Von Franz Glogger

Rechteckig, darauf ein flach geneigtes Dach. Diese praktische Bauweise für einen großen Kindergarten war einmal. Zumindest gilt das für die neue Einrichtung, die im Illerkirchberger Teilort Unterkirchberg entstehen soll. Der Entwurf für den fünfgruppigen Kindergarten – zwei Krippen, drei Ü3-Gruppen – war in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag zum ersten Mal öffentlich zu sehen.

Das Büro von Theo Härtner und Kazu Ito aus Stuttgart, die das Verfahren nach der Vergabeordnung (VgV) für öffentliche Aufträge für sich entschieden haben (siehe Info), verfolgt einen neuen, ganz anderen Lösungsansatz. Nach diesem wird der auf dem Festplatz bei der Gemeindehalle geplante Kindergarten wie eine kleine Reihenhaussiedlung erscheinen. Vier Häuser mit jeweils zwei Etagen und flach geneigtem Dach sind aneinandergefügt. Hervorzuheben ist die massive Holzbauweise. Auch bei den Fassaden wird Holz als Verschalung eingesetzt. Für den Neubau stehen Kosten von rund fünf Millionen Euro im Raum.

Das I-Tüpfelchen ist ein Grasdach. Zusammen mit der Massivholzkonstruktion ergebe sich eine hohe energetische Speichermasse, erläuterte Theo Härtner auf Nachfrage. So wird im Winter die Kälte draußen gehalten und die Wärme bleibt im Gebäude, während im Sommer die Räume nicht überhitzen. Erschlossen wird die gesamte Einheit über das Haus zwei. Entsprechend ist das Erdgeschoss fürs „Ankommen“ einschließlich einer „Matschschleuse“ reserviert.

Im Außenbereich befinden sich Elemente wie Matsch- und Wasserbereich und eine überdeckte Terrasse in der Übergangszeit für die Kleinsten. Für die Großen gibt es die Erlebnisbereiche Klettern, Fahren, Hüttendorf. Das Gelände soll so konzipiert werden, dass es von einem Punkt aus zu überblicken ist.

Andrea Kosten von der Ulmer Projektmanagement-Gesellschaft NPS, die das Verfahren durchgeführt hat, wies in der Sitzung darauf hin, dass die vorgestellten Pläne lediglich den geforderten „Lösungsansatz“ darstellen. Nachdem Härtner/Ito aus dem Verfahren mit der höchsten Punktzahl hervorgegangen sind, stünden die Architekten und das Grundkonzept fest. Das, wenn auch nicht zu erwarten, könnte sich ändern, wenn die beiden Mitbewerber in den nächsten zehn Tagen erfolgreich Widerspruch einlegen. Erst nach dieser Frist könne die Gemeinde einen Planungsvertrag abschließen.

Weiter verbiete sich eine öffentliche Diskussion über die ausgeschiedenen Alternativen. Das würde einen Verfahrensbruch bedeuten, und „wir können von vorn anfangen“, ergänzte Bürgermeister Anton Bertele. Somit übertrug der Gemeinderat die Planung formell dem Stuttgarter Büro. Die Entscheidung erfolgte einstimmig.

Punktsieger bekommt den Auftrag

Wettbewerb Ist bei öffentlichen Aufträgen ein Architektenhonorar über dem „Schwellenwert“ von 221 000 Euro zu erwarten, muss nach der Vergabeverordnung des Bundes ein EU-weiter Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben werden. Die Beauftragung erfolgt aufgrund von möglichst objektiven Bewertungskriterien wie Lösungsansatz, fachliche Qualifikation und Methode der Projektabwicklung. Wer die meisten Punkte erreicht, hat ein Anrecht auf den Auftrag.