Kunst Augenzwinkernder Humor und seelenvolle Ausdruckskraft

Revital Herzog war mit dem Programm „Der Wunderrabbi, der den Toten mit Wodka weckte“ zu Gast im Café Ikarus.
Revital Herzog war mit dem Programm „Der Wunderrabbi, der den Toten mit Wodka weckte“ zu Gast im Café Ikarus. © Foto: Sabine Herder
Buttenhausen / Sabine Herder 03.09.2017

Wohl dem, der vorausschauend Plätze reserviert hatte! Am Sonntagvormittag standen die Gäste vor dem Café Ikarus in Buttenhausen Schlange. Die Matinée mit der Musikerin, Märchen- und Geschichtenerzählerin Revital Herzog fand so großen Anklang, dass noch die Stühle von der Terrasse hineingeschafft werden mussten. Zum Tag der jüdischen Kultur unterhielt die Solo-Künstlerin dort mit dem heiteren Programm „Der Wunderrabbi, der den Toten mit Wodka weckte“.

Ein freundliches „Shalom“, ein hebräisches „Guten Morgen“ – die Enkelin eines persisch-jüdischen Märchenerzählers mit Mutter aus dem Iran und Vater aus Jugoslawien freute sich zur Begrüßung im Café Ikarus „total, dass ihr alle da seid“. Zum Tag der jüdischen Kultur wolle sie heute nur jüdische Geschichten erzählen, erklärte sie den Gästen vorab.

Ihr sonntägliches Programm umfasste neben humorvollen, lustigen und berühenden Anekdoten auch kleine Episoden und Erinnerungen aus dem eigenen Leben. Am Akkordeon ließ Revital Herzog dazu immer wieder schöne Klezmer-Melodien erklingen.

Witz und Wärme sprühen aus Herzogs Erzählkunst, augenzwinkernder Humor und seelenvolle Ausdruckskraft. Lebendig und charmant weiß die in Israel aufgewachsene und heute in Gönningen lebende Künstlerin ihre Geschichten zu erzählen. Ihr liebenswerter Akzent verleiht den Erzählungen dazu eine kleine, aber feine und sehr sympathische Prise fremder Kultur.

Zur jüdischen Lebenskultur, so ließ Revital Herzog am Sonntag ihre Zuhörer wissen, gehört auch, dass man sich über Katastrophen einfach hinweglacht. Selbst im Krankenhaus, so erinnert sie sich, erzählte ihr Vater dem Arzt täglich Witze und freute sich, wenn jener darüber lachte. Auch die Klezmer-Musik, voller Trauer und Freude zugleich, bringt davon etwas zum Ausdruck: Ekstatisch fast, denn „durch Ekstase kann man besser zu Gott kommen“.

Auch die eigene Unzulänglichkeit, erklärte Herzog, gibt den Juden immer wieder Anlass zum Lachen, wie die der „jiddischen Mame“, der Glucke, die für ihre Kinder alles steuert und plant. Für die Schönheit ihres Kindes gelobt, fragte daher die Mutter von Zwillingen ausdrücklich nach: „Welches Kind meinst Du? Den Arzt oder den Rechtsanwalt?“

Derart augenzwinkernd heiter sind aber nicht alle Geschichten. Es findet sich ebenso besinnlich Nachdenkliches in Revital Herzogs Erzählungen. Beispielsweise jene gleichnishafte Geschichte, in der aus Eiszapfen Kerzenschein und Wärme entstehen. Oder das Märchen, in welchem der Rabbi nicht mehr zur Synagoge geht, weil diese schon voll mit leeren Worten ist.

Man hört ihr gern zu, dieser charmanten und lebhaften Erzählerin, die zwischendurch so selbstvergessen Akkordeon spielt. Auch am Sonntag im Café Ikarus fesselte Revital Herzog das Publikum mit ihren pointenreichen und traditionellen Geschichten, die sie mit Klezmer-Melodien gekonnt umrahmte. Die kleine kulturelle Reise dauerte eine gute Stunde, die wie im Nu verstrich.

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