Petra Laible Das Großprojekt Regio-S-Bahn Donau-Iller bewegt –  Uwe Lahl vom Verkehrsministerium äußert sich zu Kritik und zum Fortgang in der Region. Amstetten etwa soll wieder einen IRE-Halt bekommen.

Fährt die Donaubahn bis Riedlingen? Wann ist der neue Bahnhof in Blaubeuren in Betrieb?  Drängende Fragen zur Regio-S-Bahn Donau-Iller beantwortet Uwe Lahl vom Verkehrsministerium in Stuttgart.

Sie sagen, das Land betreut die Regio-S-Bahn Donau-Iller  intensiv – im Kreistag Alb-Donau wurde der Stillstand kritisiert.  Was stimmt?

Uwe Lahl: In diesem Projekt ist bereits eine Menge Vorarbeit geleistet worden, darin stecken mehrere Jahre gemeinsame Arbeit. Der entscheidende Termin war für mich der Abschluss der Kooperationsvereinbarung Ende 2017. Spätestens seitdem gibt es einen sehr regelmäßigen Austausch zwischen Land und Region zu diesem Thema. Natürlich dauern Schienenprojekte oft zu lange. Die Zeit lässt sich verkürzen, wenn alle Beteiligten ordentlich zusammenarbeiten, die Kräfte für ein solches Vorhaben bündeln und Kompromisse suchen. Streit und Vorhaltungen bremsen Projekte aus.

Regio-S-Bahn Donau-Iller Kreisräte kritisieren Stillstand

Wie geht es mit der Regio-S-Bahn Donau-Iller voran? Im Kreistag gab es Kritik am schleppenden Tempo.

Landrat Heiner Scheffold bemängelt, dass technische Grundsatzfragen nicht geklärt sind. Stimmt das?

Wir hatten unter meiner Leitung mit den Beteiligten mehrere Gespräche zu dem Thema und einen sehr konstruktiven Workshop Anfang März, in dem offene Fragen geklärt werden konnten. Daher trifft der Vorwurf nicht zu, wir sind nun auf einem guten Weg.

Wie steht es mit der Finanzierung?

Diese Frage betrifft vor allem den Bund. Denn für die Infrastruktur im Bahnbereich ist das Land nicht zuständig. Im Bereich der Regio-S-Bahn Donau-Iller gehört uns keine einzige Schwelle, kein Millimeter Schiene. Die DB Netz und das Bundesverkehrsministerium müssten die Maßnahme finanzieren. Aber die relevanten Teilstrecken des Projektes sind im Bundesverkehrswegeplan nicht im „vordringlichen Bedarf“ eingestuft. Wir meinen: Das ist eine falsche Entscheidung.

Was ist dann die Lösung?

Das Mittel der Wahl heißt Bundes-Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (BGVFG). Der Bund übernimmt 60 Prozent, das Land 20 Prozent und die kommunale Ebene 20 Prozent der  zuwendungsfähigen Kosten. Übrig bleiben dann die laufenden Betriebskosten, da ist das Land in der Pflicht. Wir sind bereit, die Finanzierung bis zum Landesstandard für den Bahnverkehr zu übernehmen.

Der Verein Regio-S-Bahn will mit ersten Erfolgen Kunden binden. Macht das Land mit?

Natürlich sind wir für ein schrittweises Hochfahren. Aber ich habe dem Verein warnend sagen müssen, dass wir ein Dilemma haben: Wir müssen aufpassen, dass wir damit die Förderung des Bundes nicht zerschießen. Wenn wir im Vergleich zum heutigen Standard zu stark in Vorleistung gehen, sieht sich der Bund nicht mehr in der Pflicht, Verbesserungen zu finanzieren. Das schmälert den Bundeszuschuss und nutzt letztlich keinem der Beteiligten.

Wann und wo werden Kunden von Verbesserungen profitieren?

Ziemlich bald, Verbesserungen gibt es ab Juni. Dann werden auf Donau- und Brenzbahn Neufahrzeuge der SWEG eingesetzt, die in ihrer Ausstattung und ihrem Fahrkomfort richtig gut sind. Wir werden auch ab Juni in gewissem Umfang Taktverdichtungen vornehmen.

