Eine reine Beschreibung der Situation ist zu wenig, wenn Integration im Landkreis Neu-Ulm besser funktionieren und alle Beteiligten besser zusammenarbeiten sollen. Das hatte Geschäftsbereichsleiterin Karen Beth, zuständig für Ausländer, Soziales und Kommunales, bereits vor gut zwei Wochen klar gemacht, als sich Akteure aus verschiedenen Bereichen bei einer ersten Integrationswerkstatt Gedanken zum Thema machten.

Sprachkenntnisse verbessern

Beim zweiten Treffen im Landratsamt ging es nun um konkrete Vorschläge. Deutlich wurde dabei: Viele Beteiligte wünschen sich eine bessere Vernetzung untereinander, bessere Sprachlernmöglichkeiten für Migranten und einen niederschwelligeren Zugang zum Arbeitsmarkt.

Gute Deutschkenntnisse sind eine wichtige Grundlage für eine gelungene Integration, deshalb braucht es mehr und bessere Möglichkeiten für Migranten, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, hieß es. Beginnen müsse dies schon in den Kitas, ein entsprechendes Förderprogramm des Bundes für „Sprach-Kitas“ müsse verlängert und ausgeweitet werden. Auch in der Schule und später der Berufsausbildung müssten mehr Möglichkeiten geschaffen werden, etwa durch ausbildungsbegleitende Sprachkurse und ein Mentorenprogramm. Der Wirtschaftsförderer des Landkreises soll diese Vorschläge nun in Gespräche mit den Berufsschulen und Kammern einbringen.

Auch die kommunalen Verwaltungen möchten neue Wege gehen, um als Arbeitgeber für Menschen mit Migrationshintergrund wahrgenommen zu werden, sagte Karen Beth. Eines der im Forum definierten Ziele sei ja, den Anteil von Migranten in öffentlichen Institutionen zu erhöhen.

In einem „Welcome Center“ sollen Behörden und Einrichtungen in Zukunft in enger Abstimmung untereinander Migranten beraten, lautete ein Vorschlag des Integrationsforums. Wichtig seien vor allem ein niederschwelliger Zugang ohne Sprachbarrieren und eine „Lotsenfunktion“. Das Landratsamt solle dazu im Vorfeld alle Angebote sammeln, hieß es: „Es ist wichtig, dass wir voneinander wissen.“ Bestehende Angebote könnten so vernetzt und neue Angebote besser abgestimmt werden.

Immer wieder wurde ein niederschwelliger Zugang zu allen Bereichen des Alltagslebens als Basis für eine bessere Integration von Migranten genannt. Um herauszufinden, was dazu nötig ist, sollen verschiedene Zielgruppen konkret befragt werden. Einig waren sich die Teilnehmer des Integrationsforums darin, dass es gerade im Bereich der Freizeitangebote ein großes Potenzial für ein besseres Kennenlernen von Bevölkerungsgruppen gibt, das ausgebaut werden muss. Als positives Beispiel wurde dabei das „Café International“ in Senden genannt.

Einfache und schnelle Patentlösungen für eine gelingende Integration gebe es nicht, so ein Fazit. So könnten manche Handlungsfelder etwa im Bereich der Schulen nicht nur auf kommunaler Ebene angegangen werden. Andere Integrationshindernisse, etwa das traditionelle Rollenbild in manchen Kulturkreisen, ließen sich wiederum nur langsam beseitigen. Was die Akteure im Landkreis aber erreichen wollen, ist eine engere Zusammenarbeit auf Basis der Konferenzergebnisse und erste Aktionen. Wie anschließend weiter verfahren wird, bespricht nun ein Lenkungsteam des Landratsamts.

Jobcenter vermittelt viele Flüchtlinge in Arbeit


Beispiele Beim Integrationsforum wurden positive Vorbilder vorgestellt. So absolviert seit September Salomon Okbay aus Eritrea eine Truppmannausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr Unterelchingen.

Spitze Bundesweit Spitze ist die Erfolgsquote des Jobcenters Neu-Ulm, was die Arbeitsvermittlung von Flüchlingen angeht, sie lag 2018 bei 55 Prozent. Der Grund: In einem speziell eingerichteten Kompetenzcenter „Flucht“ beraten vier Mitarbeiter Flüchtlinge beim Einstieg ins Arbeitsleben. Eine intensive Netzwerkarbeit, aufgelockerte Amtsstrukturen und eine ausgeprägte Servicementalität seien die Schlüssel, so Andreas Hasmüller vom Jobcenter.