Pünktlich um 19.11 Uhr eröffnete Sitzungspräsident Bernd Bitterle am Sonntag das Ordenskapitel der Oberelchinger Karnevalisten. Nur vier Minuten später erscholl erstmals der Narrenruf der „Greane Krapfa“ im vollbesetzten Saal des Konstantin-Vidal-Hauses. Als wenig später die United Dance Band den „Böhmischen Traum“ anstimmte, marschierte das neue Prinzenpaar in die „Krapfenburg“ ein, die Gesichter verborgen hinter goldenen Masken. Das Geheimnis wurde, wie stets, erst auf der Bühne gelüftet: Marion und Kurt Böhm aus Thalfingen sind die neuen Tollitäten, die Verena I. und Jens I. ablösen.

Erst vor zwei Wochen waren sie per SMS von der geplanten Inthronisation benachrichtigt worden. Er habe sofort zugestimmt, sagte der Speditions-Sachbearbeiter. Seine Frau Marion habe angesichts des Vorschlags zunächst etwas ungläubig gelacht – und erst mal nachdenken müssen.

Denn sie habe derzeit beruflich viel zu tun, erklärte die Friseurin: Marion Böhm übernimmt zum 1. Januar den Salon „Querschnitt“ in Oberelchingen.

In der Fastnacht war das Ehepaar selbst bisher nicht aktiv, aber oft im Publikum. Seine Tochter Laura (7) tanzt in der Kindergarde. Auch sie erfuhr erst bei der Inthronisation, dass ihre Mama und ihr Papa zum neuen Prinzenpaar gekürt worden waren – und fand’s gut.

Nachwuchssorgen haben Karnevalisten nicht, wie Präsidentin Melanie Beer betonte. Vor allem die Garden haben weiterhin Zulauf: Rund 90 Mädchen zwischen 3 und 27 Jahren tanzen in den vier Gruppen. Mini-, Kinder-, Junioren- und Prinzengarde sowie die Tanzmariechen Annika Herter und Annika Birner zeigten bei der Inthronisationsfeier ihre neuen Choreografien. Für alle Darbietungen gab’s viel Beifall und verdiente „Raketen“.

Der 11. 11. ist nicht nur ein karnevalistisches Datum, sondern auch Martinstag. Anlass für Büttenredner Achim Götz, im Einweg-Plastikumhang die Nöte eines zum Martinsumzug verdonnerten Vaters zu schildern. Der hat es gleich geahnt: „Im Lampion a echta Kerz, des isch a nostalgischer Ferz“. Und das endet, wie es enden muss: „Dr Lampion brennt, mei Tochter flennt.“

Andere Mitmarschierer verfolgen zu seinem Leidwesen ein Spiel des FC Bayern live am Handy, während es vom Himmel herab unaufhörlich nieselt: „Katholisch isch manchmal wirklich koin Spaß“ – insbesondere, wenn der Kampf um die „bachene Martinsgäns“ in eine Schlägerei ausartet. Seit 1976 steige Achim Götz Jahr für Jahr in die Bütt, sagte Bernd Bitterle.

Dass Fastnacht „kein Hobby, sondern Lebensaufgabe sei“, treffe auch auf Cordula Holl zu. Sie wurde zur 31. Trägerin des Ehrenordens „Krapfus Humorus Causa“ ernannt. Den Makel, dass sie nicht aus Oberelchingen stamme, habe sie durch ihre Heirat mit dem „Kanonen-Sepp“, dem Mitbegründer der Kanoniere, und als Marketenderin längst wettgemacht. An ihre Verdienste um die traditionsreiche Gruppe, deren Kostüme sie genäht habe, erinnerte Peter Dehm in seiner Laudatio. „Bei Holls isch die Fasnet drhoim“, sagte er.

Eine Ehrung der Bayerisch­-Schwäbischen Fastnachtsvereine wurde Katharina Bitterle zuteil. Seit 20 Jahren tanzt sie in den Garden, sie trainiert zurzeit die Juniorinnen und ist seit zwei Jahren Vizepräsidentin der Karnevalsgesellschaft. Wie gewohnt setzten die Blech Beat Gugga den ohrenbetäubenden Schlusspunkt, bevor es auf dem Klosterberg für einige Zeit wieder ruhig wurde – bis zum Start in die eigentliche Fastnachtssaison im neuen Jahr.