerecht.  So will der Landkreis Neu-Ulm seine Kulturförderung verteilen. Am Freitag haben der Kulturausschuss und anschließend der Kreisausschuss deswegen einer neuen Richtlinie zugestimmt. Nicht, dass die bisherige, eher freihändige Praxis ins Chaos geführt hätte. Aber an der ein oder anderen Stelle hätten sich vielleicht doch „über die Jahre Ungleichheiten“ eingeschlichen, sagte Landrat Thorsten Freudenberger. Nun soll alles vergleichbarer und damit nachvollziehbarer werden.

Leuchtturmprojekte, die über die Landkreisgrenzen hinaus ausstrahlen, werden mit 7000 Euro bezuschusst, andere Projekte mit 5000 Euro. Es gibt auch Ausnahmen. So dürfen etwa die Zuschüsse nicht die Kosten für ein Projekt übersteigen. Veranstalter können sich also nicht schon allein mit dem Geld aus der Kulturförderung in die Gewinnzone hieven.

Im Kulturausschuss des Kreistags wurde lange diskutiert. Zwei Tage vor der Sitzung hatte FW-Kreisrat Jürgen Bischof in einer E-Mail die vorgesehenen Pauschalbeträge kritisiert und vorgeschlagen, die Förderhöhe an der „Bemessungsgrundlage der Künstlersozialabgabe“ festzumachen. Damit fand er außerhalb seiner Fraktion jedoch keine Unterstützung.   Ein „Bürokratiemonster“ befürchtete etwa SPD-Ausschussmitglied Wolfgang Ostermann. Man wolle die Ehrenamtlichen nicht mit einem Wust ein Antragsformularen zuschütten, hieß es in der Sitzung.

Bischof hatte ferner kritisiert, dass einige eingereichte Zuschussanträge unvollständig seien, etwa detaillierte Kostenaufstellungen für anstehende Projekte fehlten. Worauf Landrat Freudenberger darauf hinwies, es mit dem Misstrauen nicht zu übertreiben. „Das sind Vereine und Initiativen aus der Region, die wir alle kennen“, sagte Freudenberger.

Kein Kahlschlag, im Gegenteil

Die neue Richtlinie tarnt auch keinen versteckten Kahlschlag in der Kulturförderung. Im Gegenteil: 35 000 Euro an freiwilligen Leistungen hat der Landkreis für 2018 vorgesehen. Und damit deutlich mehr als im Vorjahr (siehe Infokasten).

Schlussendlich verabschiedete der Kulturausschuss die Förderrichtlinie, die eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung der Fraktionen ausgearbeitet hatte.   Gegen die Stimmen der drei FW-Ausschuss-Mitglieder. Keinen Diskussionsbedarf sah im Übrigen der Kreisausschuss. Dessen Mitglieder stimmten zügig und einstimmig zu.

Wer 2018 wie viel Zuschuss bekommt

Finanzhilfe Insgesamt 35 000 Euro an Kulturförderung verteilt der Landkreis Neu-Ulm an acht Projekte: Die Weißenhorn Klassik bekommt als Leuchtturmprojekt 7000 Euro (Vorjahr: keine Förderung); das Diademus-Festival Roggenburg 7000 Euro (7000); die Weißenhorner Kammeroper 5000 Euro (5114); das Theater Neu-Ulm 5000 Euro (5100); der Iller-Roth-Sängerkreis 2000 Euro (2000); der Verein Heimatpflege Illertissen und Umgebung 1000 Euro (512); der Museumsverein Weißenhorn 1000 Euro und die Freunde des Klostermuseums Elchingen 7000 Euro (Vorjahr: keine Förderung).