Sießen im Wald / LISA MARIA SPORRER  Uhr

„Jetzt denke ich: Oje, ich bin verstrahlt“, sagte ein Besucher nach dem Vortrag von Physikprofessor Klaus Buchner aus München in Hörenhausen. Dort soll bald ein Mobilfunkmast in Betrieb gehen. Gegen den Standort an der Schule hatte sich eine Initiative gebildet, die mit dem BUND Schwendi und dem ÖDP-Kreisverband Biberach den Experten eingeladen hatte. Was der sagte, war besorgniserregend: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Tinnitus oder Gedächtnisstörungen seien nur erste Beschwerden, die bei übermäßiger Bestrahlung von Funkmasten auftreten könnten, sagte Buchner, der für die ÖPD im EU-Parlament sitzt.

Funkstrahlen erhöhten die Anzahl freier Radikale in den Zellen und griffen damit die Erbsubstanz im Körper an. „Sogar Apple sichert sich bereits juristisch ab, indem das Unternehmen im Kleingedruckten darauf hinweist, dass seine Geräte Krebs erzeugen können“, sagte Buchner. Während in Ländern wie Frankreich und Italien Folgen von Strahlung bereits in Verfahren gerichtlich anerkannt würden, werde hierzulande noch über die Gefahr der Strahlung gestritten. Studien auf landwirtschaftlichen Betrieben mit benachbarten Funkmasten hätten bereits ein eindeutig negatives Bild ergeben. Der Europarat hat einen Grenzwert von 100 Mikrowatt pro Quadratmeter vorgeschlagen. Das ist ein Hunderttausendstel des in Deutschland gültigen Grenzwertes.

„Allerdings kommt die Diskussion hier in Hörenhausen zu spät, weil der Funkmast bereits steht“, sagte Buchner. Da könne man nur privat vorbeugen, etwa Kopfhörer beim Handytelefonieren nutzen, nicht im Auto telefonieren und nachts das Wlan ausschalten. „Ganz wichtig: Kein Bluetooth verwenden.“ Der Vortrag, resümierte auch Josef Thanner, Mitglied der Sießener Initiative, „ist harte Kost“. Konkrete Schritte sind aber noch nicht geplant. Bürgermeister Günther Karremann blieb dem Infoabend fern. „Wenn eine Antenne TÜV hat, ist sie aus meiner Sicht genehmigungsfähig, auch an diesem Standort“, hatte er in der Diskussion erklärt. Das sah die Initiative anders. Ihre Mitglieder kritisieren, dass der Beschluss für den Mast im Ortschafts- und Gemeinderat der Öffentlichkeit nicht angemessen transparent gemacht wurde. Die Sießener Initiative will eine Standortverlegung durchsetzen. Dafür schlägt sie einen Platz am Wald vor, 500 Meter entfernt vom Schulhaus.