Eines wurde klar: Das Bahnprojekt Ulm-Augsburg steht noch ganz am Anfang. Es ist noch offen, ob Teile der 160 Jahre alten Strecke neu gebaut werden und wo die künftige Trasse verlaufen könnte. „Von uns gibt es keine Vorfestlegungen“, betonte Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Bayern, bei einer Auftaktveranstaltung am Donnerstag in Augsburg.

Die Ziele des Ausbaus stehen aber fest: Es soll mehr Kapazität für Fern- und Nahverkehr geschaffen und die Fahrtzeit verkürzt werden. Aktuell brauchen ICE-Züge zwischen Ulm und Augsburg rund 40 Minuten. „Wir wollen, wir müssen, auf 30 Minuten kommen“, sagte Josel. Damit soll der letzte Engpass auf der Strecke von Köln nach München geschlossen werden. Die angepeilte Fahrzeit: Drei Stunden und 49 Minuten. „Zwischen Ulm und Augsburg werden Züge zurzeit noch abgebremst. Wir arbeiten jetzt daran, dieses Nadelöhr aufzuweiten“, sagte Josel. Zumal die Strecke auch Teil der „Magistrale für Europa“ zwischen Paris und Budapest ist.

Deshalb wurde das Projekt im Bundesverkehrswegeplan 2030 in die Kategorie „Vordringlicher Bedarf“ eingestuft, hat also höchste Priorität. Die erste Kostenschätzung: rund 1,6 Milliarden Euro. Im Entwurf des Bundes ist folgendes vorgesehen: Zwischen Dinkelscherben und Augsburg sowie zwischen Neu-Ulm und Unterfahlheim soll ein drittes Gleis entstehen. Zwischen Unterfahlheim und Dinkelscherben ist von einem „Suchraum“ die Rede. Heißt: Es wäre auch eine Neubaustrecke möglich. Günzburg soll dabei Fernverkehrshalt bleiben.

In den vergangenen Wochen war schon intensiv über eine mögliche Bahntrasse entlang der Autobahn 8 diskutiert worden. Daran gibt es aber viel Kritik. Der CSU-Bezirksverband Schwaben positionierte sich klar dagegen. Es gehe um eine „realistische und zeitnahe Lösung“, wird Vorsitzender Markus Ferber in einer Mitteilung zitiert. Und das funktioniere nur mit einem Ausbau des Bestands, nicht mit einer Neubautrasse entlang der Autobahn. „Die Region kämpft für eine Ertüchtigung auf dem Bestand“, sagte auch der Augsburger Landrat Martin Sailer am Donnerstag. Zumal die ständige Diskussion über die Trasse lokale Projekte blockiere, wie Peter Högg, Bürgermeister von Diedorf (Landkreis Augsburg) ausführte. „Damit steht und fällt die Planung für unsere Umgehungsstraße.“

Der Bund hatte die Bahn-Tochter DB Netz mit der Planung des Strecken-Ausbaus beauftragt. Einen Zeitplan konnte das Unternehmen noch nicht nennen. „Wir stehen jetzt ganz am Anfang eines langwierigen Prozesses“, sagte Josel. Dazu wurde eine eigene Projektgruppe gegründet. Diese hat aktuell drei Mitarbeiter, künftig sollen es 20 sein, sagte Projektleiter Markus Baumann: „Wir sind gerade dabei, uns ein Büro in Augsburg zu suchen.“

Gespräche mit Bürgern

Die Bahn setzt dabei auf engen Kontakt zur Region. Im Frühjahr sollen Gespräche mit den Kommunen starten, auch Infoveranstaltungen für die Bürger sind geplant. „Wir wollen regelmäßig die Möglichkeit bieten, mit uns ins Gespräche zu kommen“, sagte Projektleiter Baumann.

Außerdem wird ein Koordinierungsrat mit Vertretern der ganzen Region ins Leben gerufen. Der Auftakt ist für das dritte Quartal 2019 vorgesehen. „Das finde ich klasse“, sagte der Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger. Er hoffe, dass dabei auch der Regio-S-Bahn-Verein Donau-Iller mitwirken kann. Freudenberger bezeichnete die Auftaktveranstaltung gestern als „wichtigen Meilenstein“. Der Landrat betonte: „Wir planen jetzt hoffentlich so wenige Jahre wie möglich, aber wir planen für Jahrzehnte.“

Der bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) wies darauf hin, wie wichtig auch die geplanten Verbesserungen im Nahverkehr sind. „Es muss ein Gewinn für die Region mit einhergehen“, sagte er. Schließlich tragen die Bewohner auch die Belastung des Umbaus. „Im Grundsatz geht es um ein Einvernehmen in der Region.“

Recht kurvig: So verläuft die Bahntrasse aktuell