Nersingen Wie Schreikinder zur Ruhe kommen

Pädagogin Claudia Schreiber erklärte Betroffenen in einem Vortrag, wie sie Schreikinder beruhigen können.
Pädagogin Claudia Schreiber erklärte Betroffenen in einem Vortrag, wie sie Schreikinder beruhigen können. © Foto: Thomas Vogel
Nersingen / Thomas Vogel 12.10.2018

Babys, die in der Nacht  ständig aufwachen. Schweißgebadet, zappelnd, brüllend, tobend. Die dann auch nicht mehr zu beruhigen sind. Kleinkinder, die zur Bettgehzeit einfach nicht zur Ruhe kommen. Die keine Nacht durchschlafen. Und auf der anderen Seite Mütter und Väter, die am Ende ihrer Kräfte sind, ratlos und „fix und fertig“, wie es eine Betroffene in dieser Runde mit der Elternberaterin Claudia Schreiber formulierte. „Ratlos“ blieb gewiss niemand zurück nach diesem von der VHS-Elternschule organisierten Vortrag in Nersingen mit der erfahrenen Pädagogin. Sie schilderte darin in sehr anschaulicher Form ein Bündel an Möglichkeiten, die zur Entspannung der oft nervenzehrenden Situation beitragen könnten.

Jeder der von Eltern oder Großeltern geschilderten Fälle hatte so seine Besonderheiten. Da ist etwa die Familie, in welcher der Vater häufig auf Geschäftsreisen ist und sich das Kind bei jeder Gelegenheit an die Mutter klammert – ein Ausdruck von „Verlustängsten“. In einem anderen Fall könnte das Kind in der mit drei Jahren völlig normalen „magischen Phase“ stecken, in der es in Gegenständen Bedrohungen imaginiert.

In einem weiteren hielt es Schreiber für ratsam, einen Osteopathen zu kontaktieren wegen möglicher „Blockaden in Wirbelsäule oder Darm“.

Weitaus häufiger aber könnten die Eltern selbst zur Entspannung der Situation beitragen. Neugeborene fühlten sich anfangs völlig hilflos: „Sie brauchen Hülle, Schutz, Begrenzung. Denn sie vermissen diese Höhle.“ Aber es bleibe ja die Möglichkeit, diese Situation im Bettchen nachzubauen, mit einem „Himmel“,  einem Schlafsack, einer Wärmflasche. Bei ganz Kleinen könne der Trick aus einem beigelegten Textil „mit Mama-Geruch“ bestehen. Dabei ist jedoch nicht jedes Teil geeignet (siehe Infokasten).

Ein weiterer Tipp lautete, den Tagesablauf zu überprüfen, „das Programm runterzufahren“, das Kind weniger Reizen auszusetzen. Denn selbst Babys „nehmen schon wahnsinnig viel auf“, so Schreiber. Auch die Unruhe ihrer Eltern. „Bleiben Sie daher immer ruhig, damit ihr Kind ihre Ruhe abgreifen kann.“ Nächtliche Unruhe stehe häufig in direktem Zusammenhang mit der Verarbeitung des zuvor Erlebten.

Im zweiten Lebensjahr schlage die „Bedürfnis-“ allmählich in die „Wunschorientierung“ um, sagte die Pädagogin. Durchaus sei es möglich, „nun auch mal Nein zu sagen“. Ratsam sei es, dabei „immer die gleichen Worte zu wählen“, denn das vermittle Sicherheit. Und: „Lassen Sie es nicht allein, wenn es schreit. Bilden Sie Rituale aus.“

Der gut zwei Stunden lange Vortrag spiegelte sich schließlich in mannigfachen Vorsätzen der Eltern. Weil das Abendessen „wie Doping“ (Schreiber) wirken kann, will es Claudia Schmied künftig vorziehen. „Vorgelesen wird künftig auf dem Sofa“, das Bett solle nur noch zum Schlafen da sein. Stefanie Luible will die abendlichen Hörspiele zugunsten von „Reden und Zuhören“ streichen, bei Patricia und Ulrich Schiedewitz will der Papa künftig eine aktivere Rolle einnehmen. Als „guten Erfahrungsaustausch“ bilanzierte das Paar den Abend. Sie gingen mit dem Gefühl nach Hause, „nicht alles verkehrt zu machen, aber Optimierungsbedarf zu haben“. Und dann bleibt ja noch ein Trost, den Schreiber so formulierte: „Es ist alles nur eine Phase, es geht vorbei.“

Keine Kuscheldecken, keine Stofftiere

Risiken Um die Gefahr eines plötzlichen Kindstods zu reduzieren, raten Kinderärzte keinesfalls das Bettchen mit weichen oder aufgeplusterten Materialien in ein Nest zu verwandeln, in denen das Baby mit dem Gesicht versinken kann oder die einen Wärmestau verursachen könnten. Das gilt auch für Decken und Stofftiere. cze

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