Asyl Asyl: Unterkünfte werden zurückgebaut

Der Freundeskreis Asyl in Elchingen – hier bei einem Fest im Sommer 2015 – gehört zu einem von 16 Helferkreisen im Landkreis Neu-Ulm.
Der Freundeskreis Asyl in Elchingen – hier bei einem Fest im Sommer 2015 – gehört zu einem von 16 Helferkreisen im Landkreis Neu-Ulm. © Foto: Barbara Hinzpeter
Kreis Neu-Ulm / Bianca Frieß 20.03.2018

Vor knapp drei Jahren kamen bis zu 70 Asylbewerber pro Woche im Landkreis Neu-Ulm an. Inzwischen sind es bei weitem nicht mehr so viele: Von September 2017 bis Anfang März 2018 verzeichnete der Kreis 130 Neuzugänge – also im Schnitt fünf pro Woche. Die Behörden reagieren auf die sinkenden Zahlen: Viele Unterkünfte werden nach und nach geschlossen. „In den Jahren 2016 und 2017 wurden insgesamt 20 Unterkünfte im ganzen Landkreis aufgelöst“, berichtet Theresa Hopfensitz, Leiterin des Geschäftsbereichs Bauen bei einem Pressegespräch zum Thema Asyl.

Alternative Nutzung

Dazu gehört auch der ehemalige Praktiker-Baumarkt in Neu-Ulm, der im Oktober 2017 zurückgegeben wurde – dort ist gar nie jemand eingezogen. „Es war trotzdem wichtig, ihn in der Hinterhand gehabt zu haben“, sagt Hopfensitz. Ebenso leer steht das alte Speichergebäude im Starkfeld in Neu-Ulm, dort läuft der Mietvertrag allerdings noch „über einen längeren Zeitraum“. Aktuell wird weiter nach einer alternativen Nutzung gesucht. „Inzwischen gibt es konkrete Interessenten“, sagt Landrat Thorsten Freudenberger. Das Gebäude könnte etwa für einen Beherbergungsbetrieb oder für Büroflächen genutzt werden, das obere Stockwerk biete sich auch als Atelier an.

Momentan verfügt der Landkreis noch über 43 Unterkünfte für Asylbewerber. Fünf davon werden aktuell zurückgebaut: zwei in Neu-Ulm, je eine in Vöhringen, Senden und Altenstadt. Insgesamt sollen 2018 elf Unterkünfte aufgelöst werden. „Das hängt auch davon ab, wie viel Zeit wir brauchen, um die Unterkünfte zurückzubauen“, sagt Hopfensitz.

Auch in Sachen Personal reagiert das Landratsamt auf die zurückgehenden Zahlen. In der „Hochphase“ wurden 25 neue Stellen beim Landratsamt geschaffen, berichtet Freudenberger: „Das konnten wir vereinzelt zurückfahren.“ Teilweise verschieben sich die Stellen auch: Waren vor ein paar Jahren die Baubehörden stark gefordert, ist jetzt in den Jobcentern mehr los. Zudem konnten zwei Stellen gestrichen werden, die als Notreserve für den Bereich Asyl im Stellenplan 2017 vorgehalten wurden.

Trotz der rückläufigen Zugangszahlen sind die „Herausforderungen für die Behörden nach wie vor sehr hoch“, sagt Freudenberger. Denn die Geflüchteten, die noch hier sind, suchen nun eine Wohnung, Arbeit oder eine Ausbildung. „Das Problem der Wohnungssuche ist ein ganz großes“, berichtet Karen Beth, Leiterin des Geschäftsbereichs Kommunales, Ausländer und Soziales. Im Landkreis gebe es sowieso zu wenig günstige Wohnungen, Flüchtlinge täten sich bei der Suche noch schwerer. „Das fängt bei der Sprache an.“

Helfen soll das Projekt Wohnungslotse, das Anfang März gestartet ist: Zwölf Ehrenamtliche werden zurzeit geschult. Sie sollen anderen später bei der Wohnungssuche helfen, das Mietverhältnis am Anfang begleiten. Gedacht ist das Angebot aber nicht nur für Flüchtlinge, betont Freudenberger: „Das richtet sich an alle Wohnungssuchenden.“

Die Schließung von Unterkünften und die damit verbundenen Umzüge stoßen oft nicht auf Gegenliebe bei den Geflüchteten: Sie möchten in der Nähe ihrer Arbeitsplätze oder ihrer Schule bleiben, oft hat sich auch schon ein Freundeskreis oder eine enge Beziehung zu einem Helferkreis gebildet. „Wir versuchen, das so gut wie möglich zu berücksichtigen – alles geht aber nicht“, sagt Beth. Ein weitere Schwierigkeit ist die Identitätsklärung der Geflüchteten. Die meisten seien ohne gültige Papiere angekommen, berichtet die Geschäftsbereichsleiterin. „Es gestaltet sich als sehr schwierig, Papiere vom Heimatland zu bekommen.“ Um eine Arbeit zu finden, muss man sich aber ausweisen können.

Bei all den Herausforderungen ist die Arbeit der Ehrenamtlichen unerlässlich. „Ohne sie würde das nicht gehen“, sagt Landrat Freudenberger. Aktuell gibt es im Kreis 16 Helferkreise – wobei es keine richtige Statistik gibt, Ehrenamtliche müssen sich ja nicht offiziell melden. Rund 250 Helfer hat Margarete Fischer, Ehrenamtskoordinatorin für den Asylbereich, in ihrem Mail-Verteiler. „De facto sind es mehr“, sagt sie. Insgesamt gehe die Zahl der Helfer aber zurück. „Die Frustration und Erschöpfung nimmt zu.“ Viele seien schon sehr lange dabei, ziehen sich nun zurück.

Rund 1000 Asylbewerber im Kreis Neu-Ulm

Asylbewerber Rund 830 Asylbewerber sind mit Stand zum 5. März in den Unterkünften des Landkreises Neu-Ulm untergebracht. Dazu kommen die Unterkünfte der Regierung, etwa Gemeinschaftsunterkünfte. Hier wohnen zurzeit rund 200 Menschen.

Arbeit Etwa 180 der Asylbewerber, deren Verfahren noch läuft, arbeiten aktuell oder machen eine Ausbildung. Sie bekommen deshalb keine oder weniger Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Auch diese Zahl lässt sich aber nur schwer bestimmen, sie ändert sich häufig.