Und auf der Südbahn?

Die Elektrifizierung ist zurzeit in der Bauphase. Wenn diese 2021 abgeschlossen ist, beginnen wir mit der teilweisen Umstellung auf Elektrofahrzeuge bei den IRE-Linien. Damit entfällt der Lokwechsel für die nach Stuttgart verkehrende IRE-Linie in Ulm. Zusätzlich können kürzere Fahrzeiten zwischen Ulm und Friedrichshafen erzielt werden. Für die übrigen Verkehre bleibt es bis zur Neuausschreibung der Leistungen beim Status quo. Der Verlauf des Baus liegt nach unseren derzeitigen Erkenntnissen im Plan.

Die Bahn rechnet mit mehr als 300 Millionen Euro. Die Arbeiten liegen im Zeitplan, aber der Brückenbau in Ulm dauert länger.

Sorgenkind Donaubahn:  Ist geplant, dass diese nach Munderkingen weiter  bis Riedlingen fährt?

Die Strecke Munderkingen–Riedlingen soll erst in einer zweiten Priorität verbessert werden. Das ist ein Ergebnis des Workshops von Anfang März. Das Potenzial für eine zusätzliche S-Bahn ist aus unserer Sicht begrenzt, da die Ortschaften dazwischen sehr klein sind. Da muss man realistisch sein.

Kommt ein Halt in Blaustein-Klingenstein?

Die Prüfungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen. Wir ziehen das aber durchaus in Erwägung.

Wann wird mit dem Umbau des Blaubeurer Bahnhofs begonnen?

In Blaubeuren hat sich der Umbau in der Tat verzögert. Das ist ärgerlich. Es gab im vergangenen Jahr bundesweit wegen der Diskussion um einheitliche Bahnsteighöhen einen Stopp für alle Projekte. Wenn die Genehmigungsverfahren nun planmäßig weiter verlaufen, wird der Ausbau des Bahnhofs in Blaubeuren voraussichtlich im April 2020 begonnen und könnte bereits Mitte 2021 in Betrieb genommen werden, so dass dann im Zuge der Ausbaustufe 1 im Donautal der Halbstundentakt eingeführt werden kann. Das Land wird im Übrigen dort den zusätzlichen Aufzug finanzieren.

Die Obermarchtaler Räte vertagen die Entscheidung über Planungskosten.

In Amstetten wurde der IRE-Halt gestrichen, in Erbach ist unklar, ob er kommt – ist das zukunftsweisend?

Wir haben bei Amstetten einen Zielkonflikt. Unsere schnellen IRE-Produkte sind deshalb schnell, weil sie nur in großen Städten halten. Trotzdem hängen wir den ländlichen Raum nicht ab, in Amstetten hält stündlich die Regionalbahn, zudem in Tagesrandlagen einige IRE-Züge. Wenn der Fernverkehr auf der Filstalbahn weg ist, wollen wir den IRE-Halt in Amstetten wiedereinführen: Für Erbach gilt, dass wir auch dort einen Halt im Auge behalten: Sobald es technisch geht; wollen wir ihn realisieren.

 Bayern ist vom Alb-Donau-Kreistag für den zügigen Ausbau der Illertalbahn gelobt worden. Was sagen Sie?

Bayern hat seinen Bahnausbau bisher stark auf die Ballungszentren konzentriert. Aber es ist gut, dass Bayern mit der Illertalbahn nun auch den ländlichen Raum mit Schienenprojekten gezielt fördert – wie es das Baden-Württemberg schon lange tut. Wir nehmen den Wettbewerb daher gerne an.

Eine geplante Marketing-Aktion scheitert am Widerspruch des Verkehrsministeriums in Stuttgart.

Der Verein will mit der Marke  Regio-S-Bahn werben – angeblich war das Land nicht begeistert, warum?

