Bernd Wacker, Vorsitzender des Vorstandes der Bürgerstiftung, blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das vergangene Jahr zurück. Höhepunkt war dabei die Zustiftung durch den Kardiologen Dr. Dietmar Gann, der inzwischen in den Vereinigten Staaten arbeitet und der Stiftung in seiner Heimatstadt 10 000 Euro für das Stiftungsvermögen spendete. Zum zweiten Mal übrigens. „Außerdem wurde bei einigen Todesfällen dazu aufgerufen, anstatt von Blumen die Arbeit der Bürgerstiftung zu unterstützten“, sagt Wacker dankbar. Immerhin kamen so ebenfalls 800 Euro zusammen. Gesellschaftlicher Höhepunkt war dabei auch die „Küchenparty“ im Bischoffs, die der Bürgerstiftung nicht nur ein volles Haus, sondern auch Einnahmen in Höhe von fast 1500 Euro einbrachte.

Geld, das die Stiftung dringend benötigt, um ihrem eigentlichen Zweck nachzukommen: soziale und kulturelle Teilhabe in Bad Urach zu unterstützen. Zwar konnte die Bürgerstiftung in den vergangenen zwölf Jahren seit ihrer Gründung das Stiftungsvermögen von 50 000 Euro verdoppeln, doch „vom Kapitalstock fällt derzeit nichts ab“, wie Wacker sagt. Die Niedrigzinsphase macht der Stiftung zu schaffen. „Gott sei Dank müssen wir als Stiftung keine Negativzinsen zahlen“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Zwei Vereine und ein Schulprojekt erhalten in diesem Jahr eine Zuwendung: Die Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule erhält 800 Euro für ihre Bläserklasse, die Grundschülern aus der dritten und vierten Klasse ermöglicht, selbst Musik zu machen und ein Instrument zu erlernen. Der Posaunenchor und der Musikverein Bad Urach zählen dabei zu den Kooperationspartnern und unterstützen das Projekt finanziell und ideell, wie Musiklehrer Steffen Hummel erzählt. Mit der Spende sollen sozial schwache Familien unterstützt werden, die sich die Gebühren für die Projektklasse sonst kaum leisten könnten. Finanziert wird damit etwa das Ausleihen der Musikinstrumente und der Zusatzunterricht, der getrennt für die verschiedenen Instrumente an der Musikschule Bad Urach stattfindet. „In Vier-Augen-Gesprächen sagen viele Eltern, dass sie sich das Angebot zum vollen Preis nicht leisten könnten“, berichtet Hummel. Wohlgemerkt: Es geht dabei um 34 Euro monatlich. Und doch um so viel mehr: „Viele Kinder bekommen erst in der Bläserklasse einen richtigen Zugang zur Musik.“

Mit 1000 Euro wurde der FV Bad Urach bedacht. „Der Spielbetrieb mit sechs Jugend- und zwei Aktivenmannschaften  sorgt stets für eine nicht unerhebliche Herausforderung“, erklärte der zweite Vorsitzende, Martin Lorenz. Auch der FVBU, bei dem in den Jugendmannschaften rund 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund aufweisen, hat beobachtet, dass es für Eltern nicht leicht ist, die Ausstattung der Kinder zu finanzieren. „Wir versuchen daher, Trikots und andere Dinge ohne einen Elternanteil zu finanzieren“, erklärte Lorenz. Ziel sei dabei auch, das „Wir-Gefühl“ zu stärken.

Über 200 Euro darf sich der Interkulturelle Freundschaftsverein freuen, der vor 30 Jahren als deutsch-türkischer Freundschaftsverein gegründet wurde. Die 20 Mitglieder organisieren immer wieder Ausflüge, an denen auch Nichtmitglieder teilnehmen können. Außerdem lädt der Verein immer wieder zu einer „interkulturellen Küche“ ein – die übrigens an diesem Sonntag, 18. November, im Forum 22 stattfindet. Beginn ist um 17 Uhr. Dann gibt es einen Bildervortrag zu Tansania, ehe um 18 Uhr Köstlichkeiten aus aller Welt probiert werden können. Im Dezember ist eine Dampfzugfahrt auf der Alb geplant. Mit der Spende der Bürgerstiftung soll diese Fahrt für Familien möglichst kostengünstig angeboten werden.

Dietmar Schrade, stellvertretender Bad Uracher Bürgermeister, dankte der Stiftung und allen Spendern. „Die Bürgerstiftung leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung kultureller und sozialer Grundwerte in unserer Stadt“, sagte Schade.