Verkehr Der Bahn-Engpass muss weg

EIn ICE auf der Donaubrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm: Die Initiative Magistrale für Europa fordert den raschen Ausbau des Streckenabschnitts bis Augsburg.
EIn ICE auf der Donaubrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm: Die Initiative Magistrale für Europa fordert den raschen Ausbau des Streckenabschnitts bis Augsburg. © Foto: Volkmar Könneke
Region / Thomas Steibadler 13.06.2018

Auf französischer Seite hat die Zukunft schon begonnen. Im September 2016 ist die Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke zwischen Paris und Straßburg in Betrieb gegangen. Seither dauert die Reise von Stuttgart nach Paris im TGV dem Fahrplan zufolge gerade mal drei Stunden und elf Minuten. So sieht leistungsfähiger Schienenverkehr aus, meint Frank Mentrup, OB von Karlsruhe und Vorsitzender der Initiative Magistrale für Europa. Allerdings weist der Rest dieser Magistrale Paris–Bratislava noch einige Lücken auf.

Eine dieser Lücken wird gerade geschlossen: Die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm wird nach Aussage der Deutschen Bahn im Jahr 2022 fertig und soll dann auch in Betrieb genommen werden. Dazu fordert die Initiative in ihrer gestern verabschiedeten Augsburger Erklärung „eine sinnvolle und leistungsfähige Verknüpfung“ von Neubaustrecke und vorhandener Strecke bei Wendlingen. So könnten schon vor Fertigstelung von Stuttgart 21 die Kapazitäten erweitert und die Fahrzeit zwischen Landeshauptstadt und Ulm verkürzt werden.

An Stuttgart 21 selbst lässt Mentrup keinen Zweifel aufkommen. Diesen Teil des Projekts habe die Initiative von Anfang an ebenso „positiv begleitet“ wie die Neubaustrecke. Die immer noch vereinzelt erhobene Forderung nach einem Projekt-Stopp sei „reichlich absurd“.

Das gesamte Vorhaben Stuttgart-Ulm müsse „mit höchster Priorität fortgesetzt werden“, fordert die Initiative deshalb. Dazu gehöre ein zeitnaher Baubeginn für einen Fernbahnhof am Stuttgarter Flughafen. Dessen stündliche Fernverkehrsanbindung müsse gewährleistet sein.

Nach wie vor aber besteht der Engpass zwischen Ulm und Augsburg. Auf diesem Abschnitt müsse die Fahrzeit von jetzt knapp 45 auf unter 30 Minuten verkürzt werden, fordert die Initiative. Erfreut haben deren Mitglieder zur Kenntnis genommen, dass der Abschnitt im Bundesverkehrswegeplan „ganz oben steht“, wie es Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, formulierte. Damit verbunden sind die Finanzierungszusage des Bundes – die aktuelle Kostenschätzung beträgt etwa 1,5 Milliarden Euro – und der Planungsauftrag an die Bahn.

„Frühzeitiger Planungsdialog“

Deren Tochter DB Netz AG hat kürzlich ein Projekt-Team mit einem „sehr erfahrenen Leiter“ eingesetzt, wie ein Bahn-Sprecher auf Anfrage sagte. Die Aufgabe des Teams bestehe zunächst darin, einen „frühzeitigen Planungsdialog“ mit Kommunen, Kreisen und Verbänden zu beginnen. Die Öffentlichkeit werde ebenfalls einbezogen: „Wir wollen in den nächsten Monaten einsteigen.“

Für die Strecke Ulm–Augsburg sind bisher zwei Varianten im Gespräch: Ausbau der bestehenden Trasse zwischen Neu-Ulm und Dinkelscherben oder Neubau entlang der Autobahn. Doch die Bahn werde die tatsächliche Planung „auf einem weißen Blatt Papier beginnen“, sagte Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter für Bayern, in Augsburg. Nicht nur die Fernverkehrsverbindungen, der so genannte Deutsch­land-Takt, müssten berücksichtigt werden. Auch der Regionalverkehr und der Güterverkehr.

Zwei Forderungen erhebt die Initiative Magistrale für Europa in diesem Zusammmenhang: Dass Günzburg nicht vom Fernverkehr abgehängt wird und dass möglichst rasch geplant wird. So hat auch der Ulmer Obergürgermeisters Gunter Czisch die Augsburger Erklärung der Initiative mit einer Mitteilung ergänzt: „Die Schienenausbauplanungen zwischen Ulm und Augsburg müssen jetzt endlich aufs Gleis kommen.“

Lobby für Schienenverbindung und für Europa

Organisation Der 1990 gegründeten Initiative Magistrale für Europa gehören elf Städte an – darunter Stuttgart, Karlsruhe, Ulm, Augsburg und München –, acht Regionen – darunter der Regionalverband Donau-Iller – und fünf Industrie- und Handelskammern – darunter die IHK Ulm und die IHK Schwaben. Die Initiative betreibt nicht nur Lobbyarbeit für die Bahnverbindung zwischen Paris und Bratislava beziehungsweise Budapest. Nach den Worten ihres Vorsitzenden Frank Mentrup ist der Ausbau der Verbindung auch „ein Friedens- und ein Europa-Projekt“. Um schlagkräftiger zu werden und um EU-Förderung zu erhalten, strebt die Initiative den Status eines Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) an.

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel