Urteil in Reutlingen Vergewaltigung: Lange Haftstrafe für Pferdehofbetreiber

Heute Mittag soll das Urteil vor dem Reutlinger Amtsgericht verkündet werden.
Heute Mittag soll das Urteil vor dem Reutlinger Amtsgericht verkündet werden. © Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / Alexander Thomys 15.01.2019
In Reutlingen ist am Dienstag das Urteil im Verfahren gegen einen Pferdehofbetreiber aus der Region gesprochen worden. Er hat eine 16-Jährige vergewaltigt.

Die Beweisaufnahme ist geschlossen: Heute wurde das Urteil im Verfahren gegen einen Pferdehofbetreiber aus der Region gesprochen, der eine 16-Jährige vergewaltigt hat: Der Angeklagte wurde wegen Vergewaltigung zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Nur begrenzt Licht ins Dunkel gebracht

Richter Eberhard Hausch dürfte erleichtert gewesen sein, als er am heutigen Vormittag die Beweisaufnahme in den langwierigen Prozess geschlossen hatte. „Je länger wir vehandeln, desto mehr Menschen melden sich bei der Polizei“, sagte Hausch hierzu. Vor allem die mediale Berichterstattung habe immer wieder neue Zeugen motiviert, sich bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft zu melden.Am heutigen Vormittag wurden daher weitere Zeugen gehört, die allerdings nur begrenzt Licht ins Dunkel des Falles bringen konnten.

Ein Mann etwa, der selbst als Einsteller auf dem Pferdehof des Angeklagten seine Freizeit verbrachte, schilderte, ein gutes Verhältnis zu dem 46-jährigen Beschuldigten zu haben. In Gesprächen mit ihm habe er sich zu dem Vorwurf der Vergewaltigung geäußert, aber immer wieder andere Versionen der Geschehnisse erzählt. „Erst sagt er, er habe das Mädchen nur mit dem Auto nach Hause gefahren. Dann war plötzlich von einer Berührung am Schenkel die Rede“, erklärte der Zeuge. Später habe der Angeklagte ihm gegenüber geäußert, es wäre ja nichts dabei, wenn es zu einvernehmlichen Kontakten gekommen wäre. Vor Gericht schien der Zeuge allerdings deutlich zurückhaltender als bei der Vernehmung bei der Kriminalpolizei. Erst auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft gab der Mann zu Protokoll, dass der Angeklagte das mutmaßliche Opfer als „leichtes Mädchen“ bezeichnet habe.

Gelegenheit genutzt

Als eine weitere Zeugin trat eine 47-Jährige auf, deren Töchter einstmals auf dem Reiterhof Reitstunden genommen hatten. Im Jahr 2010 sei es dabei ihr gegenüber zu einem Übergriff des Angeklagten gekommen. „Er hat die Gelegenheit genutzt, mir zwischen die Beine zu fassen“, erklärte die Zeugin. Sie habe ihn daraufhin zurückgewiesen: „Als Antwort hat er nur gelächelt.“ Für sie sei die Angelegenheit damit erledigt gewesen, ihre Kinder ließ die Zeugin zu einer Reitschule nach Wannweil wechseln. Erst durch die Berichterstattung in der Zeitung sei die Frau auf den Fall aufmerksam geworden. „Daraufhin habe ich mich gemeldet“, sagte die Zeugin, die zuvor mit niemandem über den Vorfall gesprochen haben will.

Nach der Schließung der Beweisaufnahme wurde das Verfahren nichtöffentlich mit den Plädoyers von Staatsanwältin Rotraud Hölscher und den Verteidigern Thomas Rogge und Thorsten Zebisch fortgesetzt, auch das letzte Wort des Angeklagten fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Diese Regelung griff, da zuvor auch das mutmaßliche Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte.

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