Warum? Diese Frage kann der vorläufige Insolvenzverwalter der Dietenheimer Metallgießerei Scherb derzeit noch nicht beantworten. „Das Verfahren ist noch sehr jung, und wir werden uns im Lauf des Verfahrens anschauen, welche Gründe es gibt“, sagt Prof. Martin Hörmann aus Ulm. Gemeinsam mit der Geschäftsführung, die für unsere Zeitung seit Montag noch nicht erreichbar war, hat Hörmann direkt nach der Einreichung der Akten am 8. März beim Insolvenzgericht die Mitarbeiter darüber informiert, dass das Traditionsunternehmen einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt hat. Auch in der vergangenen Woche seien die Mitarbeiter noch einmal informiert worden. „Ich hatte einen sehr positiven Eindruck von den Mitarbeitern, die teils schon sehr lange im Unternehmen sind“, sagt Hörmann. Einen Betriebsrat gebe es allerdings nicht.

Metallgießerbranche unter Druck

Dass die Branche unter internationalem Konkurrenzdruck stehe und mehrere Gießereien ihre Pforten in jüngerer Zeit schließen mussten, sei kein Geheimnis, sagt der Anwalt. Auf Nachfrage informiert Max Schumacher, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Gießerei-Industrie, dass bei denjenigen Gießereien, die Teile an die Automobilindustrie verkaufen, zuletzt ein Absatzrückgang zu spüren war. „Dies war im November und Dezember besonders der neuen Abgasnorm geschuldet.“ Die Automobilhersteller hätten starke Rückgänge in Kauf nehmen müssen, und dies spürten natürlich auch die Zulieferer.

Auch die Karl Scherb GmbH ist als Zulieferer für die Automobilbranche tätig, bedient nach eigenen Angaben allerdings auch andere Branchen (siehe Infobox). Schumacher zufolge ist der Dietenheimer Betrieb mit seinen 96 Mitarbeitern in einer durchschnittlichen Größenordnung anzusiedeln.

Ziel ist es, einen Käufer zu finden

In der Königstraße 122 sind derzeit Mitarbeiter von Hörmanns Rechtsanwaltskanzlei tätig, um die Geschäftsführung der Firma Scherb zu kontrollieren und zu unterstützen. „Das Insolvenzverfahren wird voraussichtlich Ende April/Anfang Mai eröffnet. Wir verschaffen uns derzeit einen Überblick, was man mit dem Unternehmen machen kann, und wir führen die Geschäfte“, sagt Hörmann. Kunden und Lieferanten seien informiert, sodass weiterhin Aufträge ausgeführt werden. „Jetzt ist das Ziel und die Marschrichtung, einen Käufer zu finden und die Geschäfte fortzuführen.“ Die Anwälte hätten bereits mit der Agentur für Arbeit Kontakt aufgenommen, sodass die Auszahlung der Gehälter über eine Vorfinanzierung für die Mitarbeiter bereits gesichert sei, bevor das Insolvenzgeld fließt.

Bürgermeister Christopher Eh hat die erneute Insolvenzanmeldung – nach der Firma Räuchle im Dezember – in Dietenheim mit Sorge zur Kenntnis genommen: „Tragisch, dass innerhalb kürzester Zeit eine zweite Dietenheimer Traditionsfirma Insolvenz anmelden muss“, kommentiert das Stadtoberhaupt. „Auch in diesem Fall sind unsere Gedanken vor allem bei den Arbeitnehmern, die sich jetzt einer ungewissen Zukunft gegenüber sehen und sich um die Existenz ihrer Familien sorgen.“ Christopher Eh hofft, dass die Unternehmensleitung alle Möglichkeiten und Ressourcen ausschöpfen wird, um die Firma zu retten und „möglichst viele Arbeitsplätze hier bei uns in Dietenheim zu erhalten“.

Auf Anfrage bei der IG Metall gibt es für die Arbeitnehmer der Firma Scherb, die in der Gewerkschaft organisiert sind, mangels eines Betriebsrats nur die Möglichkeit für Einzelberatungen.

Das könnte dich auch interessieren:

Firma mit mehr als 60-jähriger Geschichte


Gründung: Karl Scherb, gelernter Metallformer und Gießer, hat die Metallgießerei Scherb 1948 gegründet. Mit seiner Sand- und Kokillengießerei für Aluminium und Bronze wurde er „zum wichtigen Partner für zahlreiche Kunden aus verschiedenen Branchen“, heißt es auf der Firmen-Homepage. Heute sei die Metallgießerei Scherb spezialisiert auf die Verarbeitung von Aluminium im Druck- und Sandgussverfahren „und auf alles, was damit zusammenhängt“. Als Branchen, für welche Scherb Produkte liefert, werden Automobil- und Textilindustrie sowie Heizsysteme, Maschinenbau, Medizintechnik, Antriebs- und Steuerungstechnik und Elektroniksysteme genannt. Für die Automobilbranche werden beispielsweise extrem belastbare Gehäuse für Zahnräder, Schwungräder und Achsen aus Aluminium gefertigt. „Wir sehen uns als ausgelagerte Forschungs- und Entwicklungsabteilung“, heißt es an anderer Stelle auf der Firmenhomepage.