Die Großeltern zweier Buben aus Pfuhl strahlen. Sie haben ein großes Stoffpferd, das wiehern und vielleicht sogar einen kleinen Reiter auf dem Rücken tragen kann, gefunden. Sie sei gespannt, was ihre Enkel zu dem Tier sagen, meint die Oma, die zum ersten Mal den Weg in die  „Kleidertruhe“ am Fackelberg in Unterelchingen gefunden hat.

Dieser wurde vor etwa vier Jahren vom Elchinger Freundeskreis Asyl eingerichtet und ist viel mehr als ein Secondhand-Laden, in dem nicht nur Geflüchtete einkaufen können. Jeder und jede ist willkommen, unabhängig vom Geldbeutel. Sie finden angesagte Marken und hochwertige Qualität. „Wir nehmen nur gut erhaltene, tragbare und modische Kleidung an“, betont Doris Geus, die als „Frau vom Fach“ fast von Anfang an mit ihrem Team zuständig ist für den Laden. Dort gibt es nicht nur Klamotten für Groß und Klein, sondern auch Spielsachen und Haushaltswaren wie Geschirr, Besteck und Bettwäsche.

Darüber hinaus sind die beiden Räume im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus auch Treffpunkt für Einheimische und Geflüchtete. Mittwochnachmittags gibt es Kaffee, Tee und hausgemachten Kuchen. Die Gäste plaudern in gemütlicher Runde. Asylbewerber, die zur Sprechstunde im Nebenraum kommen, setzen sich dazu. Mütter und Väter trinken Tee oder Kaffee, während die Kinder sich mit den Spielsachen beschäftigen. Syrische Väter, die Arbeit suchen und einen Lebenslauf schreiben müssen, kommen ebenso in die Sprechstunde wie junge Afghanen, die unter großem Zeitdruck eine so genannte Tazkira, eine Art Geburtsurkunde, beschaffen müssen. Diese Aufgabe stellt nicht nur die Asylbewerber, sondern auch die Helfer vom Freundeskreis vor große Probleme.

Die Papiere müssen sowohl vom Außen- als auch vom Innenministerium in Kabul abgestempelt sein. Für die Asylbewerber sei es nicht leicht, in Afghanistan jemanden zu finden, der die Dokumente zu den entsprechenden Stellen in Kabul bringt, so Sigrid Thelen vom Freundeskreis. Hinzu kommt, dass die meisten jungen Afghanen von Abschiebung bedroht sind. Dennoch geht es oft sehr fröhlich zu in der Kaffeerunde.

Kein geschlossener Kreis

„Die Kleidertruhe ist das Herzstück des Freundeskreises Asyl“, sagt Birgit Möller. Dort werden Informationen ausgetauscht, Kontakte geknüpft und Freundschaften gepflegt. „Wir sind kein geschlossener Kreis, der sich abschottet. Jeder, der einfach mal hereinschauen möchte, ist willkommen.“ Das Ehepaar aus Pfuhl nimmt sich vor, bald wieder zu kommen. Der 54-Jährigen haben es zwei Blumenvasen angetan, die sie sich einpacken lässt. Nächstes Mal möchte sie nach Kleidung Ausschau halten.

Info Die Kleidertruhe am Fackelberg 1 in Unterelchingen ist mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.