Sie singen, was ihnen ganz persönlich gut gefällt und treffen damit auch voll den Geschmack des Publikums: „lesRoulettes“ begeisterten im Kursaal rund 220 Zuhörer mit ihrem ganz eigenen Mix aus bekannten Songs, selten Gehörtem und Liedern von Bands, die (noch) kaum jemand kennt.

Berührende Lieder

Spätestens seit Freitag haben die Originale wie die deutsche Singer-Songwriterin Mine, die US-Sängerinnen von „Rising Appalachia“ oder das Frauen-Folk-Trio „Habanot Nechama“ aus Israel sicherlich ein paar Fans mehr. Und die fünf „lesRoulettes“-Sängerinnen erst recht: Die sorgten bei ihrem Kulturach-Konzert für Gänsehaut-Feeling mit ihren berührenden Liedern, aber auch heiter-lustige Momente kamen nicht zu kurz.

Vor neun Jahren traten die Musikerinnen beim „Fünfjährigen“ von Kulturach erstmals in der Öffentlichkeit auf, eine halbe Stunde dauerte ihr Kurz-Konzert. Mehr gab das Repertoire damals kurz nach ihrer Gründung noch nicht her – doch die Premiere ließ aufhorchen, das Publikum war mehr als angetan von dem ganz speziellen Sound und der ungewöhnlichen Besetzung unter anderem mit Akkordeon (Ursula Hauke) und dem von Irmi Hipp-Kiefer gespielten Kontrabass. Den Gitarren-Sound liefert Christine Schnee-Hofer, am Cajon sitzt Fulya Tavman-Kurz und Martina Weber setzt als Sängerin Akzente. Das ermöglicht ganz spezielle Arrangements und damit einen ganz eigenen „lesRoulettes“-Sound, der geprägt ist von mehrstimmigem Gesang und dem Einsatz unzähliger Percussion-Instrumente.

Die fünf Frauen haben Lust auf Musik abseits vom SWR3-Dauergedudel, sie graben musikalische Schätze aus und setzten sie gemeinsam um: Teamwork, das Spaß macht und auch so eins zu eins beim Publikum ankommt. Das zollt den Amateur-Musikerinnen allergrößten Respekt für ihre Kreativität und den Mut, musikalisch andere Wege als üblich zu gehen mit ganz speziellen Songs von ganz besonderen Künstlern. Zwischen Carmen Consoli und Simona Molinari, Dota Kehr und Kroke tauchen aber auch vertraute Namen auf, wird bei Paolo Contes „Via con me“ mitgesummt, animiert Max Mutzkes „Can’t wait until tonight“ zum Mitsingen und „Blackbird“ von den „Beatles“ erst recht. Selbst an einen Song der Grammy-Abräumerin Camila Cabello wagen sich die Fünf mit „Havana“ – sie brauchen den Vergleich mit dem Original nicht scheuen.

Das Repertoire vielseitig wie die Sprachen: Martina Weber singt auf Deutsch, Englisch und Französisch. Kein Wunder, dass am Ende dieses mutigen und doch ausgewogenen Programms mit vielen Höhepunkten die lautstarke Forderung nach Zugaben folgte. Und dann kamen sie auch noch, die vom Stammpublikum erhofften „lesRoulettes“-Klassiker: „Ich will dance“ von „Katzenjammer“ sowie die Zaz-Songs „Les Passant“ und „Je veux“ markierten das Ende eines eindrucksvollen Konzertes.

Ruhiger und damit passend in die Weihnachtszeit geht die Kulturach-Veranstaltungsreihe am Freitag, 14. Dezember weiter: In der Stadtbücherei laden Volker Luft (Gitarre) und Rezitator Rudi Korbel ab 20 Uhr zu einer literarisch-musikalischen Zeitreise in die Renaissance rund um Francis Villon ein.