Da gibt es keinen Dissens mehr – das Protokoll eines Treffens am 12. Februar belegt, dass die Bezeichnung „Regio“-S-Bahn eine klare Unterscheidung ermöglicht. Wir hatten ursprünglich Bedenken, weil der Begriff umfassender zu verstehen ist. Es sollte mindestens halbstündlich ein Zug fahren; um dem „Versprechen“ S-Bahn gerecht zu werden. Und das haben wir noch nicht erreicht: Aber wir gehen diesen Weg mit – entscheidend ist, möglichst viel Menschen zum Umsteigen zu bewegen. Offen bleibt die Zustimmung des Freistaates Bayern, der bisher den Produktnamen „S-Bahn“ ganz klar ablehnt. In diesem Punkt ist der Verein gefordert, Überzeugungsarbeit zu leisten.

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Amtschef Uwe Lahl, Verkehrsministerium

vvv.Das Großprojekt Regio-S-Bahn Donau-Iller soll einmal drei Städte und sechs Kreisen verknüpfen. Das Netz reicht von der Schwäbischen Alb bis ins Allgäu und nach Oberschwaben. Die Kreise Neu-Ulm, Günzburg, Unterallgäu, Heidenheim, Biberach und Alb-Donau, die Städte Ulm, Neu-Ulm und Memmingen haben sich im Verein Regio-S-Bahn Donau-Iller zusammengeschlossen, der sich auch an der Finanzierung beteiligen will

Zwei bereits stark befahrene Strecken – die Brenzbahn in Richtung Langenau und weiter bis Aalen und die Illertalbahn in Richtung Illertissen und weiter ins Allgäu – sind bereits Stand heute an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Ohne Modernisierungen und Ausbau-Konzepte komme man nicht voran in dem Bemühen, das Fahrplanangebot weiter zu verdichten, lautet das Resümee des Geschäftsführers des Vereins Regio S-Bahn Oliver Dümmler. Ein wichtiger Schritt sei die Kooperationsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern im vergangenen Jahr gewesen, ergänzte er. Baden-Württemberg sei bereits ein Jahr länger im Boot. „Es ist wichtig, dass sich die Länder zu dem Konzept bekennen.. Mit deren Unterstützung sei es erst möglich, an Fördermittel des Bundes heranzukommen.

Schrittweise Die Regio-S-Bahn ist ein langfristiges Projekt, sagt Oliver Dümmler. Wenn alle Akteure mitziehen, könnte es Schritt für Schritt bis Ende der 20er Jahre verwirklicht werden. Ein wichtiger nächster Schritt ist die Modernisierung des Bahnhofs in Blaubeuren, die im Jahr 2021 realisiert sein soll. Dann wäre auf der Donautalbahn bis Blaubeuren ein 30-Minuten-Takt möglich – so wie ihn das baden-württembergische Verkehrsministerium auf einer S-Bahn­-Strecke sehen will. Ein Jahr später, 2022, könnte der Umbau des Bahnhofs Senden abgeschlossen sein. Dann könnte auch der „Weißenhorner“ im Halb-Stunden-Takt zwischen Ulm und Weißenhorn fahren. Ein weiterer Schritt ist der im Jahr 2023 anstehende Betreiberwechsel im Nahverkehr auf der Südbahn-Strecke Ulm–Biberach. Auch dort sind laut Oliver Dümmler Taktverbesserungen möglich. Die zusätzlichen Haltestellen an der Illertalbahn, die so genannten Memminger Halte, wären dann bis 2024 an der Reihe. Gefolgt vom Teilweisen Ausbau der Brenzbahn und der Donaubahn.

Zur Person

Biografie Uwe Lahl ist seit 2014 Ministerialdirektor im Stuttgarter Ministerium für Verkehr. Der gebürtige Bremer (68) gilt als Umweltfachmann und vertritt als Amtschef Verkehrsminister Winfried Hermann. Er begann als Chemielaborant, studierte Germanistik, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften sowie Chemie, es folgten Promotion und Habilitation. Lahl arbeitete unter anderem als Beigeordneter der Stadt Bielefeld, Staatsrat in Bremen, Geschäftsführer eines Unternehmens für Umwelttechnik, Ministerialdirektor im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.