Umwelt Großes Potenzial für Photovoltaik in Elchingen

Oberelchingen hat – wie die Ortsteile Thalfingen und Unterelchingen auch – ein großes Potenzial für Photovoltaik-Anlagen.
Oberelchingen hat – wie die Ortsteile Thalfingen und Unterelchingen auch – ein großes Potenzial für Photovoltaik-Anlagen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Elchingen / Oliver Heider 22.11.2018

Die Gemeinde Elchingen dürfte es mindestens 700 000 Euro kosten, die Vorschläge aus dem integrierten Klimaschutzkonzept umzusetzen. In jüngster Sitzung hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, auf dieser Arbeitsgrundlage die weiteren Klimaschutz-Aktivitäten anzugehen.

Zuvor hatte Martin Sailer vom Münchner Institut „B.A.U.M. Consult“ die Kernelemente des 192 Seiten umfassenden Konzepts vorgestellt. Dessen Erstellung war von drei Treffen einer Steuerungsgruppe aus Rats- und Verwaltungsvertretern sowie sechs Workshops begleitet worden.

Status quo Im Jahr 2017 verbrauchte Elchingen nach Sailers Angaben rund 327 000 Megawattstunden Endenergie (siehe Infokasten). Die energiebedingten CO2-Emissionen betrugen pro Einwohner zwölf Tonnen. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei neun Tonnen. Der Löwenanteil entfiel auf die Wirtschaft (43 Prozent). Der Verkehr machte knapp 33 Prozent aus, die Privathaushalte waren für 23 Prozent verantwortlich. Hintergrund der Zahlen sei, erklärte Sailer, dass sich im früher landwirtschaftlich geprägten Elchingen seit 1970 verstärkt Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt hatten.

Szenario 2030 Wenig Potenzial sieht Sailer im Bereich Strom bei Wind, Wasser und Biogas. Ganz anders sehe es bei Photovoltaik aus: Zahlreiche Dachflächen könnten Solarstrom erzeugen. Auch seien Freiflächen-Anlagen südlich der Autobahn und südlich der Bahnstrecke denkbar. „Dazu müsste man aber sehr viele Gespräche führen“, schränkte Sailer ein. Eingespart werden könnte auf insgesamt sieben Handlungsfeldern. 40 konkrete Maßnahmen seien dafür ausgearbeitet worden. Ziel soll es so unter anderem sein, „mehr erneuerbaren Strom in den Verkehr zu bringen“. Sailer: „In Elchingen ist es bis 2030 möglich, 20 Prozent der Pkw zu elektrifizieren.“ Im Bereich Wärme sieht Sailer Potenzial bei Solarthermie, Wärmepumpen in Neubaugebieten und 70er-Jahre-Bauten sowie „fester Biomasse“, sprich Holz.

Ziele bis 2030 In den nächsten zwölf Jahren gelte es, Energie und CO2 einzusparen sowie möglichst viel erneuerbare Energie zu erzeugen: Elchingen könne 14 Prozent Energie und 32 Prozent CO2 einsparen. Der Anteil erneuerbarer Energien könne im Bereich Wärme auf 20, im Bereich Strom (ohne Wasserkraft) auf bis zu 55 Prozent des künftigen Energiebedarfs gesteigert werden.

Anforderungen Um diese Ziele zu erreichen, sei viel Geld nötig: ohne Förderung 800 000, mit Förderung immerhin noch 700 000 Euro. Ebenso wichtig sei aber auch ein „Kümmerer“, wie Sailer ihn nannte. Also ein Klimaschutz-Manager. Wenn Kommunen keinen „Kümmerer“ haben, dann sei das Konzept oft „für die Schublade“, warnte Sailer.

Reaktionen Dass das Konzept in der Schublade verschwindet, müsse unbedingt vermieden werden, sagte Armin Willbold (DGO). Schließlich steckten einige „gute Ideen“ drin. Auch Reinhard Rotermund (Eule) lobte die Bestandsaufnahme. Es handele sich um „ein brauchbares Konzept mit vielen Anregungen“, das besser sei als jenes des Landkreises Neu-Ulm. Neben Lob hatte Matthias Bloching (UFWG) noch weitreichende Ideen parat: Er forderte, „alle Akteure aus der Region an den Tisch zu holen“. Denn: „Vielleicht könnte in zehn Jahren ja auch eine Straßenbahn von Ulm nach Elchingen fahren.“

Bürgerversammlung Das Klimaschutzkonzept stellt Sailer erneut vor: am Montag, 26. November, in der KSV-Halle in Unterelchingen, im Rahmen der Bürgerversammlung. Beginn: 19 Uhr.

327

tausend Megawattstunden Endenergie wurde in der Gemeinde Elchingen 2017 verbraucht. Davon entfiel laut Sailer der überwiegende Teil, rund 41 Prozent, auf den Verbrauchssektor Wirtschaft. Gefolgt vom Sektor Verkehr mit einem Anteil von gut 34 Prozent und den Haushalten mit 23 Prozent. Ein Prozent des Verbrauches fällt im kommunalen Bereich für die Versorgung der Liegenschaften und Infrastruktur an. Dies zeige, dass die Energiewende nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingen könne, meint Sailer.

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