Umwelt Solarpark Berghülen offiziell eröffnet

Interessierte konnten sich am Sonntag bei Führungen über den Solarpark Berghülen informieren. Umweltschutz wurde beim Bau großgeschrieben.
Interessierte konnten sich am Sonntag bei Führungen über den Solarpark Berghülen informieren. Umweltschutz wurde beim Bau großgeschrieben. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Bühlenhausen / Sabine Graser-Kühnle 04.07.2017
Gegen die Berghüler Anlage gab es heftigen Widerstand. Bei der Einweihung wurde sie in den höchsten Tönen als umweltfreundlich und beispielhaft gelobt.

Am Sonntag ist der Solarpark Berghülen offiziell eröffnet worden. Mit Umweltstaatssekretär Andre Baumann kam auch Politprominenz zur Einweihung des Parks mit einer Leistung von
2,57 Megawatt. Baumann lobte insbesondere die Kooperation zwischen dem Anlagenbauer ENBW, der Landesstiftung Energie & Klimaschutz sowie den beiden örtlichen Bündnissen BUND und Nabu. Somit wären Klimaschutz, Naturschutz und biologische Vielfalt miteinander großartig umgesetzt worden, sagte Baumann.

Bei der Anlage ging man weit über die gesetzlichen Anforderungen zum Naturschutz hinaus: Nistkästen für Feldsperlinge wurden aufgestellt, auch Fledermäusen stehen Nisthilfen zur Verfügung und selbst die früher auf dem Areal beheimateten Eidechsen will man wieder zurückholen. 155 Steine und 15 Tonnen Sand für Hügel zur Eiablage der  Eidechsen hätten die Mitglieder der örtlichen Bündnisse dafür ins Areal des Solarparks geschleppt, berichtete Konrad Schwarzenbolz vom BUND. Obendrein wird die Wiese von Schafen beweidet. Die Wiesen werden der ENBW zufolge an einen örtlichen Landwirt und einen aus der nahen Region verpachtet.

Diese „naturschutzoptimierte Solaranlage“ sei einzigartig im Land, meinte Baumann und sparte nicht mit Lob: „Berg­hülen ist Vorbild, ein leuchtendes Beispiel, dem hoffentlich viele andere Städte und Gemeinden folgen.“ Schwarzenbolz berichtet: „Damit es soweit kommen konnte, bedurfte es vier Begehungen vor Ort und Terminen in der Stiftung in Stuttgart mit BUND und Nabu.“ Das Umweltministerium wird den Bühlenhausener Solarpark als naturschutzoptimierte Anlage in einer Broschüre dokumentieren. Die ENBW bietet Führungen im Solarpark sowie in ihrem benachbarten Berghüler Windpark an. Über die Kosten schwiegen sich sämtliche Redner aus. Auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE räumte Holger Schäfer von der Landesstiftung ein, einen fünfstelligen Betrag eingebracht zu haben. „Wir haben alles finanziert, was über den gesetzlich verordneten Rahmen zum Umwelt- und Naturschutz bei solchen Anlagen hinausgeht.“ Auch für andere Kommunen sei ein solches Projekt sicher interessant, denn die Kosten wurden im Rahmen gehalten: „Das umzusetzen ist durchaus finanzierbar“, sagte er.

Heftiger Widerstand

Zu dieser Kooperation hat sich die ENBW auch deshalb entschieden, weil ihr und der Gemeinde Berghülen heftiger Widerstand entgegen gesetzt worden ist. „Das war das erste Mal, dass jemand gegen eine solche Anlage von uns war“, erklärte Franc Schütz von ENBW. Er hob vor allem die „tolle Unterstützung“ durch Schwarzenbolz hervor. Die Bürger mit ins Boot zu nehmen, sie zu beteiligen, schaffe Akzeptanz. Daher strebe die ENBW eine Aufnahme des Solarparks in die Bürgerenergiegenossenschaft Berghülen an. Hier stehe eine Entscheidung des Gemeinderats, der ein solches Ansinnen schon einmal abgelehnt habe, noch aus, sagte Bürgermeister Bernd Mangold dazu.

Stiftungssprecher Holger Schäfer fügte hinzu, dass sich eine solche Anlage immer lohnen würde, selbst wenn wie am Sonntag keine Sonne scheine. Und der Staatssekretär hob die Vorteile eines Solarparks für den Klima- und Umweltschutz hervor: „Wir streben einen Zuwachs solcher Anlagen von 100 Megawatt pro  Jahr an, dazu wird zusätzliche Fläche von 150 Hektar in Baden-Württemberg verbraucht.“

Gutes am Widerstand

Mangold warf einen Blick zurück zu den Anfängen: „Der Weg bis zur heutigen Einweihung war nicht immer einfach.“ Er verwies auf den nicht einstimmigen Beschluss des Gemeinderats sowie die Widerstandsbewegung und deren Aktivitäten, die auch gegen ihn persönlich vielfach weit unter der Gürtellinie angesiedelt gewesen seien. Nur wenige dieser Gegner kamen zur Einweihung. Gemeinderat Martin Kast, der sich gegen die Anlage ausgesprochen hatte, meinte Gutes am Widerstand erkennen zu können: „Ich glaube, diesem Widerstand haben wir es zu verdanken, dass diese Vereinigung von Erneuerbarer Energie und Natur- und Artenschutz möglich geworden ist.“

Für Berghülen lohne sich der Solarpark mehrfach, wie Mangold ausführte: Zum einen erhält die Gemeinde eine Pacht für die eigene Fläche, die „deutlich über den landwirtschaftlichen Preisen“ liege, obendrein werde das Gelände, einst eine Müllkippe, ökologisch aufgewertet. Mit Stolz listete er die Anlagen regenerativer Energien auf, aus deren Stromproduktion sich Berghülen komplett autark versorgen könne. Das griff auch Franc Schütz auf: „Berghülen spielt in Sachen eigene nachhaltige Energieversorgung eine Vorreiterrolle.“

Zahlen, Daten, Fakten

Die Freiflächenanlage ist 3,2 Hektar groß. Es wird mit einem Ertrag von drei Millionen Kilowattstunden im Jahr gerechnet, was der Stromversorgung von rund 850 Haushalten entspricht. Die Co2-Einsparung beträgt rund 2,1 Tonnen jährlich. Für die Modulstelen wurden 160 Tonnen Stahl verbaut. Die Anlage kann nach der geplanten Laufzeit von 25 Jahren komplett zurückgebaut werden. sgk

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